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"Vergleiche werfen zurück"

Lernen Schülerbeteiligung helfe Problemschulen, sagt der frühere GEW-Chef Klaus Bullan

Klaus Bullan

64, derEx-Chef der Hamburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisiert die Diskussion.

taz: Herr Bullan, was ist eigentlich das Problem an den sogenannten Problemschulen?

Klaus Bullan: Das Problem an Problemschulen besteht darin, dass sich hier Kinder und Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen konzentrieren. Da soziale Benachteiligung massiven Einfluss auf die Erfolgsaussichten in Schulen hat, sammeln sich in den Stadtteilen, in denen die soziale Belastung besonders hoch ist, die Misserfolge von Schülerinnen und Schülern.

Auf der heutigen Tagung dazu nehmen auch Berliner Schulen teil. Welche Konzepte gibt es dort?

Berlin hat insbesondere mit dem Modellversuch Gemeinschaftsschulen, also längerem gemeinsamen Lernen, sehr gute Lernergebnisse erzielt. Dort setzt man an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler an und unterstützt sie in ihren Stärken. So schafft man ein besseres Lernklima.

Was bedeutet das konkret?

Das ist ganz unterschiedlich: beispielsweise eine stärkere Beteiligung der Schüler am Schulleben oder eine wirkliche Inklusion. Vor allem richten sie aber die Leistungsanforderungen an den Schülern aus und nicht an den behördlichen Vorgaben.

Wie groß sind die Probleme in Hamburg?

In Hamburg bleiben bestimmte Schulen aller Schulformen, also auch Gymnasien, in sozial benachteiligten Stadtteilen in den Ergebnissen hinter dem Durchschnitt zurück. Das wird auch in den sogenannten KESS-Untersuchungen gemessen. Schülerinnen und Schüler einiger Schulen, zum Beispiel in Wilhelmsburg oder Billstedt, liegen drei Jahre hinter den Schulen in den Walddörfern oder den Elbvor­orten.

Was tut man dagegen?

Neben ähnlichen Konzepten wie in Berlin haben sich einige Schulen auf den Weg gemacht, mit Unternehmen und Kulturinstitutionen zu kooperieren, um mehr Alltagsleben in die Schulen zu bringen.

Wo beginnt da die Verantwortung der Politik?

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Viele Schulen in sozialen Problemlagen machen eine sehr gute Arbeit. Das stößt aber ständig auf Grenzen, die von der Behörde gesetzt werden. Die Devise „Leistungsvergleiche über alles“ wirft die Schülerinnen und Schüler zurück und beschämt sie. Das muss endlich aufhören.

Interview Albert Wenzel

Diskussion „Potenziale freisetzen für eine Pädagogik ohne Grenzen“: 16.00 Uhr, kleiner Saal des Curiohauses, Rothenbaumchaussee 15

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