Vorauseilender Jahresrückblick 2022: Das Patriarchat schlägt zurück

So wird's gewesen sein: Spätestens ab der dritten groten Mandränke geht es nicht mehr nur um Corona, dafür droht die Rückkehr einer alten Ordnung.

Eine Karrikatur von Olaf Scholz: Er sieht sich schon in Badehose im Urlaub, dann kommt doch der Cum-Ex-Ausschuss dazwischen

Es hätte so schön sein können: Olaf und der verflixte Cum-Ex-Ausschuss Foto: Imke Staats

Januar

10. 1. Um den früheren Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) befragen zu können, tagt der Hamburger Cum-Ex-Untersuchungsausschuss in Berlin im Paul-Löbe-Haus. Dort allerdings eröffnet Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) dem Gremium, dass der Zeuge am Samstag zum Kurzurlaub auf den Seychellen aufgebrochen ist.

„Sorry, hab’s verbummelt“, antwortet Scholz auf dessen SMS. Der Ausschussvorsitzende Mathias Petersen (SPD) weist im NDR-Interview „das böse Wort von Missachtung entschieden zurück“. Auch ein Bundeskanzler habe „ein Recht auf Urlaub“, findet Petersen. Außerdem habe man sofort einen Ausweichtermin für Ende des kommenden Monats vereinbart.

19. 1. Bei ihrer Jagd auf Bakary Daffeh verzeichnet die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Rückschlag: HSV-Kicker Bakery Jatta kann beweisen, dass er nicht Bakary Daffeh ist, obwohl er fast denselben Vornamen trägt. In der Folge wird geprüft, ob man die Anklage gegen Jatta wegen Vortäuschens einer falschen Identität abschwächen könne, zweifelt aber daran, „denn schwarz ist er ja weiterhin“, so eine Sprecherin.

20. 1. Dass sie als Bremer Wirtschaftssenatorin mehr als 500 Meter bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle laufen müsse, nennt Kristina Vogt (Die Linke) im Weser-Kurier „ein Unding“. Wenn Verkehrssenatorin Maike Schäfer (Grüne) sich weiter gegen eine Verlegung der Straßenbahn sperre, sei sie „eine verkehrte Senatorin“.

26. 1. Dänemark beginnt mit der Erhöhung des Wildschweinzauns. Das sei eine längst überfällige Maßnahme, informiert der sozialdemokratische Agrarminister Rasmus Prehn: „Nachdem uns gelungen ist, mit dem Zaun die Schweinepest auszusperren, werden wir nun auch dafür sorgen, dass die deutsche Vogelgrippe nicht unser dänisches Geflügel schädigt.“ Andere Länder hätten das Glück, ihre Nachbarn durch hohe Gebirge auf Distanz zu halten, „wir müssen halt einen kilometerhohen Zaun bauen“. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne) richtet „an unsere lieben Nachbarn die Bitte, das noch einmal zu überdenken“.

Februar

7. 2. Die in Georgsmarienhütte festgestellte neue Corona-Mutation ist die erste, nach Erschöpfung des griechischen Alphabets bestimmte Virusvariante. Sie erhält daher als erste auf Anregung der WHO eine Runen-Bezeichnung: Fehu-Covid ist resistent gegen alle bekannten Impfstoffe bis auf Astra Urtyp. Neben den gängigen Symptomen verursacht sie bei Erkrankten eine dauerhafte und chronische Testosteron-Überproduktion. Brigitte grübelt über die Bedeutung dieser Erkenntnis: „Bekommen wir ein Problem mit dem Männerhormon?“

8. 2. Beim taz-Wahlkampf-Salon in Kiel schlägt Grünen-Spitzenkandidatin Aminata Touré eine unerwartet dramatische Tonart an: Frische Studien des Kieler Klimaforschers Mojib Latif belegten, dass es noch im Laufe des Frühjahrs zu einem erheblichen Anstieg des Meeresspiegels kommen könnte, „der unsere Westküste stark gefährden würde“.

