piwik no script img

Trumps Vorgehen in WashingtonKampf um die absolute Macht

Bernd Pickert

Kommentar von

Bernd Pickert

Kurzfristig könnte man Trumps Einsatz der Nationalgarde in Washington als Ablenkungsmanöver in der Causa Epstein verstehen. Doch es geht um viel mehr.

D onald Trump hat sich das nächste Schlachtfeld für seinen Kampf um absolute Macht ausgesucht. Entgegen jeder Datengrundlage behauptet der US-Präsident, die Hauptstadt Washington, D. C., sei fest in der Hand von Verbrechern und es benötige den Einsatz der Nationalgarde und die Entmachtung der lokalen Polizei durch den Bund, um die Stadt zu „befreien“, von Kriminellen, Obdachlosen und „Abschaum“.

Natürlich ist es wahr, dass alle größeren Städte der USA ein Problem mit Kriminalität haben. Das Versprechen von mehr Sicherheit kommt grundsätzlich immer gut an. Trumps Ankündigungen bei der absurden Pressekonferenz vom Montag haben damit allerdings erkennbar überhaupt nichts zu tun – sind die Kriminalitätsraten doch seit zwei Jahren sinkend und nicht im Ansteigen, wie Trump behauptet.

Kurzfristig ließe sich vermuten, Trump wolle einfach die nächste Nebelkerze zünden, um von dem nicht enden wollenden Rumoren über die Causa Jeffrey Epstein und seine Verwicklung abzulenken. Aber das ist zu kurz gedacht. Es geht um den Einsatz staatlicher Gewalt gegen politische Gegner.

US-Großstädte sind liberaler als der ländliche Raum, sie sind fast alle von De­mo­kra­t*in­nen regiert, und sie sind potenzielle Widerstandsnester gegen Trumps faschistisch-autoritären Staatsumbau. Politisch wird Trump dort niemanden überzeugen – viel einfacher ist es, die Machtfrage direkt militärisch zu stellen. Das war so, als Trump Militär nach Los Angeles schickte, das gilt jetzt für Washington, D. C., und ist für weitere Städte angekündigt. Was Trump an Instrumentarien auspacken könnte, sollte in New York tatsächlich im November der linke Demokrat Zohran Mamdani zum Bürgermeister gewählt werden, mag man sich gar nicht ausdenken.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Methode, zur angeblichen Bekämpfung einer herbeifantasierten Krise sämtliche Machtbefugnisse zu überschreiten, ist arg durchschaubar. Wenn auch dann nichts passiert, wenn alle die Lüge erkennen, hat Trump sein Ziel erreicht.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Bernd Pickert

Bernd Pickert Auslandsredakteur

Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
Mehr zum Thema

0 Kommentare