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VfL Wolfsburg steigt abWoran hat et jelegen?

Ganz Fußball-Deutschland trägt Trauer, weil der superbeliebte VfL Wolfsburg in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga antreten muss. Kleiner Scherz.

Häme und Schadenfreude über den Abstieg der 100-prozentigen Volkswagen-Tochter gibt es kostenlos an jeder Ecke. Und wenn das auch nicht die ethischsten Tugenden der Gattung Mensch sind, so sind die Reaktionen auch nicht völlig unverständlich. Die Regel außer Kraft setzen, nach der 50+1 Prozent der Stimmrechte im Besitz des Vereins sein müssen, VW-Geld verbrennen (angeblich 80 Millionen Euro pro Jahr) und dann nichts gebacken kriegen: geschieht ihnen recht! Das ist der Gedanke, und er ist ja auch nicht ganz falsch. Auch Hardcore-Anhänger des VfL sehen, dass der Abstieg nicht auf den frühen Platzverweis von Joakim Maehle am Pfingstmontag zurückzuführen ist. Das war nur der Kulminationspunkt einer langen Entwicklung.

Der erste Abstieg des VfL nach 29 Jahren Bundesliga ist faktisch eine Folge ungenügenden Managements. Das 1:2 nach Verlängerung im Relegationsduell beim nunmehrigen Bundesligisten SC Paderborn (Hinspiel: 0:0) ist das Ergebnis einer mehrjährigen Abwärtsentwicklung seit der letzten Champions-League-Qualifikation 2021. Wer das Team regelmäßig im Stadion sah, wusste schon im vergangenen Herbst, dass es ahnungsloses Geschwätz war, wenn die Fernsehexperten in jedem Spiel behaupteten, der Kader habe doch eigentlich eine „hohe individuelle Qualität“. Unsinn. Faktisch war er von Transferperiode zu Transferperiode schwächer geworden und in dieser Saison richtig schlecht zusammengestellt.

War der VfL-Fußball zuvor unansehnlich geworden, so wurde er nun auch noch unbalanciert und unstrukturiert. Andreas Pahlmann von der Wolfsburger Allgemeinen fasste die Lage schon im Herbst wie folgt zusammen: Hinten zu schwach, im Mittelfeld zu langsam, vorne fehlt ein Torjäger. Beim 0:3 gegen den VfB Stuttgart im Oktober sah man bereits den eklatanten Klassenunterschied, der jetzt amtlich geworden ist. Nun ist ein Trainer immer auch Glückssache und hinterher ist man immer schlauer, aber beide Trainerentscheidungen (Paul Simonis, Daniel Bauer) waren nicht hilfreich, und der in der Not zurückgerufene Dieter Hecking kaschierte zwar mit Fünferkette die größten Schwächen, aber am Ende holte er mit dem real existierenden Kader auch nur zwei Siege aus 11 Spielen.

Das zur Frage: Woran hat’s gelegen? Die zweite Frage lautet: Wie geht es weiter? Nachdem der erste Aufstieg 1997 noch zufällig und ohne VW zustande gekommen war, will VfL-Besitzer Volkswagen nun den sofortigen Wiederaufstieg. „Gewöhnlich gut informierte“ Leute gehen davon aus, dass ein entsprechender Etat bewilligt wird, gut möglich, dass es der größte Etat der 2. Liga wird, da werden die Fans der Konkurrenten sich richtig freuen!

Hoffen auf den Mai 2027

Die entscheidende Personalfrage ist der künftige Sportgeschäftsführer, der dann eine neue Struktur für das Unternehmen Wiederaufstieg bauen muss, einen neuen Kader zusammenstellen und den richtigen Trainer dafür finden. Es wird womöglich nicht so sein, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter von Wolfsburg bereits jetzt auf der Geschäftsstelle Schlange stehen, um Dauerkarten für die neue Saison zu erwerben. Aber wenn es ordentlich anläuft, sind auch die Leute wieder da, und in den Fanforen wird bereits der 23. Mai 2027 beschworen, an dem es „hoffentlich wieder zurück in die 1. Liga“ gehe. Im Übrigen spielen die Frauen des VfL als Bundesliga-Vizemeisterin weiterhin in der Champions League (-Qualifikation), allerdings sind auch sie nicht mehr auf dem Niveau vergangener Jahre.

Wer nun als flotter Leitartikler den VfL Wolfsburg in eine allgemeine Abstiegsgeschichte des Volkswagen-Konzerns einbinden möchte, der kann das selbstverständlich tun. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass der chinesische Automarkt und der SC Paderborn nur bedingt vergleichbar sind. Auch gibt es keinen realen Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzverlusten und Fußballinvestitionen (die im Übrigen für einen Konzern dieser Größe nur Peanuts sind.)

VfL-Aufsichtsratsvorsitzender Sebastian Rudolph, hauptberuflich Leiter der Konzernkommunikation der Volkswagen AG, hat schon vor Wochen die Fortsetzung der Finanzierung des VfL im Kontext von „Standort, Region, Bindekraft“ zugesagt. „Wir schauen, dass wir nicht an der Qualität des Fußballs sparen“, sagte Rudolph. Aber genau das ist das Problem, und hier haben auch die VfL-Hasser einen validen Punkt: Das VW-Geld wird spätestens seit dem Abgang von Sportchef Jörg Schmadtke Ende 2022 nur ungenügend in Qualität transferiert. Das Entscheidende wird also sein, dass man aus dem VW-Geld künftig deutlich mehr macht.

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