10. 2. „Irre: Diese Grüne (29) lässt uns alle schwarzsehen!“, titelt die regionale Bild in ihrem Bericht über das, was sie Aminata Tourés „peinliche Wahlkampfaussetzer beim Linkspostillen-Talk“ nennt: „Mit Weltuntergangs-Zahlen vom verrückten Muslim-Prof (67) aus Kiel will diese Frau uns Angst machen“, heißt es weiter. „Wer sich fürchtet, wählt grün: So geht ihre Rechnung. Fies!“

12. 2. Schleswig-Holsteins stellvertretender Ministerpräsident Jan-Philipp Albrecht (Grüne) rügt den „zumindest unterschwelligen Rassismus“ des Artikels und warnt davor, Tourés Aussagen „als Panikmache abzutun“. Diskutiert werde „ein nicht völlig unplausibles, datenbasiertes Szenario, das wir ernst nehmen sollten, auch wenn es nicht das wahrscheinlichste ist, das wir uns bei sorgfältiger Analyse vorstellen können oder auch nur wollen“, teilt er mit.

Wimmelbild mit Gorch Fock, Pimmel-Grote und Wolf

Ist ganz schön was los im Norden: Was 2022 alles passieren kann Foto: Imke Staats

Bild solle sich für ihre „einigermaßen inakzeptable Art, das Thema zu behandeln, mit den Grünen und Touré verständigen“. Bild-Hamburg-Chef Max Schneider kontert: „Das haben wir schon erwartet, dass die gleich wieder mit der Rassismuskeule auf uns losgehen“, vertraut er der Deutschen Presseagentur an. „Aber von der schwarzen Prinzessin lass’ ich mir den Mund nicht verbieten.“

18. 2. Die „Gorch Fock“ wird von Kiel nach Bremerhaven geschleppt, „für etwa einwöchige Wartungsarbeiten mit Kosten von zirka 30.000 Euro“, wie Verteidigungsministerin Christine ­Lambrecht (SPD) mitteilt.

19. 2. Auf die Idee einer Tram-Verlegung angesprochen, sagt Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) im Radio-Bremen-Interview: „Für so unwirtschaftliche Ideen ist in Bremen die Unwirtschaftlichkeitssenatorin zuständig.“

März

1. 3. Der Vorsitzende des Hamburger Cum-Ex-Ausschusses, Mathias Petersen (SPD), stellt beim Blick in den Kalender fest, dass bereits März ist. „Als wir unseren Februartermin mit unserem Kanzler Olaf Scholz ausgemacht haben, war uns völlig entfallen, dass 2022 gar kein Schaltjahr ist.“ Man werde umgehend für Abhilfe sorgen, „auf dem kurzen Dienstweg, von Genosse zu Genosse“.

8. 3. Der Vorsitzende des Niedersächsischen Corona-Forschungsnetzwerks, Professor Jürgen Wienands, bestätigt die befürchteten Langzeitfolgen von Fehu-Covid: Die Genesenen fühlten und verhielten sich „deutlich maskuliner“ als vor ihrer Erkrankung.

9. 3. Im Magazin Niedersächsischer ­Jäger erscheint unter dem Titel „Ein ungeheurer Verdacht“ eine spektakuläre Investigativ-Story über einen Menschwolf im Landkreis Friesland. Für politisches Aufsehen sorgt vor allem der Kommentar zum Thema im Editorial: „Wir wissen nicht, was Umweltminister Olaf Lies mit diesem Hybridwolf zu tun hat“, hält darin Chefredakteur Benedikt Schwebeln fest. Aber „eine gewisse Ähnlichkeit wie zwischen Vater und Sohn“ lasse sich „kaum ernsthaft bestreiten“. „Seien wir besonnen“, appelliert Schwebeln, „das alles kann Zufall sein. Ein mehr als zufälliger Zusammenhang würde aber in der Tat viele Merkwürdigkeiten in der niedersächsischen Wolfspolitik erklären.“

10. 3. Bundesklimaminister Robert Habeck, Bundesumweltministerin Steffi Lemke sowie Schleswig-Holsteins Umwelt- und Klimaminister Jan-Philipp Al­brecht besprechen sich mit dem Grünen-Spitzenduo Monika Heinold und Aminata Touré sowie einem Forscherstab um Mojib Latif in kleiner Runde in Kiel. „Die Lage hier im Norden bereitet uns echt totale Sorgen“, so Habeck im Anschluss zu wartenden Reporter*innen. „Wir können dazu derzeit kein Statement formulieren.“ Eine Pressekonferenz werde es nicht geben. Das Verweigern klarer Ansagen sei „ein raffinierter, aber auch heikler Wahlkampf-Coup“, deutet die FAZ die Enthaltsamkeit.

