Mann mit Maske misst mit Fiebertheromoter anderen Mann

Foto: EBM Papst

Unternehmen in Corona-Krise:Die schaffen das

Mundschutz auf und Temperatur messen. Lieferketten sichern, Konferenzen canceln: Wie der Mittelständler EBM-Papst die Corona-Krise wuppt.

AUS KARLSRUHE, PEKING 19.3.2020, 16:37 UHR

Ein Unternehmer heißt so, weil er was unternimmt. Es gehört zum Selbstverständnis der Tüftler und Manager, gerade im Südwesten Deutschlands, auf veränderte Situationen schnell zu reagieren. Neue Technik, neue, veränderte Kundenwünsche, das kennt man. Auch Konjunkturflauten und Finanzkrisen hat man schon überlebt. Aber eine globale Krise, die so tief in den Alltag jedes Einzelnen eingreift? Angst um die Mitarbeiter, Umsatzausfälle, Quarantäne, drohende Lieferausfälle, Reisestopp? Das ist alles ein bisschen viel für ein mittelständisches Unternehmen, wenn auch ein großes.

Na ja, eigentlich seien da ganz ähnliche Unternehmer-Tugenden gefragt, findet Hauke Hannig. Man müsse alle wichtigen Informationen beschaffen, die Situation richtig bewerten und rational handeln, sagt der Mann am Telefon in jovialem Ton mit norddeutschem Einschlag.

Seit Januar schon steuert das Unternehmen, für das Hannig als Pressesprecher Auskunft gibt, im Krisenmodus, aber die Laune hat es dem gebürtigen Bremer aus rätselhaften Gründen nicht verhagelt. Immerhin hatten sie bisher nur zwei Corona-Fälle bei 15.000 Mitarbeitern weltweit. Mehr als 10 Prozent der Belegschaft ist in China beschäftigt.

EBM Papst heißt das Unternehmen, für das Hauke Hannig spricht. Ein Familienbetrieb, von dem wohl jeder schon einmal durchgepustet wurde, den aber nur kennt, wer mit Klimaanlagen und Lüftungen aller Art zu tun hat. Oder wer in Hohenlohe wohnt, wo EBM-Papst einer der großen Arbeitgeber ist.

Mulfingen, am nordöstlichen Zipfel von Baden-Württemberg gelegen, hat gut dreieinhalbtausend Einwohner, eine Wallfahrtskapelle, einen Stausee und eine der ältesten Dorflinden im Südwesten. EBM-Papst ist hier der größte Arbeitgeber. 2.500 Menschen schaffen in den modernen Flachdachgebäuden in der hügeligen Landschaft. Hier liegen die Glasfaserkabel schon seit zehn Jahren im Boden und sorgen für schnelles Internet.

Mit Maske: Mitarbeiter im Warenlager

Mit Maske: Mitarbeiter im Warenlager im baden-württembergischen Mulfingen Foto: EBM Papst

Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Ventilatoren, die bei Klimaanlagen oder Haushaltsgeräten zum Einsatz kommen. Aber auch bei Beatmungsgeräten, wie sie auf Intensivstationen gebraucht werden.

Kein Treffen im Werk

Ein Treffen in den Werkshallen lehnt Hannig schon Anfang letzter Woche ab. Auf das Werksgelände komme seit Ende Februar nur noch, wer wirklich muss. Und auch nur dann, wenn er schriftlich bestätigt, in den vergangenen Wochen nicht in einem Risikogebiet gewesen zu sein. Die eigenen Mitarbeiter sollen jeden Morgen ihre Temperatur messen und lieber einmal zu Hause bleiben, wenn das Thermometer über 38 Grad zeigt. Das sei in der Region mit seiner ­ziemlich ­rigiden schwäbischen Arbeitsmoral gar nicht so einfach durchzusetzen gewesen, sagt Hannig.

