Verdrängung in der Schanze

Investoren-Areal wird „eingekreist“

Am Ostersamstag steigt das Schanzenfest vor dem Schanzenhof – als Protest gegen die Gentrifzierung des Areals.

Das Schanzenfest, wie es leibt und lebt - wohl auch am Ostersamstag 2016 Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

HAMBURG taz | Das traditionelle Schanzenfest im Spätsommer ist aus aktuellem Anlass als „Schanzenfrühjahrsfest“ vorverlegt worden. Am Ostersamstag wird das von Quartiers-BewohnerInnen organisierte alternative Fest rund um den Schanzenhof in der Bartels- , Susannen- und Schanzenstraße stattfinden. Es beginnt um 10 Uhr mit einem AnwohnerInnen-Flohmarkt – eine Livebühne und Soundsysteme sowie Infotische werden aufgebaut.

Grund für die Vorverlegung sind die aktuellen Pläne der Investoren Maximilian und Moritz Schommartz, die den alternativen Schanzenhof 2013 gekauft haben, die Mieten von 8,50 auf 14 Euro pro Quadratmeter anzuheben. Zum Ende dieses Monats haben sie der Drogeneinrichtung „Palette“ und der Kulturetage gekündigt, der Pachtvertrag des Bio-Restaurants und Hotels „Schanzenstern“ läuft aus.

Das Etablissement hat die HWS Immobilien der Gebrüder Schommartz an den Hotelier Stephan Behrmann vermietet, der bereits auf der Reeperbahn das Hostel „Pyjama-Park“ und am Schanzenbahnhof das Hotel „Fritz im Pyjama“ betreibt. Gespräche über eine zumindest teilweise Untervermietung durch Behrmann an die Schanzenstern-Betreiber waren gescheitert.

„Wir wollen das umkämpfte Investorenareal praktisch einkreisen, um deutlich zu machen, wie wir uns ein selbstbestimmtes Leben in der Stadt vorstellen“, sagt Fest-Mitorganisatorin Iris Peters. „Wir rufen dazu auf, sich in der aktuellen Bedrohungssituation solidarisch einzumischen und mit einem gemeinsamen Widerstandsfest rund um das Gebäude gegen Aufwertung und Umstrukturierung aktiv zu werden“ ergänzt Christian Kasten vom Organisationskomitee.

Obwohl das Fest nicht angemeldet worden ist, hat die Polizei wie in den beiden Vorjahren Zurückhaltung angekündigt. „Wir gehen von einem ruhigen Verlauf aus“, sagt Polizeisprecher Jörg Schröder. Man werde sich daher auf verkehrsregelnde Maßnahmen beschränken. Vom Bezirksamt Altona war keine Stellungnahme zu bekommen.

Hotelier Behrmann hat sich schon im Vorweg davon „distanziert“, falls die Polizei auf die Idee käme, zum Schutz seines „Fritz im Pyjama“-Hotels aufzumarschieren. Das provoziere nur und habe den „gegenteiligen Effekt“. Eine frühere Protestaktion vor dem Hotel hatte die Polizei gewaltsam aufgelöst. Dabei hatte es mehrere Verletzte gegeben.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben