Tote Bootsflüchtlinge: Ermittlungen gegen Maltas Premier

Hilfsorganisationen geben Maltas Regierungschef Robert Abela die Verantwortung für den Tod von fünf Migranten. Nun ermittelt die Polizei gegen den Premier.

Menschen in Rettungswesten

Gerettete Flüchtende kommen am 10. April im Hafen von Valletta an Foto: reuters

VALLETTA dpa | Nach dem Tod von fünf Bootsflüchtlingen muss sich Maltas Regierungschef einem strafrechtlichen Verfahren stellen. Die Polizei ermittle gegen ihn und gegen mehrere Militärs, sagte Premierminister Robert Abela am Samstagabend. Dabei geht es um Vorwürfe von Hilfsorganisationen, die dem Regierungschef und dem Armeechef Jeffrey Curmi vorwerfen, für den Tod der Menschen verantwortlich zu sein.

Malta hatte seine Häfen wegen der Corona-Pandemie als nicht sicher erklärt und für Migranten geschlossen. Auch könnten Rettungsaktionen nicht mehr garantiert werden.

Letzte Woche waren fünf Leichen gefunden worden. Sie sollen von einem Boot stammen, das vor Malta in Seenot geraten sein soll. Die übrigen Migranten wurden ins Bürgerkriegsland Libyen zurückgebracht. Sieben Menschen gelten als vermisst. Zudem geht es um einen weiteren Fall, bei dem Militärangehörige zunächst ein Flüchtlingsboot sabotiert haben sollen, damit es nicht Richtung Malta fahren konnte. Die Hilfsorganisationen Repubblika und Alarm Phone hatten Strafanzeige gestellt. Die Vorwürfe beziehen sich auch auf eine Besatzung des Militärschiffes.

Abela weist die Vorwürfe zurück. „Wir arbeiten Tag und Nacht, um unser Land zu schützen. Aber es gibt Menschen, die uns lebenslang ins Gefängnis bringen wollen“, sagte er. In dem kleinen EU-Land mit rund 500.000 Einwohnern gibt es bisher rund 420 bestätigte Covid-19-Fälle, drei Menschen kamen bisher ums Leben.

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