11. 3. Eine parlamentarische Anfrage zu Menschwolf Odo wird von der niedersächsischen Landesregierung als regelwidrig zurückgewiesen: Anfragen zu Familienangehörigen der Mitglieder der Landesregierung seien nicht einmal im Landestransparenzgesetz vorgesehen. Auf die mündliche Nachfrage nach diesem Gesetz reagiert Innenminister Boris Pistorius (SPD) ungehalten: „Wir haben es in geheimer Sitzung beschlossen und umgehend zur Verschlusssache erklären müssen“, blafft er. Die Anfrage belege nur zu gut, wie richtig diese Entscheidung gewesen sei. „Wir lassen uns unsere Transparenz von Ihnen nicht beschmutzen!“

15. 3. In der Bremer Senatssitzung regt Kristina Vogt (Die Linke) in Abwesenheit von Maike Schaefer (weilt auf der Kieler Strahlenschutzkonferenz) an, „ein unverbindliches Stimmungsbild zur Idee Straßenbahnverlegung“ zu erstellen.

29. 3. Im Paul-Löbe-Haus in Berlin will gerade der Hamburger Cum-Ex-Ausschuss zusammentreten, als Wolfgang Schmidt den Saal betritt: Er habe schlechte Nachrichten, teilt der Kanzleramtsminister mit. Leider habe keiner dran gedacht, den Treffpunkt für dieses Meeting festzuzurren: „Just in diesem Moment ist Olaf Scholz im Plenarsaal der Hamburgischen Bürgerschaft eingetroffen“, das sei nun nicht mehr zu ändern. Per Telefon schlägt Scholz vor, die „nächste Sitzung auf jeden Fall in Hamburg“ abzuhalten und einfach von Dienstag auf „kommenden Freitag, 16.25 Uhr“ zu verschieben.

April

1. 4. Beim Vorsitzenden des Cum-Ex-Ausschusses, Mathias Petersen (SPD), klingelt um 8.30 Uhr das Smartphone. „Mensch, Olaf“, freut der sich über den Anruf. „Ja, Matze“, so der Kanzler, „gut, dass ich mir deine Nummer hab merken können. Weißt du auch, was für ein Tag heute ist?“ „Freitag?“ „Jawoll – aber nicht nur! Du hast die Ehre, der erste zu sein, den ich als Kanzler in den ­April geschickt habe. Bitte vergiss nicht, das den Ausschussmitgliedern mitzuteilen!“

6. 4. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies lobt eine Abschussprämie von 2.000 Euro aus für denjenigen, der Menschwolf Odo erlegt. Unmittelbar danach ziehen die Roten Weidmänner, die als mächtigster Zusammenschluss innerhalb der Landes-SPD gelten, ihren Antrag zurück, Lies beim Parteitag am folgenden Wochenende abzuwählen.

10. 4. Lies wird überraschend vom Landesparteitag der SPD zum Spitzenkandidaten gekürt. „Ein Mann, der mit Wölfen per Du und sogar bereit ist, für die Sozialdemokratie seinen Sohn zu opfern, dem kann ich mich nicht entziehen“, räumt Ministerpräsident Stephan Weil bereitwillig das Feld. „Das ist ja fast wie Jesus.“ Außerdem sei Olaf „ein Winner-Name“, findet Weil. Entsprechend geht die SPD mit dem Slogan „Mehr Olaf wagen“ in den Wahlkampf.

16. 4. Bei „Hallo Niedersachsen“ spricht Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) erstmals über die gerade überstandene Fehu-Covid-Infektion und dass sie sich nicht mehr als Frau wahrzunehmen vermöge. Der Fleischerverband Niedersachsen/Bremen ernennt Otto Kinast umgehend zum Ehrenmann.

