Ungarische Airline stellt Betrieb ein: Bodenhaftung behalten
Die Flugzeuge der ungarischen Fluggesellschaft Malev können vorerst nicht mehr fliegen. Mehr als 200 Millionen Euro Schulden müssen erst bedient werden.
BUDAPEST dapd | Die staatliche ungarische Fluglinie Malev hat wegen ihrer katastrophalen finanziellen Lage den Betrieb eingestellt. Ab Freitagmorgen blieben alle Flugzeuge am Boden, wie die Airline in Budapest mitteilte. Malev, wie British Airways und American Airlines ein Mitglied der Oneworld Alliance, sitzt auf Schulden von mehr als 200 Millionen Euro. Das Werben um neue Investoren blieb zuletzt erfolglos.
Geschäftsführer Lorant Limburger sagte, die Partnerfluglinien hätten in den vergangenen Tagen ihr Vertrauen in Malev verloren und begonnen, Vorauszahlungen für ihre Leistungen zu verlangen. "Das hat den Abfluss von Kapital so stark beschleunigt, dass die Lage der Fluglinie untragbar wurde", sagte er in einer Erklärung. "Wir bitten alle unsere Passagiere um Entschuldigung".
Zwei Maschinen waren nach Angaben von Ministerpräsident Viktor Orban am Freitag noch im Ausland: in Israel und Irland. Er sagte dem Staatsradio, dass diese Flugzeuge wegen der Schulden von Malev nicht abheben dürften. Es sei möglich, dass Gläubiger weitere der 22 Maschinen der Fluglinie beschlagnahmen ließen, wenn das Unternehmen den Betrieb fortsetze.
Orban hält Neustart für möglich
Im vergangenen Monat hatte die Europäische Union Malev dazu verurteilt, etwa 300 Millionen Euro an illegalen Staatsbeihilfen zurückzuzahlen, die die Fluglinie zwischen 2007 und 2010 erhalten hatte. Malev verzeichnete im Jahr 2010 einen Verlust von rund 84 Millionen Euro.
"Es ist eine schmerzhafte Angelegenheit", sagte Orban. Es sei versucht worden, Malev so lange wie möglich auf Kurs zu halten, aber mehr sei nicht möglich. Er hoffe immer noch darauf, dass sich trotz der Finanzkrise in Europa neue Investoren fänden. "Ich glaube, ein Neustart ist nicht unmöglich", sagte der Ministerpräsident.
Anfang der Woche hatte die Regierung in Budapest die Airline wegen ihrer "strategischen Bedeutung" unter Konkursschutz gestellt. Sie bestellte zudem einen Konkursverwalter, der die Fluglinie beaufsichtigen soll.
Malev wurde 1946 gegründet und beschäftigt 2.600 Mitarbeiter. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, die Fluglinie zu privatisieren, hält der Staat nun 95 Prozent des Unternehmens. Im vergangenen Jahr scheiterte ein Einstieg der chinesischen HNA Group und deren Tochter Hainan Airlines.
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