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Verdrängung in BerlinGemeinsam für den Existenzkampf der Potse

Berlins zweitältester autonomer Jugendclub bangt um seine Existenz – schon wieder. Helfen soll die Kraft der Solidarität.

Die früheren Räume der Potse in der Potsdamer Straße waren von 2019 bis 2021 besetzt Foto: IMAGO / Markus Heine

D er Mietenwahnsinn und das Problem von Verdrängung sind auch weiterhin eine enorme finanzielle und existentielle Belastung für viele Berliner:innen. Aber auch Jugendzentren wie die Potse sind von Verdrängung betroffen. Aktuell muss der zweitälteste Jugendraum der Stadt schon wieder um seine Existenz kämpfen – und braucht deshalb solidarische Mitstreiter:innen.

Die Potse ist eine Institution in Berlin. Lange befand sich der autonome Raum in Schöneberg, in der Potsdamer Straße 180. Doch weil in dem Gebäude ein Coworking-Unternehmen einziehen sollte, kündigte das Bezirksamt den Mietvertrag. Daraufhin besetzten die Jugendlichen das Gebäude fast zwei Jahre, bis sie 2021 doch ausziehen mussten. Als Ersatzräume hatte der Bezirk die Zollgarage im ehemaligen Flughafen Tempelhof bereitgestellt.

Doch in sechs Monaten endet auch dort der Mietvertrag – und neue Ersatzräume sind noch nicht in Sicht. Perspektivisch sollen Räume im geplanten Haus der Jugend am Südkreuz geschaffen werden, doch ein Einzug ist erst 2030 geplant. Weil die Be­trei­be­r:in­nen diese Situation nicht alleine stemmen können, laden sie zum Zweiten Existenzkampfplenum, um eine Lösung zu finden. Es gibt bereits Arbeitsgruppen in Bereichen wie der Raumsuche und Öffentlichkeitsarbeit, die noch Verstärkung brauchen. Das Plenum findet auf Deutsch statt, es kann aber bei Bedarf ins Englische übersetzt werden (Freitag, 3. April, Columbiadamm 10, 16 Uhr).

In sechs Monaten droht das autonome Jugendzentrum Potse wieder auf der Straße zu sitzen

Mieter:innen, organisiert Euch!

Die Pankower Ortsgruppe der Berliner Mie­te­r:in­nen­ge­werk­schaft lädt zu einer solidarischen Prozessbegleitung im Amtsgericht Mitte ein. Vor Gericht geht es um eine Berufung eines Eigentümers gegen eine Eigenbedarfskündigung. Obwohl der Eigenbedarf abgewiesen wurde, lässt der Eigentümer nicht locker. Aufgrund der Ausweiskontrolle vor Ort wird um Erscheinen mindestens 25 Minuten vorher gebeten (Dienstag, 31. März, Littenstr. 12-17, Saal 1806, 12 Uhr).

Um gemeinsam und berlinweit gegen das Wohnungsunternehmen Vonovia zu kämpfen, organisieren sich Mie­te­r:in­nen des Wohnungskonzerns im Bündnis Berlin gegen Vonovia. Themen sind etwa Mieterhöhungen und zu hohe Betriebs- und Heizkostenabrechnungen. Getroffen und vernetzt wird sich im Stadtteilzentrum Schöneberg, alle vier Wochen. Das nächste Plenum findet am Dienstag, dem 31. März, in der Hauptstraße 121a um 18.30 Uhr statt.

Verdrängung, Mietenwahnsinn und Wohnungsnot erstrecken sich über die ganze Stadt. In Charlottenburg beispielsweise gibt es die sogenannte MieterWerkStadt im MieterClub für Milieuschutz und gegen Gentrifizierung. Die Eigeninitiative von Mie­te­r:in­nen und Un­ter­stüt­ze­r:in­nen plant gemeinsame Aktionen – und lädt Interessierte und An­woh­ne­r:in­nen ein, sich mit einzubringen (Mittwoch, 1. April, Neue Christstr. 8, 18.30 Uhr)

In Kreuzberg trifft sich derweil das Bündnis Gemeinsam gegen Eigenbedarfskündigungen monatlich im Familien- und Nachbarschaftszentrum Kiezanker, um öffentliche Aktionen vorzubereiten. Betroffene und Un­ter­stüt­ze­r:in­nen sind eingeladen, sich zu beteiligen. (Samstag, 4. April, Cuvrystr. 13/14, 14 Uhr).

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Desiree Fischbach
Jahrgang 1984, Magistra Artium Kunstgeschichte/ Theaterwissenschaft, FU Berlin. In der taz seit 2011: Webentwicklung Abteilungsleiterin. Hauptthemen Subkultur und soziale/ politische Bewegungen in Berlin. Foto: Maximilian König
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