Trump und rechte QAnon-Bewegung: Flirt mit dem Wahnsinn

Trump teilt immer wieder Tweets der QAnon-Bewegung. Deren Hardcore-Spinnereien sind alles andere als harmlos.

Donald Trump zeigt mit dem Finger in einer Richtung und grinst

Präsident Trump im Wahlkampfmodus, hier in Arizona am 18. August Foto: Evan Vucci/ap

Der US-Präsident muss in der Woche des Parteitags der Demokraten um Aufmerksamkeit kämpfen. Was Donald Trump am Mittwoch vor der Presse im Weißen Haus sagte, sollte besser nicht unbemerkt bleiben: Er nannte Anhänger der rechtsverschwörerischen QAnon-Bewegung „Leute, die ihr Land lieben“, und fügte hinzu: „Sie scheinen mich sehr zu mögen.“ Er tat dabei so, als wisse er gar nicht genau, was für ein wirrer Verschwörungsglaube in den Köpfen der QAnon-Leuten wabert, deren Tweets er auch gerne weiterleitet.

Trump hatte schon bei anderen Gelegenheiten, etwa vor drei Jahren nach den rassistischen und antisemitischen Aufmärschen in Charlottesville, die Chance verpasst, einen Trennstrich zu extremistischen und menschenverachtenden Ideologien zu ziehen.

QAnon ist ein vor allem in den sozialen Netzwerken kursierender Verschwörungsmythos über einen angeblich von Hillary Clinton aus dem Keller einer Pizzeria in Washington betriebenen Kinderpornografiering. Inzwischen sind dieser völlig haltlosen Geschichte zahlreiche Tentakel gewachsen, die allesamt den Glauben befeuern, dass dunkle, ja satanische Mächte aus dem Umfeld der Demokraten die Präsidentschaft Trumps untergrüben.

So absurd, wie all das klingt, ist es für viele Trump-Fans in den USA nicht. Mehrere UnterstützerInnen von QAnon schicken sich an, im November Sitze im Kongress zu erobern. Bei mindestens einer gilt ein Erfolg als sicher, da ihr ländlich-konservativer Wahlbezirk nie demokratisch wählen würde.

Die QAnon-Unterstützerin Marjorie Taylor Greene, eine 46-jährige Unternehmerin, die seit Jahren auf Facebook-Videos rechte Verschwörungsthesen verbreitet, gewann nach Tiraden über „die Fake-News-Medien“, gegen den „Sumpf“ in Washington, gegen Muslime und den demokratischen Großspender George Soros vor einer Woche eine republikanische Vorwahl in Georgia. Trump nannte sie auf Twitter „einen zukünftigen republikanischen Star“. Die zwei führenden republikanischen Politiker im Repräsentantenhaus verurteilen Greenes politische Ansichten.

Wie lässt sich solch gefährlicher Unsinn wieder einfangen? Auf Hygienedemos in Deutschland wurden bereits erste QAnon-T-Shirts gesichtet. Auf jeden Fall hilft es, die Verbreitung von QAnon in den sozialen Medien einzudämmen. Twitter und Facebook haben begonnen, Hunderte QAnon-Gruppen wegen Gewaltverherrlichung in ihren Netzwerken zu sperren oder zumindest zu maßregeln, damit ihre Thesen schwerer zu finden sind. Das hätte schon viel früher geschehen müssen. Dann würden sie auch seltener von Trump zitiert.

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