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Ukrainische Armee mit neuer SpitzeGeneral mit Vertrauensvorschuss

Präsident Selenskyj setzt seine Hoffnungen in den neuen Armeechef Mychajlo Drapatyj. Allerdings gilt er als Unterstützer des gechassten Verteidigungsministers.

In einem Punkt ist Mychajlo Drapatyj in der Ukraine schon jetzt ein Mann der Superlative: Mit 43 Jahren ist der Generalmajor der jüngste Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte in der neueren Geschichte des Landes. Am vergangenen Dienstag hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj Drapatyj auf diesen Posten berufen, nachdem dessen Vorgänger Oleksandr Syrskyj – dem Drapatyj drei Rügen zu verdanken hat – unter dem Druck von Protesten nicht mehr zu halten gewesen war.

Drapatyjs künftige Aufgabe dürfte nicht leicht werden. Doch mit großen Herausforderungen umzugehen, ist er gewohnt. „Drapatyj wird als Feuerwehrmann oder Krisenmanager beschrieben. Wo immer es schwierig war, war Drapatyj zur Stelle“, zitiert das ukrainische Nachrichtenportal „Novoje Vremja“ Aleksandr Wdowitschenko, einen Militärangehörigen.

Drapatyj wurde in Kamjanez-Podilskyj geboren – eine Stadt im westukrainischen Gebiet Chmelnyzkyj. 2004 schloss er ein Studium am Charkiwer Institut für Panzertruppen ab. Ab 2014, als Moskaus Krieg gegen Kyjiw begann, war Drapatyj im Osten der Ukraine im Einsatz.

Am 9. Mai 2014 organisierte er einen Durchbruch ukrainischer Truppen in das Zentrum von Mariupol, das zu diesem Zeitpunkt von prorussischen Kämpfern gehalten wurde. Auf einem Video ist zu sehen, wie Drapatyjs Schützenpanzer eine Barrikade mitten auf der Straße durchbrechen. Dieses Video sei um die Welt gegangen, wie sich Drapatyj später in einem Interview mit dem Sender Armija FM erinnerte.

An allen Hotspots unterwegs

Drapatyj war beteiligt an der Befreiung Chersons und befehligte Truppenverbände im Raum Charkiw. An der Spitze der Einheit „Luhansk“ gelang es Drapatyj im September 2024 die militärische Lage an einem Frontabschnitt im Gebiet Donezk zu stabilisieren.

Ein Grund dafür sei laut des ukrainischen Mediums Babel“, dass Drapatyj gegen die Praxis vorgegangen sei, der Führungsebene wissentlich falsche Informationen zu übermitteln. „Er berief Versammlungen ein, bei denen er um einen ehrlichen Lagebericht bat und zusicherte, dass keine Bestrafungen oder internen Untersuchungen folgen würden“, heißt es in einem Bericht.

Für Schlagzeilen sorgte Drapatyij im Sommer 2025. Bei einem russischen Angriff auf einen Truppenübungsplatz im Gebiet Dnipropetrowsk wurden 12 Soldaten getötet und mehr als 60 verletzt. Drapatyj reichte seinen Rücktritt ein.

Zur Begründung sagte er, dies sei ein bewusster Schritt gewesen. Er habe ein persönliches Verantwortungsgefühl für die Tragödie gespürt, bei der ukrainische Soldaten ums Leben gekommen seien. Präsident Selenskyj ignorierte diese Entscheidung geflissenlich – und versetzte den verheirateten Vater eines Sohnes und einer Tochter stattdessen auf der militärischen Karriereleiter eine weitere Stufe nach oben.

Unterstützer des geschassten Verteidigungsministers

Drapatyj ist übrigens einer der wenigen hochrangigen Militärs, die sich offen für Ex-Verteidigungsminister Fedorow aussprechen. Selenskyj hatte Fedorow im Zuge einer Regierungsumbildung in der vergangenen Woche vom Hof gejagt. Sollte diese Entscheidung rückgängig gemacht werden, dürfte es zwischen den beiden gut funktionieren.

Auf Drapatyj warten so einige Baustellen. Etwa die Frage, wie neue Soldaten rekrutiert werden können

Nichtsdestotrotz: Auf Drapatyj warten so einige Baustellen. Etwa die Frage, wie neue Soldaten „rekrutiert“ werden können. Der Fernsehmoderator Serhij Pritula dämpft hohe Erwartungen. Das Problem der Mobilisierung lasse sich nicht mit einem Zauberstab lösen, Umbesetzungen in der Befehlskette würden Zeit in Anspruch nehmen. Und genau diese Zeit könnte gegen den neuen Oberbefehlshaber arbeiten.

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