Karrikatur von Grotes Pimmelgate

Foto: Imke Staats

19. 4. Stefan Seidler schmeißt in Berlin eine Riesen-Party: Grund seien die rund 50.000 zu Ostern an ihn geschickten Gækkebriefe, erklärt der Bundestagsabgeordnete der dänischen Minderheitspartei SSW der Hauptstadtpresse: Gemäß dänischer Tradition habe er nun die Pflicht, ein Fest für all jene Absender auszurichten, die er nicht erraten habe – die gesamte Südschleswigsche Community. Die Feierlaune weicht dem Entsetzen, als um 16 Uhr ein Tsunami die Westküste Schleswig-Holsteins mit voller Wucht trifft, die Deiche hinwegfegt und das Meer im Anschluss die Marschen komplett flutet.

„Wir erleben die dritte Grote Mandränke“, sagt Robert Habeck, der bei den verzweifelten Schöpfarbeiten vor Friedrichstadt hilft. Als ein RTL-News-Reporter ihn fragt, ob es für die Grünen bei der Wahl gut ist, dass sie mit ihren Warnungen recht gehabt haben, schaut Habeck ihm tief in die Augen und sagt: „Sorry, aber das ist doch echt eine Bullshit-Frage.“

20. 4. Mit der Schlagzeile „Brauchen wir etwa einen Flut-Führer?“ greift die Bild direkt Habecks Kriseneinsatz an.

21. 4. Bei einer Sondersitzung verabschiedet der Kieler Landtag einstimmig eine Resolution, die „daran erinnert, dass die Flutkatastrophe, die uns völlig unvorhergesehen getroffen hat, für niemanden Anlass zum Triumphalismus bietet, auch nicht für die Grünen“. Jörg Nobis (AfD) erläutert im Exklusivinterview mit den Kieler Nachrichten, dass die „Emanzenbande“ damit noch gut weggekommen sei, „nachdem ihre schwarze Prinzessin die Flut herbeigeredet“ habe.

Mai

2. 5. Die sechs Landräte und die zwei Oberbürgermeister Mecklenburg-Vorpommerns kritisieren den „nachgiebigen Kurs der Landesregierung“ gegenüber den aus dem überfluteten Schleswig-Holstein Geflüchteten. Er wolle das jetzt nicht als typisches „Weiber-Regiment“ bezeichnen, sagt der Landkreistagsvorsitzende Heiko Kärger (CDU), aber es mache eben schon etwas aus, wenn in der Regierung mehr Frauen säßen, „und wir hier, die sich an der Basis kümmern und mitkriegen, wie sich die Bürger überfremdet fühlen, sind nun mal alles Männer“.

8. 5. Unter widrigsten Bedingungen hat Schleswig-Holstein gewählt: „Vielleicht“, kommentiert Robert Habeck das mit 4,5 Prozent schwache Abschneiden der Grünen in der taz, „haben wir mit unserem Angebot, zwei Frauen, eine davon schwarz, ganz nach vorne zu stellen, ganz einfach die Wähler überfordert.“ Das räche sich eben. „Auch die Flut hat uns nicht gerade in die Karten gespielt“, analysiert er. „Die Menschen fühlen sich nicht wohl mit Leuten, die Unheil prophezeien.“

Zulauf verzeichnet dagegen der SSW: „Die haben bewiesen, dass sie ihre Leute schützen können, ohne die Stimmung zu vermiesen“, sagt Simone Lange (SPD) im Wahltalk mit Blick auf die Berliner Osterbriefe-Party. „Das muss man einfach auch mal neidvoll anerkennen.“ Die 52 Prozent der Stimmen kann der SSW aber nicht in Mandate ummünzen: Er hat viel zu wenig Kan­di­da­t*in­nen auf der Liste. Die SPD kann sich daher über ihre komfortable Mehrheit freuen. Nachdem die Abgeordneten erfahren haben, dass ein Thomas Losse-Müller ihr Spitzenkandidat war, wählen sie ihn auch zum Ministerpräsidenten.

14./15. 5. In Erinnerung an Annalena Baerbocks Performance und unter dem Eindruck des Wahldebakels von Schleswig-Holstein setzen die niedersächsischen Grünen das Frauenstatut aus. Spitzenkandidat wird der frühere Agrar­minister Christian Meyer, die ersten fünf Plätze gehen an weiße Männer jenseits der 40. „Wir müssen uns vom Jugendwahn freimachen“, begrüßt Gastredner Robert Habeck die Tendenz.

