: Verschleiß nach Plan
Italien verdonnert Apple und Samsung zu einer Millionenstrafe wegen gezielter Verbrauchertäuschung. Es dürfte nicht die letzte Rüge dieser Art gewesen sein
Von Tanja Tricarico
In kaum einem anderen EU-Staat sind Smartphones so allgegenwärtig wie in Italien. Manche sprechen gar von einer Handy-Sucht der Italiener*innen, ein Festnetz haben nur noch ältere Menschen. Diese Leidenschaft spült den Herstellern Milliarden in die Kassen.
Mit ungewöhnlich scharfen Worten haben die italienischen Wettbewerbshüter nun eine Geschäftspraxis gerügt, die in der Tech-Szene normal zu sein scheint. „Geplanten Verschleiß“ wirft die Autorità garante della concorrenza e del mercato (AGCM) Apple und Samsung vor. Der Grund: Beide Unternehmen haben offenbar die Leistungsfähigkeit alter Geräte bewusst gedrosselt. Für ihre Dreistigkeit müssen sie nun bezahlen, Apple 10 Millionen Euro, von Samsung werden 5 Millionen Euro verlangt. Zudem müssen die Firmen ihren Frevel auf ihren Websites veröffentlichen.
Hintergrund ist eine Untersuchung, die die Behörde im Januar eingeleitet hat. Die Ermittlungen ergaben, dass Apple und Samsung Updates von Betriebssystemen empfahlen, die „schwerwiegende Fehlfunktionen“ verursachten und die Leistung deutlich reduzierten. So seien die Kunden gedrängt worden, neue Geräte zu kaufen, heißt es. Beide Firmen hätten die Kundschaft nicht rechtzeitig darüber informiert, dass neue Hardware nötig werden würde.
Italien könnte mit der Strafe den Auftakt zu einer Serie von Verfahren gemacht haben. Auch in Frankreich laufen Ermittlungen gegen Apple. In den USA sieht sich der Konzern aus Palo Alto mit Sammelklagen konfrontiert. Urteile stehen noch aus, aber wird den Verbraucher*innen recht gegeben, könnten die Strafzahlungen in die Milliarden gehen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Verbraucherschützer*innen auf den kalkulierten Verschleiß aufmerksam machen. Obsoleszenz prangern unter anderem die Stiftung Warentest und das Bundesumweltamt an. Deren Expert*innen fanden 2016 zudem heraus, dass etwa 60 Prozent der TV-Geräte nach fünf oder sechs Jahren ausgetauscht werden, obwohl sie noch gut funktionieren. Die Nutzer*innen wünschen sich ein besseres Produkt, obwohl sie damit die Umwelt belasten.
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