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Verzweiflung und so weiter

■ 30 Menschen protestierten gestern früh am Flughafen gegen die Abschiebung eines Minderjährigen nach Sierra Leone

„Bleiberecht für alle und so weiter“, sagt der Beamte des Bundesgrenzschutz (BGS) in sein Walkie-Talkie: seine Zusammenfassung dessen, was auf den sechs Transparenten steht, die die rund 30 AktivistInnen in der Abflughalle des Flughafens Fuhlsbüttel entrollt haben. Sie protestierten damit gestern früh um sechs gegen die Abschiebung des 17-jährigen Jean B.* in das Bürgerkriegsland Sierra Leone.

Doch es geht nicht nur um Protest, sondern auch um die letzte Chance, die Abschiebung zu verhindern: „Wir fordern die Passagiere auf, sich nicht anzuschnallen“, sagt eine Aktivistin über Megaphon, dann könne die Lufthansa-Maschine nicht starten. Aber nur wenige Passagiere bleiben stehen, um ein Flugblatt zu nehmen. Jeans Freund kommt mit einer Tasche für ihn, möchte ihn noch einmal sehen. Doch der BGS lässt ihn nicht durch – nur telefonieren dürfen die beiden. Jean ist verzweifelt und hat Angst. Sie verabreden, dass Jean anruft, wenn er gelandet ist.

Am Montagabend hatte noch die Hamburger Ehrenvorsitzende des UNO-Kinderhilfswerkes Unicef, Irmgard von Lehsten, bei der Innenbehörde interveniert – vergeblich: Der Jugendliche könne abgeschoben werden, weil er wegen Drogenhandels verurteilt wurde.

Hamburg beeindruckte auch nicht die – bis heute gültige – Bitte von Bundesinnenminster Otto Schily (SPD) vom Mai 2000, niemanden in das westafrikanische Land abzuschieben. Oder die Tatsache, dass das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge seitdem Entscheidungen über Sierra Leoner aussetzt: Gestern um 7.05 Uhr hob die Maschine mit Jean B. planmäßig ab. Heute landet der Jugendliche vo-raussichtlich in Sierra Leone – wo eine Million Menschen auf der Flucht sind. hedi

* Name geändert

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