UN forscht in Pakistan nach: Auf der Suche nach Bhuttos Mördern
Eineinhalb Jahre nach dem Tod Benazir Bhuttos macht sich eine Kommission der Vereinten Nationen auf den Weg nach Pakistan. Sie will endlich den Tod der Politikerin aufklären.

DELHI taz | Es war ein Augenblick, der Pakistan für immer verändern sollte: Im Dezember 2007 verließ Benazir Bhutto, die Anführerin der Pakistanischen Volkspartei (PPP), gerade in ihrem kugelsicheren Auto eine Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi bei Islamabad. Einige ihrer Anhänger stellten sich dem Wagen jubelnd in den Weg.
Die Politikerin streckte noch einmal kurz den Kopf durch das Schiebedach des Autos. Dann schoss der Attentäter erst auf die zweifache frühere Premierministerin, Sekunden später sprengte er sich in die Luft. Pakistans "Schwester der Nation" starb an ihren schweren Kopfverletzungen.
Bis heute ist nicht geklärt, in wessen Auftrag der Attentäter Benazir Bhutto ermordet hat. Daher begann am Mittwoch eine UN-Untersuchung, die klären soll, wer den Tod der Politikerin zu verantworten hat. Leiten wird die Ermittlungen Chiles UN-Botschafter Heraldo Muñoz. Ein ehemaliger Staatsanwalt aus Indonesien steht ihm zur Seite, ebenso Peter Fitzgerald, der bereits die Umstände des Attentats auf Libanons Premier Rafik Hariri untersucht hat. In sechs Monaten sollen sie das Ergebnis ihrer Untersuchungen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon übermitteln.
Sie begeben sich in stürmisches Fahrwasser. Denn der Bhutto-Mord ist in Pakistan ein Politikum. "Wir glauben, es war eine große internationale Verschwörung", erklärte Innenminister Rahman Malik. "Ausländische Kräfte" versuchten, Pakistans Einheit zu erschüttern.
Wen er verdächtigt, sagte Rahman nicht. Doch Pakistans Elite deutet immer wieder mit dem Finger nach Indien. Die vermeintliche Bedrohung durch den großen Nachbarn im Osten gehört zu Pakistans Gründungsmythos, der auch mit den absurdesten Anschuldigungen bis heute am Leben erhalten wird.
Die PPP-Spitze, allen voran Bhuttos Witwer und der heutige Präsident Asif Ali Zardari, instrumentalisierten den Mord von Anfang an: Pervez Musharraf stecke hinter dem Anschlag, erklärte Zardari unmittelbar nach der Tat. Der Militärdiktator habe seine potenzielle Kontrahentin aus dem Weg geräumt.
Erst kürzlich schwenkte Zardari um und erklärte, der Anführer der "Pakistanischen Taliban", Baitullah Mehsud, sei für den Mord verantwortlich. Bhutto selbst schreibt in ihrem posthum veröffentlichten Buch, "bestimmte Elemente" innerhalb der Musharraf-Regierung wollten sie töten.
Ob die UN-Ermittler in der Lage sein werden, dieses Gemengelage aus Anschuldigungen und Vorwürfen zu lichten, ist fraglich. Sie sind nicht befugt, eigene kriminalistische Untersuchungen durchzuführen.
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