Trotz offizieller Waffenruhe: Israelischer Luftangriff im Libanon
In Libanons Hauptstadt tötet das israelische Militär nach eigenen Angaben ein Hisbollah-Mitglied. Es ist schon der zweite Angriff in Beirut während der Waffenruhe.
Der Angriff der Luftwaffe galt Hassan Bdair, Leiter der Abteilung für palästinensische Angelegenheiten der Hisbollah, sagte eine Quelle aus dem Umfeld der Hisbollah der Nachrichtenagentur AFP. Die israelische Armee behauptet, der Hisbollah-Angehörige habe gemeinsam mit der Hamas einen „unmittelbar bevorstehenden Anschlag gegen israelische Zivilisten“ geplant.
Es ist nicht das erste Mal, dass Israel gegen die Waffenruhe im Libanon verstößt. Die israelische Armee ist noch immer an fünf Punkten im Südlibanon präsent. Obwohl die Vereinbarung des Waffenstillstands seit Ende November offiziell in Kraft ist, gehen israelische Drohnen- und Luftangriffe auf Autos und Gebäude vor allem im Süden und Osten des Libanons weiter. Dadurch wurden bisher 117 Menschen getötet, zählt die libanesische Zeitung L’Orient-Le Jour.
Die israelische Armee behauptet, Waffenlager der Hisbollah zu zerstören und Hisbollah-Mitglieder zu töten. Der Libanon halte sich nicht an die Waffenruhe, Hisbollah-Kämpfer würden nicht aus dem Süden abziehen. Laut Waffenstillstandsabkommen dürfen nur die libanesische Armee und UN-Friedenstruppen im Südlibanon stationiert werden.
Libanon will Raketenbeschuss auf Israel aufklären
Die libanesische Armee und die Sicherheitsbehörde für Inneres haben derweil am Dienstag drei Männer festgenommen, die unter Verdacht stehen, am Freitag Raketen auf Israel abgefeuert zu haben. Dabei handelt es sich um zwei Libanesen und einen Syrer. Libanons Präsident Joseph Aoun hatte am Freitag gesagt: Alles deute daraufhin, dass die jüngsten Raketenangriffe nicht von der Schiitenmiliz Hisbollah durchgeführt wurden. Diese bestreitet die Verantwortlichkeit sowieso.
Es ist das erste Mal überhaupt, dass der libanesische Staat versucht, Raketenbeschuss von libanesischem Territorium auf Israel aufzuklären. Solche Untersuchungen wurden bisher durch die Macht und den Einfluss der Partei der Hisbollah im Parlament und in Regierungen verhindert. Präsident Joseph Aoun sagte am Dienstag, der Staat werde, „jede Verletzung der Souveränität durch das Ausland oder Insider verhindern, die einen zusätzlichen Vorwand für eine Aggression liefern“.
Libanons Präsident sowie Ministerpräsident Nawaf Salam sind erst seit Kurzem im Amt, beide gelten als korruptionsfrei. Aoun war zuvor Oberbefehlshaber der libanesischen Armee, Salam Präsident des internationalen Gerichtshof. Beide haben in ihren Antrittsreden versprochen, das Monopol des Staates auf Waffen durchzusetzen.
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