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Trotz Waffenstillstand in LibanonHeftige israelische Angriffe auf den Südlibanon

Israel zerstört Ausrüstung für den Wiederaufbau im Libanon. In der Nacht auf Freitag bombardierte das Militär eine Zementfabrik und Baufahrzeuge.

Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Die Menschen im Südlibanon und in der östlichen Bekaa-Ebene haben in der Nacht auf Freitag schwere israelische Angriffe ausgehalten. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen einen riesigen pilzförmigen Feuerball und Bombeneinschläge. In Aufnahmen sind panische Schreie der Anwohnenden zu hören.

Das unabhängige libanesische Online-Medium Megaphone berichtet von „großen Bomben, die massive Blitze und Explosionen verursachen“. „Die Explosionen erleuchteten den Himmel und folgten aufeinander. Sie waren sehr heftig und sehr nah. Unser Haus bebte, die Kampfjets flogen so tief, dass es sich anfühlte, als würden sie die Häuser berühren“, sagte ein Bewohner von Adloun aus dem Distrikt Saida einem Reporter der Tageszeitung L’Orient-Le Jour.

Am Donnerstagabend trafen mindestens acht israelische Angriffe das Gebiet Ansar im Distrikt Nabatieh. Sie töteten einen Menschen und verletzten mindestens sieben Menschen, berichtet das libanesische Gesundheitsministerium.

Libanesischen Medien zufolge trafen die Angriffe einen Steinbruch zur Zementproduktion und Baumaschinen. In einem Video der niederländischen Fotografin Courtney Bonneau ist die ausgebrannte Zement-Fabrik zu sehen, schwarze Autoteile liegen neben ausgebrannten Lastern, Baggern, einem kaputten Zementmisch-Laster und einem großen Krater, in dem eine Rakete einschlug. Die Fotografin berichtet, eine israelische MK-Drohne fliege seit 5 Uhr morgens über dem Gebiet. Die Angriffe verursachten außerdem Sachschäden an Wohnhäusern und einer nahegelegenen Schule, berichtet L’Orient-Le Jour.

103 getötete Zi­vi­lis­t*in­nen seit Beginn der Waffenruhe

Israel greift jüngst gezielt Ausrüstung wie Bagger oder Baumaschinen an, die für den Wiederaufbau gebraucht wird. Vergangenen Freitag hatten israelische Luftangriffe eine Baustelle mit Baumaschinen in Msayleh getroffen. Dabei wurde ein syrischer Staatsbürger getötet und das Stromnetz beschädigt.

Israels Militärsprecher behauptete, am Donnerstag „mit der Hisbollah verbundene Infrastruktur“ angegriffen zu haben, legte aber keine Beweise vor. Es ist gängige Praxis des israelischen Militärs, jegliche Angriffe damit zu rechtfertigen, dass es Verbindungen zu „Terroristen“ gäbe.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, die „wiederholte israelische Aggression“ sei „Teil einer systematischen Politik“, um „die wirtschaftliche Erholung zu behindern.“ Das aggressive Verhalten stelle einen schwerwiegenden Verstoß gegen die UN-Resolution 1701 dar. Israel wende Gewalt „außerhalb jeglichen Rechtsrahmens“ an.

Die Anwohnenden beschreiben die nächtlichen Bombardierungen als die stärksten Attacken seit dem 27. November, an dem ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft getreten war. Während die Hisbollah seitdem keine Rakete mehr auf Israel abgeschossen hat, bombardiert Israel den Libanon fast täglich, fliegt Drohen nahe über Zivilist*innen, die in ihre Häuser zurückkehren möchten, schüchtert Fischer mit Schüssen von Booten ein.

103 Zi­vi­lis­t*in­nen hat das israelische Militär trotz vereinbarter Waffenruhe getötet, verifizierte das UN-Menschenrechtsbüro Ende September. „Wir erleben immer noch die verheerenden Auswirkungen von Jet- und Drohnenangriffen auf Wohngebiete sowie in der Nähe von UN-Friedenstruppen im Süden“, sagte UN-Menschenrechtsbeauftragter Volker Türk Ende September.

„Familien sind schlicht nicht in der Lage, mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser und ihres Lebens zu beginnen, sondern sind der Gefahr weiterer Angriffe ausgesetzt“, sagte Türk. Hunderte beschädigte Schulen, Gesundheitseinrichtungen und andere zivile Orte im Südlibanon sind noch Sperrgebiete oder nur teilweise nutzbar, dokumentieren das Menschenrechtsbüro sowie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

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