26. 5. In Hamburg kündigt Andy P. Grote (SPD) an, mit Geldern aus dem Innen-Etat „mannhaft die Obdachlosigkeit zu bekämpfen“. Diese werde „insbesondere auf den Bänken im Bahnhofs­umfeld“ mehr und mehr zur Belastung. Man habe dafür „ein neuartiges, preisgünstiges Werkzeug entwickelt, die pollerartige immissionsfreie Landstreicherabwehr“, so Grote am Vatertag weiter, „kurz PIMML“. Es handelt sich um kleine fleischfarbene Silikon-Röllchen in Stößel-Form, die ohne viel Aufwand an Stadtmöbeln befestigt werden können. „Das soll eine abschreckende Wirkung entfalten“, sagt der Innensenator. „Für mich haben sie aber auch etwas Dekoratives.“

Juni

10. 6. Die „Gorch Fock“ soll von Bremerhaven wieder zur Ostsee aufbrechen, um dort humanitäre Hilfe für schleswig-holsteinische Geflüchtete zu leisten. Bei der Flutung des Docks reißt allerdings ihr Rumpf auf und der Vorgang wird abgebrochen. „Da müssen wir wohl nachbessern und etwas auf die 30 Millionen Euro für die Wartung draufsatteln“, informiert Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) die Presse.

20. 6. Die Hamburger Morgenpost macht bekannt, dass Innensenator Andy Grote plant, die volkstümliche Bezeichnung der PIMML an den städtischen Bänken als „Grotes“ oder auch „lütte Grotes“ zu untersagen.

21. 6. Nachdem Odo, der Menschwolf, mehrfach am Dollart gesichtet wird, erhöht Olaf Lies die Abschussprämie aus seinem Privatkonto um 20.000 Euro.

Juli

4. 7. Im Gespräch mit der Morgenpost räumt Andy P. Grote (SPD) ein, dass er seinen PIMML-Erlass wegen unerwarteter verfassungsrechtlicher Hürden zurückziehen musste. „Man wird die PIMML leider weiter Grotes nennen dürfen, auch wenn ich das geschmacklos finde“, sagt Hamburgs Innensenator. Zugleich werde die PIMML-Montage vorläufig gestoppt, „weil sie in großer Stückzahl offenbar als Souvenir abgerissen und entwendet“ würden.

5. 7. Während Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) den Bremen-Stand auf der Handelsmesse in Dar-Es-Salam eröffnet, regt Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) bei der Bremer Senatssitzung an, grundsätzlich zu beschließen dass die Kosten von Straßenbahn-Verlegungen diejenigen zu übernehmen haben, die sie vorschlagen.

8. 7. Auf ihrem Parteitag beschließt die Niedersachsen-CDU, mit dem Slogan „Endlich ein Ehrenmann für Hannover“ zur Landtagswahl anzutreten. „Ich habe das Signal verstanden“, kommentiert der Parteivorsitzende Bernd Althusmann das Votum. „Ich werde auf die Spitzenkandidatur zugunsten von Otto Kinast verzichten!“

August

15. 8. Bei einer Sommer-Tour zu Bremens Baustellen treffen Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) ungeplant aufeinander. Wenige Sekunden später drischt Vogt mit der Stange einer Werder-Fahne auf Schaefer ein, die ihr Sand in die Augen schleudert. Die Prügelei bringt Bremen erstmals seit Langem wieder bundesweit in die Schlagzeilen.

Die innerkoalitionären Spannungen räumt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ab, indem er aus dem Urlaub heraus den Abbau der Tram verkündet. Der Imageschaden, den es für Bremen bedeute, als „Dorf mit Straßenbahn“ verlacht zu werden, müsse ein Ende finden.

16. 8. Die „Gorch Fock“ wird für abschließende Arbeiten nach Wilhelmshaven geschleppt, was leider zusätzliche Kosten „von wenigen Millionen“ verursacht, wie Verteidigungsministerin Lambrecht einräumt.