Inzwischen ist die Verwaltung von EBM-Papst längst ins Homeoffice abgewandert, die Stühle für die verbliebenen Mitarbeiter in der Kantine wurden auseinandergerückt. Die Kolleginnen und Kollegen in der Produktion werden von einem Fahrer mit Mundschutz im Werksbus zu den Montagehallen gefahren.

Business as unusual also, Weiterarbeiten im Krisenmodus. In Mulfingen läuft das schon etwas länger als in vielen anderen Unternehmen. Denn hier waren sie früh gewarnt.

Es war Mitte Januar, da hatte der Geschäftsführer von EBM-Papst-China, Thomas Nürnberger, in seinem Büro nahe Schanghai das erste Mal von einem Virus in der Provinz Hubai in Zentralchina gehört – eine rein lokale Nachricht, dachte er sich damals. Der 51-Jährige lebt seit 15 Jahren in China und glaubte die Situation einschätzen zu können. Doch in wenigen Tagen überschlugen sich die Ereignisse: Die chinesische Regierung stellte das Zentrum der Epidemie Wuhan – eine Metropole von 11 Millionen Menschen – unter Quarantäne.

Anstatt die Ferien in Kanada zu verbringen, fand sich Nürnberger am chinesischen Neujahrsfest in seiner Wohnung wieder: „Wir sind maximal zum Einkaufen von Lebensmitteln rausgegangen – mit Gesichtsmasken und Plastikhandschuhen. Alle waren wir verunsichert, weil ja selbst die Personen, die das Virus in sich trugen, davon nicht wussten“, sagt er. Damals hatte er die Zentrale in Mulfingen schon gewarnt, dass es Probleme geben könnte.

Mitarbeiterin in der Produktion

Weiter schaffen: Mitarbeiterin in der Produktion Foto: EBM Papst

Die Kommunistische Partei in China reagierte spät, startete dann aber entschlossen ein soziales Experiment von bisher nie da gewesenem Ausmaß: Im Kampf gegen das Virus legte sie die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bis auf essenzielle Bereiche wie die Lebensmittelproduktion und den medizinischen Sektor lahm. Rund die Hälfte der 1,4 Milliarden Chinesen lebten in Quarantäne mit unterschiedlichen Auflagen. Fabrikarbeiter saßen aufgrund von Reisebeschränkungen über Wochen fernab ihrer Arbeitsplätze fest, Warencontainer blieben in den Häfen des Landes stecken. Fast sämtliche Geschäfte in den Städten wurden geschlossen, die Bevölkerung blieb in ihren eigenen vier Wänden.

„Das Schwierigste in der ganzen Zeit war, dass jede Stadt und jede Provinz, ja teilweise jeder Wohnkomplex seine eigenen Quarantäne-Regeln aufgestellt hat“, erinnert sich Nürnberger.

Bis Mitte Februar sei es nicht möglich gewesen, Waren über eine Stadtgrenze hinaus zu schicken. Teilweise verhinderten das schon die gesperrten Autobahnen. Ausnahmegenehmigungen hat EBM-Papst nur für seine Medizintechnik bekommen: So haben sie unter anderem Lüfter für Atemgeräte in die Krankenhäuser von Wuhan geliefert.

„Lieferketten-Tetris“ beginnt

„Bei uns ging zu dieser Zeit das Lieferketten-Tetris los“, sagt Hauke Hannig in Mulfingen. Wie kann das Unternehmen sicherstellen, dass die zur Produktion wichtigen Teile ins Werk nach China kommen und wie von dort wichtige Teile in den Werken in Europa ankommen? Ein Team aus Logistikern arbeitet unter Hochdruck. Das Unternehmen richtet bereichsübergreifende Arbeitsgruppen ein, die sich mit China eng abstimmen. Es gibt jetzt eine tägliche Telefonkonferenz mit allen Produktionsstandorten weltweit.

