Vulkanausbruch im Kongo: Die Erde bebt, die Menschen zittern

Nach dem Vulkanausbruch im Kongo gibt es immer mehr Schäden und Tote. Dabei ist der Ausbruch noch immer nicht endgültig vorbei.

Menschen versammeln sich an einem Strom aus kaltem Lavagestein nach dem nächtlichen Ausbruch des Mount Nyiragongo in Goma

Zerstörung nahe Goma nach dem Vulkanausbruch Foto: Djaffar Al Katanty/reuters

BERLIN taz | Risse auf den Straßen, Schwerverletzte in eingestürzten Gebäuden – die Millionenstadt Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo kommt auch Tage nach dem Ausbruch des nahen Vulkans Nyiragongo am vergangenen Samstag nicht zur Ruhe.

Über 20.000 Menschen aus 4.500 Haushalten, weitaus mehr als zunächst angenommen, haben bei dem Vulkanausbruch ihre Häuser verloren – in den nördlichen Außenvierteln Gomas und einer Reihe benachbarter Dörfer. 31 Tote bestätigt eine erste Bilanz der humanitären UN-Koordinierungsstelle (OCHA) vom Dienstagabend. Zu neun Opfern eines tödlichen Verkehrsunfalls und vier von der Polizei bei einem Fluchtversuch erschossenen Gefängnisinsassen kommen demnach 24 verbrannte oder erstickte Menschen. 40 weitere werden noch vermisst.

„Es wird erwartet, dass die Asche aus dem Ausbruch zu Atemwegserkrankungen führen könnte“, warnt der OCHA-Bericht weiter. Die städtischen Behörden raten von der Nutzung des Regenwassers ab, obwohl den meisten Bewohnern Gomas nichts anderes zur Verfügung steht, und empfehlen, das Stadt­zen­trum zu meiden sowie mehrstöckige Häuser zu verlassen.

Aus den durchschnittlich drei Meter hohen, teils noch schwelenden Lavamassen, die die zerstörten Gebiete am Nordrand von Goma bedecken, steigen giftige Gase auf, an denen Menschen erstickt sind. Satellitenaufnahmen zeigen erhöhte Schwefelkonzentrationen in der Luft bis weit ins Landesinnere.

Am meisten machen die Menschen in Goma die unaufhörlichen Erdstöße zu schaffen, über 100 am Tag, manche davon in Erdbebenstärke. Mehrere Betonbauten in Goma – ein bevorzugtes Objekt von Immobilienspekulanten – sind eingestürzt. Schäden gibt es auch in der ruandischen Nachbarstadt Gisenyi. Experten bestreiten zwar, dass die Erdstöße Vorboten eines erneuten Vulkanausbruchs sind, aber ganz sicher ist sich niemand.

Ausgerechnet jetzt hat Kongos Regierung im Rahmen des Kriegsrechts, das über die Provinz Nord-Kivu mit der Hauptstadt Goma verhängt worden ist, die Bürgermeister der großen Städte abgesetzt und sie durch Polizeioffiziere ersetzt, obwohl die Polizei als korrupt und brutal gilt. Bürgermeister von Goma ist seit Mittwoch François Kabeya, der zuletzt Schülerproteste in der Stadt Beni brutal niederschlagen ließ und den die Bürgerrechtsgruppe Lucha (Kampf für den Wandel) für die Ermordung des Jugendaktivisten Freddy Kambale vor fast genau einem Jahr verantwortlich macht.

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