piwik no script img

Türkische Schriftstellerin Pinar SelekGericht hebt Verurteilung auf

Die türkische Schriftstellerin Pinar Selek wurde 2013 als Bombenlegerin zu lebenslanger Haft verurteilt. Das oberste Gericht hob das Urteil nun auf.

ISTANBUL dpa | Das oberste Gericht der Türkei hat die heftig umstrittene Verurteilung der Schriftstellerin Pinar Selek (42) zu lebenslanger Haft aufgehoben. Das Kassationsgericht in Ankara machte Formfehler geltend und gab damit der Berufung Seleks statt, wie türkische Medien am Mittwoch berichteten. Der Fall werde vor einem Gericht in Istanbul neu verhandelt.

„Wir sind erleichtert. Das ist ein unerhörter Justizskandal, der sich über 16 Jahre hingezogen hat“, sagte die Generalsekretärin des Schriftstellerverbands von PEN-Deutschland, Regula Venske. Selek lebte von Dezember 2009 bis November 2011 als PEN-Stipendiatin in Berlin.

Die kritische Soziologin Selek wird als Bombenlegerin beschuldigt, seit es 1998 auf einem Markt in Istanbul zu einer Explosion mit sieben Toten kam. Selek wies die Vorwürfe zurück. Sie wurde angeklagt und zweieinhalb Jahre inhaftiert. Nach eigenen Angaben wurde sie damals schwer misshandelt.

Nach drei Freisprüchen wurde die heute im französischen Exil lebende Autorin im Januar 2013 in Abwesenheit von einem Istanbuler Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Der bisherige Verlauf der Prozesse hatte international Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit in der Türkei genährt.

Bei der Urteilsverkündung in Ankara hätten ein Dutzend Unterstützer von Selek laut im Gerichtssaal gejubelt, sagte Imre Török, Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller, der den Prozess beobachtete. Selek beschäftigte sich in ihren Büchern und Artikeln mit der türkischen Friedensbewegung, dem Kurdenkonflikt, Frauenrechtsthemen und Militarismus.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare