Vorbildhafte Ausbildung beim SC Freiburg: Von Waldsee in die Welt
25 Jahre Freiburger Schule: Nach zwei verlorenen Endspielen wollen die Freiburger dank ihrer Nachwuchsschmiede weiter oben angreifen.
Foto: kolbert-press/imago
Wüsste man es nicht besser, man würde hohe Beträge darauf wetten, dass Jürgen Klopp die Benennung seiner Nationalspieler mit der Geschäftsstelle des SC Freiburg abgesprochen hat. Die ist dem Vernehmen nach seit Langem damit beschäftigt, die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Freiburger Fußballschule zu organisieren. Und prompt beruft der Bundestrainer am Donnerstag mit Philipp Treu, Noah Atubolu (seit Sommer allerdings bei Eintracht Frankfurt), Yannik Engelhardt und Max Rosenfelder gleich vier Spieler, die im Freiburger Nachwuchsbereich ausgebildet wurden, ins Aufgebot für die Nations-League-Spiele.
Das ist nicht ohne Aussagekraft in Zeiten, in denen sich die Nation nach einem gründlich in den Sand gesetzten Turnier fragt, wo auf einzelnen Positionen die zukunftstauglichen Spieler herkommen sollen. Denn genau diese Frage beantwortet der Sportclub Freiburg seit 25 Jahren auf seine Weise: Er bildet sie selbst aus.
Das klappt prima, vorausgesetzt, das hoffnungsvolle Talent will nicht Bundesligastürmer werden. Egal, ob Papiss Demba Cissé oder Nils Petersen und Igor Matanović – alle Freiburger Stürmer der vergangenen 25 Jahre wurden eingekauft. Warum das so ist, können sie sich in Freiburg nicht erklären. Zumindest offiziell nicht.
Das Gebäude des Freiburger Nachwuchstrakts, das „Mösle“, liegt im idyllischen Stadtteil Waldsee. Auf dem Weg dorthin ist man ab Ende Februar gut beraten, auf seine Füße zu achten, um die Amphibienwanderung nicht zu stören. Die gesamte Freiburger Nachwuchsarbeit atmet immer noch den Geist ihres Gründers, Langzeittrainer Volker Finke (1991–2007). Dem studierten Pädagogen war es wichtig, dass neben einem modernen Fußballtraining auch die Persönlichkeitsbildung nicht zu kurz kam.
73 Jugendspieler für Profiteam ausgebildet
Von Beginn an kooperierte man mit Schulen und bot vor Ort Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung an. Neben den Trainern arbeitete auch früh eine Pädagogin im „Mösle“. Die half beim Deutschlernen, tröstete bei Heimweh und sorgte dafür, dass das Pächterehepaar der Stadiongaststätte auch mal fünfe gerade sein ließ und nach einem Heimsieg Schnitzel mit Pommes auftischte. Heute gibt es eine eigene pädagogische Abteilung unter Leitung von Markus Kiefer.
Der Impuls zum ersten Spatenstich im Jahr 2000 war indes Finkes Überzeugung, dass der SC aus dem industriearmen Südbaden nur dann eine Chance haben würde, wenn er das Geld, das andere für Ablösesummen ausgeben, in die Ausbildung des künftigen Bundesligapersonals investieren würde. Wie gut das Kalkül aufging, zeigt ein Blick auf die Statistik. 73 Spieler, die beim SC ihre ersten Profispiele absolvierten, sind aus der Fußballschule hervorgegangen. Europaweit bekommen selbstausgebildete Spieler nur bei Athletic Bilbao und Real Sociedad San Sebastián mehr Einsatzminuten.
Allein die Verkäufe der Fußballschüler Kevin Schade, Nico Schlotterbeck, Johan Manzambi und Noah Atubolu brachten zudem weit über 100 Millionen Euro ein und leisteten einen großen Beitrag dafür, dass der Festgeldspeicher mit etwa 200 Millionen Euro randvoll ist und man regelmäßig international spielt. Wie am 20. Mai dieses Jahres, als der SC in Istanbul das größte Spiel seiner Geschichte, das Finale der Europa League, bestritt. 0:3 ging es gegen Aston Villa verloren.
Doch beim Sportclub finden sie, dass die Nacht am Bosporus den Beweis erbracht hat, dass man in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht hat. Und zwar ziemlich genau in der 86. Minute. Zu diesem Zeitpunkt wurde im Typras-Stadion Christian Günter eingewechselt. Und damit der achte Akteur, der in der vereinseigenen Fußballschule ausgebildet worden war. Neben Matthias Ginter, Noah Atubolu, Johan Manzambi, Nicolas Höfler, Treu, Jordy Makengo und Max Rosenfelder.
Lob von Uli Hoeneß
Schon 2001 staunte die Republik nicht schlecht, als der SC seine Fußballschule eröffnete und somit die Wendung etablierte, es werde in „Steine statt Beine“ investiert. Der Spiegel räumte gleich mehrere Seiten für eine Reportage frei. Und Uli Hoeneß verkündete: „Was die machen, ist richtungsweisend.“ Es dauerte einige Jahre, bis die Konkurrenz nachzog. Doch dann wurden mit aller Macht und viel Geld bundesweit Nachwuchsleistungszentren errichtet. Heute sind sie eine der Lizenzierungsvorgaben der DFL.
Längst bilden viele Klubs nun hochwertig aus. Und lassen teure Neueinkäufe spielen. Umgekehrt gibt man mittlerweile auch in Freiburg stattliche zweistellige Millionensummen für Neuzugänge aus. Am obersten Gebot der Vereinspolitik – der Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs- und Profibereich – haben sie in den 25 Jahren ebenso wenig gerüttelt wie an der Maxime, dass jeder Euro, der in den Nachwuchs fließt, ein gut investierter ist.
Es bleibt dabei: Wenn ein junger und ein älterer Spieler annähernd gleich gut sind, spielt beim SC der jüngere. Dass es bei vielen Konkurrenten genau andersherum ist, ist dem Sportklub im vergangenen Vierteljahrhundert immer sehr recht gewesen.
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