„Wir haben das Glück, dass die chinesischen Werke vor allem den asiatischen Markt beliefern“, sagt Hauke Hannig. Deshalb konnten die anderen Produktionsstandorte auf der Welt zu diesem Zeitpunkt noch wenig eingeschränkt von der Entwicklung in China weiterarbeiten. Doch ganz ohne China geht es nicht, so kommen Magnete und Rohleiterplatten aus Fernost. Normalerweise wird das Gros dieser Bauteile zwischen China und Deutschland mit Containerschiffen geliefert.

Seit der Virus-Epidemie setzt EBM-Papst wieder verstärkt auf die Bahn. Ein Expresszug vom zen­tral­chinesischen Xian bis nach Mannheim braucht nur mehr 13 Tage. Drei- bis viermal pro Woche schickt die Firma einen Container hin und her. Dazu kommt die Luftfracht, die sich in dieser Zeit allerdings um das Zehnfache verteuert hat. Insgesamt sind die Lieferkosten in der Corona-Krise um ein Vielfaches angestiegen.

Zunächst blieb das Werk in Schanghai nach den Neujahrsferien geschlossen. In der zweiten Februarwoche nahm es mit der Hälfte seiner Belegschaft die Produktion wieder auf. Die andere Hälfte stand zu diesem Zeitpunkt unter Quarantäne.

Hauke Hannig, Pressesprecher

„Wir haben das Glück, dass die chinesischen Werke vor allem den asiatischen Markt beliefern“

Nürnberger und sein Team haben ihre eigenen, umfassenden Corona-Richtlinien für die Werke in Schanghai, Xian und Suzhou entwickelt: Jeder der 2.200 Angestellten – ganz gleich ob Vorstand oder Fabrikarbeiter –, der aus einer anderen Provinz anreist, muss sich vor Arbeitsbeginn für 14 Tage unter Quarantäne begeben. Daran hat sich auch der Chef gehalten: „Ich habe seit dem 20. Januar den Bezirk Pudong in Schanghai nicht mehr verlassen“, sagt Nürnberger, „ich will einfach keine Mitarbeiter gefährden.“

Jeder aus der Belegschaft in China musste einen der drei Standorte wählen und in diesem Standort nur ein Gebäude, in dem er ausschließlich arbeiten durfte – dabei mussten alle eine Gesichtsmaske tragen. Die Produktionsgebäude wurden ebenfalls in Zonen mit fünf Metern Abstand definiert. In den Kantinen hat das Personal zwischen jedem Platz zwei Stühle herausgenommen, um einen sicheren Abstand zu wahren. Die drastischen Social-Distancing-Maßnahmen haben auch damit zu tun, dass die chinesische Regierung die Verantwortung zu großen Teilen an den Privatsektor abgeschoben hat. Wenn sich ein Infektionsstrang in einem Werk von EBM-Papst ausbreitet hätte, dann hätte die Firma genauestens nachweisen müssen, dass sie nicht gegen Quarantäne-Regeln verstoßen hat. Bislang, und darauf ist Nürnberger stolz, sei das Unternehmen in China ohne Coronavirus-Fall durch die Krise gekommen.

Die täglichen Telefonkonferenzen der Zentrale in Mulfingen mit dem Rest der EBM-Papst-Welt haben sich inzwischen verändert. Längst ist das Virus in Europa angekommen. Die Zahlen steigen beängstigend schnell. In den Telefoncalls geht es längst nicht mehr nur um Lieferketten. China-Chef Thomas Nürnberger wird zum Berater der anderen Standorte in Quarantäne- und Hygienefragen. Man solle die Abteilungen möglichst voneinander isolieren, rät er. Auch in der Kantine solle lieber abteilungsweise gegessen werden.