September

21. 9. In der Hamburgischen Bürgerschaft tritt der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Cum-Ex-Skandal zusammen. Die Laune ist blendend, bis 15 Minuten nach Sitzungsbeginn Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) den „lieben Genossen Petersen“ am Smartphone zusammenfaltet: „Der Olaf und ich warten seit 14 Uhr im Löbe-Haus, und rat mal auf wen?“

27. 9. Der NDR hat die Regeln für das Wahl-Triell bei der Niedersachsenwahl geändert: Nachdem sich die Messung der Redezeit im Bundestagswahlkampf als hoch kompliziert und fehleranfällig erwies, stellt Chefredakteur Andreas Cichowicz nur kurz die Kombattanten vor, um sich dann „in gebotener Zurückhaltung zu üben“, wie er sagt: „Damit haben wir einen echten Wettkampf, bei dem, wie beim Mexican Shoot-out derjenige gewinnt, der am Ende noch steht.“

Die Chance lässt sich Christian Meyer nicht entgehen: „Ich könnte jetzt pausenlos so weiter reden“, stellt er nach drei Stunden fest, „aber die Sendezeit ist leider begrenzt und die Regie hat mir einen Zettel reingereicht, dass Olaf und Otto Sie herzlich grüßen lassen, aber hätten aufgeben müssen.“

29. 9. Die Niedersachsen-Grünen stellen ein neues Plakat vor, das Christian Meyer am Rednerpult zeigt: Der Slogan: „Last Man Talking – hilft gegen alle“.

Oktober

9. 10. Bei der Landtagswahl fahren die Grünen in Niedersachsen einen Erdrutschsieg ein: Sie erhalten 66 Prozent der Stimmen, Linke, SPD und CDU meistern gerade noch die Fünfprozenthürde, die FDP scheitert knapp.

Das sei keine Überraschung, erklärt der Politikwissenschaftler Andreas Busch im NDR. Insgesamt zeige sich ein „Trend zu einem eher wortreichen Politikstil: Männer, die die Welt erklären, sind wieder gefragt.“ Meyer ist zu Tränen gerührt: „Ich bin sprachlos“, sagt er. Zum Umweltminister beruft er einen gewissen Odo M. Wolf.

November

18. 11. Beim Kalfatern der „Gorch Fock“ kommt es zu einer Explosion, weil Dichtungsmittel und das Insektizid, mit dem der Hauptmast behandelt wurde, reagieren: Sie reißt eine Bresche in die Spundwände des Jade-Weser-Ports, der umgehend gesperrt werden muss. „Wie hoch die Folgekosten sind, kann noch nicht abgeschätzt werden“, sagt Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). „Der unmittelbare Schaden wird derzeit mit 1,4 Milliarden Euro beziffert.“

Dezember

13. 12. Bei einer Razzia in Hamburgs Shisha-Bars werden große Mengen gefälschter PIMML beschlagnahmt. Innensenator Andy P. Grote (SPD) lobt den Einsatz als „wichtigen Schlag gegen die organisierte Kriminalität: PIMML zu fälschen und mit ihnen zu handeln, ist alles andere als ein Kavaliersdelikt.“

29. 12. Als er am Zweiten Weihnachtsfeiertag feststellt, dass er zwischen den Jahren noch nichts vorhat, lädt Olaf Scholz (SPD) den Untersuchungsausschuss zum Cum-Ex-Skandal ein, ihn zu befragen. Die Abgeordneten eilen in den Plenarsaal.

„Erlauben Sie mir“, ergreift Scholz eingangs die Gelegenheit für ein Statement, „hier noch einmal zu betonen, wie sehr mir diese Aussage hier ein Anliegen ist, und dass ich mich freue, dass Sie mir ermöglichen, endlich meine Sicht der Dinge darzulegen. Gleichwohl muss ich Sie warnen, die Erwartungen zu hoch zu schrauben, denn außer dem Eintrag in meinen Terminkalender ist, wie Sie sich sicher vorstellen können, jede Erinnerung an ein mutmaßliches Treffen oder auch nur ein mögliches Gespräch mit einem Herrn Olearius, dessen Namen ich, wie ich gestehen muss, so wie die meisten, nur aus der Zeitung kenne, unwiederbringlich verloren.“

Als der Ausschuss darauf schweigt, ergänzt er noch: „Und glauben Sie mir, niemandem tut das mehr leid als mir selbst.“ Dann rückt er die Krawatte zurecht, packt seine Mappe und schleicht aus dem Plenarsaal. Auf Zehenspitzen. Denn Olaf Scholz will ganz bestimmt niemanden um seinen verdienten Schlaf bringen.

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