Von der Leyen-Vorschlag: Länger Geld für Teilzeit-Eltern
Die Familienministerin will Eltern helfen, die sich nicht trauen, ihren Job vollständig ruhen zu lassen: Wer Teilzeit arbeitet, soll 28 Monate lang das halbe Elterngeld beziehen können.
BERLIN taz Väter und Mütter, die nach der Geburt eines Kindes vom Vollzeitjob in Teilzeit wechseln und dann aufstockend Elterngeld beziehen, haben es künftig möglicherweise bald besser. Nach Plänen von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll der zeitliche Anspruch auf insgesamt 14 Monate Elterngeld künftig anteilig mit der reduzierten Arbeitszeit verrechnet und so auf bis zu 28 Monate verlängert werden.
Mütter und Väter, die beispielsweise in eine 60-prozentige Teilzeit gehen, sollen künftig nur noch einen halben statt wie bisher einen vollen Monatsanspruch an Elterngeld verbrauchen, erklärte Jens Flosdorff, Sprecher des Bundesfamilienministeriums. Der verbliebene halbe Monat wird an den Anspruch angehängt, dadurch verlängert sich die gesamte Bezugsdauer nach hinten. Diese Eltern erhielten dann unterm Strich nicht nur länger, sondern in der Regel auch mehr Elterngeld, erklärte Flosdorff.
Dies bedeutet eine Verbesserung auch für Paare, die gleichzeitig ihren Job reduzieren und sich um das Kind gemeinsam kümmern möchten. Bisher verbrauchen sowohl der Vater als auch die Mutter dabei jeweils einen "Elterngeld-Monat". Nach 7 Monaten gemeinsamer Kinderbetreuung und Teilzeitbeschäftigung ist damit der Anspruch auf Elterngeld erschöpft. Nach der künftigen Regelung, so Flossdorf, können solche Paare bis zu 14 Monate lang gemeinsam ihr Kind versorgen, wenn sie beide während dieser Zeit etwa nur einen 60-prozentigen Teilzeitjob machen.
Das Elterngeld bemisst sich dabei wie bisher nach dem Lohnausfall durch die Reduzierung der Arbeitszeit. 67 Prozent des Lohnverlustes werden dabei vom Staat erstattet.
Der Vorstoß aus dem Hause von der Leyens sei "begrüßenswert", erklärte der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer. Der Vorstoß könne "noch in dieser Legislaturperiode" umgesetzt werden, meinte Singhammer. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund befürwortete den Vorschlag.
Gerade die Möglichkeit, dass Paare gemeinsam längere Zeit Elterngeld beziehen können, wird "von vielen Vätern und Müttern sicher sehr begrüßt", sagte Volker Baisch von Väter e. V. in Hamburg, der Eltern auch in Teilzeitfragen berät. Denn für viele Eltern sei es ein Wunschmodell, dass beide in der ersten Zeit ihren Job reduzieren und abwechselnd das Baby betreuen können.
Man bräuchte aber vor allem auch eine Struktur und einen Habitus in den Unternehmen, die es Männern erleichterten, in Teilzeit zu wechseln, betonte Baisch. Viele Männer bekämen in ihrem Betrieb noch zu hören, sie "müssten sich entscheiden, ob Beruf oder Familie", sagte der Bundesgeschäftsführer des Vereins Väteraufbruch, Rüdiger Meyer-Spelbrink.
In Firmen ohne eine Kultur der familienfreundlichen Flexibilisierungen "trauen sich nur wenige, von neuen Gesetzesregelungen Gebrauch zu machen", meinte der Berliner Arbeitszeitberater Andreas Hoff.
Bis zum Juni 2008 wurden in Deutschland rund 103.000 Elterngeldanträge von Vätern bewilligt, das war ein Anteil von 15 Prozent bei den Eltern der neugeborenen Kinder. Der überwiegende Teil der Männer ging zwar lediglich 2 Monate in Elternzeit, immerhin mehr als 10 Prozent aber wählten eine Auszeit von 12 Monaten.
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