Längst sind alle Dienstreisen der Mitarbeiter gestoppt. Auch in der Zentrale in Mulfingen gibt es jetzt keine Konferenzen mehr, in denen mehr als zehn Leute um einen Tisch saßen. Das regelmäßige Meeting mit dem Werk im Nachbarort wird über den Computer absolviert. Die Vorbereitungen für Homeoffice laufen auf Hochtouren. Mit all diesen in China erprobten Maßnahmen konnte die Produktion auch im Werk in der Lombardei aufrechterhalten werden, selbst als sich die Region zum ersten Corona-Brennpunkt in Europa entwickelte. Auch in Italien hat EBM-Papst bisher keine Krankheitsfälle zu vermelden.

Thomas Nürnberger, Geschäftsführer

„Anfangs haben wir Masken aus Deutschland geliefert bekommen. Jetzt versuchen wir umgekehrt Masken aus China nach Deutschland zu schicken“

Jetzt Mitte März scheint China das schlimmste überstanden zu haben. Thomas Nürnberger in Schanghai blickt mit Erstaunen auf die Entwicklungen in Europa, in der sich zu wiederholen scheint, was China fürs Erste überstanden haben könnte. „In der Anfangsphase des Ausbruchs haben wir Masken aus Deutschland geliefert bekommen. Jetzt versuchen wir umgekehrt Masken aus China nach Deutschland zu schicken“, sagt er.

Am Montag veröffentlichte das Statistikamt in Peking die verheerenden Wirtschaftszahlen für das erste Quartal 2020: Um über 20,5 Prozent ist der Umsatz im Einzelhandel eingebrochen, bei Anlageinvestitionen sind es fast 25 Prozent. Das bisherige Wirtschaftswachstum in China wurde vom Virus fürs Erste vernichtet. Die noch am optimistischsten stimmende Zahl: Die Industrieproduktion ist mit einem Rückgang von 13,5 Prozent vergleichsweise gut weggekommen.

Im Vergleich zu anderen Branchen – etwa der Autoindustrie – ist EBM-Papst bisher glimpflich durch die Krise gekommen. Es kam nur zu einer etwa zehntägigen Betriebsunterbrechung in China, Lieferverzögerungen von über einer Woche blieben die Ausnahme. Bei Raumlüftern etwa ist die Anfrage gar durch die Krise gestiegen. „Wir haben im Februar mehr Umsatz gemacht, als es unser vor einem Jahr erstellter Plan vorsieht“, sagt Nürnberger. Als Krisengewinner möchte er sich jedoch nicht bezeichnen.

Die Produktion nicht gedrosselt

Heute in Krisenwoche zehn seit dem Ausbruch in Wuhan kann Hannig vermelden, dass EBM-Papst die Produktion bisher noch nicht drosseln musste. Rückstände während der Werksschließungen in China konnten wieder aufgeholt werden. Kluge Lagerhaltung hilft weiterhin Lieferengpässe zu überbrücken. Aber über das Betriebsergebnis für 2020 will der Unternehmenssprecher, jetzt wo der Höhepunkt der Krise in Europa und den USA noch bevorsteht, nicht spekulieren. Es gehe darum, den Betrieb überhaupt am Laufen zu halten.

Jetzt hofft Hannig erst einmal, dass die beiden in Mulfingen positiv getesteten Mitarbeiter bald wieder gesund sind. Sie standen immerhin schon vor ihrer Erkrankung wegen Kontakten zu Österreich-Urlaubern unter Quarantäne. Das zeigt: Die Maßnahmen greifen, jedenfalls bisher. Auch in China sei die Gefahr noch nicht vorüber, sagt Thomas Nürnberger in Schanghai: „Wirklichen Normalbetrieb werden wir eigentlich erst wieder haben, wenn ein Impfstoff da ist“.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie Anfang Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen: Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen die Regeln gelockert werden: PatientInnen oder BewohnerInnen sollen wieder durch eine bestimmte Person besucht werden können.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt sein. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga darf die Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen fortsetzen – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten. Was alles unter „Großveranstaltung“ fällt, wird noch geklärt.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios sollen die Ländern Lockerungen eigenständig verantworten.

■ Spielplätze sollen unter Auflagen wieder öffnen – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen werden wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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