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Trump spricht von Bodentruppen

Der US-Präsident sagt, die „große Welle“ von Angriffen stehe noch bevor. Verteidigungsminister Hegseth sagt, „regime change“ sei kein Ziel. Kuwait schießt versehentlich US-Kampfjets ab

Nach dem gemeinsamen Angriff von Israel und USA auf den Iran hat das Pentagon Details öffentlich gemacht. US-Generalstabschef Dan Caine zufolge waren Tausende Einsatzkräfte aus allen Bereichen beteiligt, hunderte moderne Kampfflugzeuge, Dutzende Tankflugzeuge und zwei Flugzeugträger. Hinzu kam laut Caine ein Netzwerk für Kommando- und Kontrollinformationen, Überwachung und Aufklärung.

Der Militäreinsatz soll US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zufolge nicht zu einem Machtwechsel in Teheran führen. „Dies ist kein sogenannter „Regimewechselkrieg“, aber das Regime hat sich tatsächlich geändert, und die Welt ist dadurch besser dran“, sagte er am Montag in Washington.

Er fügte an, Präsident Donald Trump habe natürlich die Freiheit, zu sagen, wie lange ein Militäreinsatz gegen den Iran andauern könnte. Er selbst würde einen Zeitraum aber offen lassen. Trump hatte am Sonntag von „vier Wochen oder kürzer“ mit Blick auf den Einsatz gesprochen. Hegseth sagt, ein solcher Einsatz könne nicht „über Nacht“ zu Ende gebracht werden. Das Kampfgebiet sei sehr groß.

Trump hat das Entsenden von Bodentruppen in den Iran nicht kategorisch ausgeschlossen. Er habe „keine Angst vor Bodentruppen“, sagte Trump am Montag in einem Interview mit der New York Post. Dem Sender CNN sagte er: „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen“. Die „große Welle“ stehe noch bevor.

Die Zahl der gefallenen US-Soldaten ist unterdessen auf vier gestiegen. Ein weiterer Soldat sei seinen schweren Verletzungen erlegen, teilt das US-Zentralkommando (Centcom) mit. Er sei bei den ersten iranischen Angriffen verwundet worden.

Die Golfstaaten werden immer weiter in den Konflikt hineingezogen. In Kuwait stürzten mehrere US-Militärflugzeuge durch sogenanntes „friendly fire“ ab – die Besatzung überlebte. Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) teilte mit, die kuwaitische Luftverteidigung habe die Jets versehentlich abgeschossen.

In Bahrain stürzten Trümmer einer von der Luftabwehr abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten ein Feuer aus. Dabei kam nach Angaben des Innenministeriums ein aus Asien stammender Arbeiter ums Leben.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, hat zu einer baldigen Rückkehr zum Dialog über das iranische Atomprogramm aufgerufen. „Meine Hoffnung ist, dass wir eher früher als später an den Verhandlungstisch zurückkehren werden“, sagte Grossi am Montag nach einer Sondersitzung des IAEA-Gouverneursrats in Wien.

Dies ist kein sogenannter,Regime­wechselkrieg', aber das Regime hat sich tatsächlich geändert.

Pete Hegseth, Verteidigungsminister

Auch die Ukraine könnte die Eskalation zumindest indirekt betreffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich für den Fall eines lang andauernden Iran-Kriegs besorgt über einen möglichen Mangel an Munition für die Luftabwehrsysteme seines Landes geäußert. „Wenn es zu anhaltenden Kämpfen im Nahen Osten kommt“, werde dies „sicherlich“ Auswirkungen auf die ukrainische Luftabwehr haben.

Unterdessen ist Friedrich Merz (CDU) zu einem bereits länger geplanten Besuch in die USA aufgebrochen. Der Bundeskanzler ist der erste europäische Regierungschef, der seit dem Angriff auf Iran Donald Trump trifft. (afp, reuters, dpa)

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