Tierquälerei in der Schweinemast

Aufnahmen belasten NRW-Betriebe

Abgebissene Schwänze, verwesende Kadaver: Eine Tierschutzorganisation prangert elende Haltungsbedingungen im Münsterland an.

schweineschwänzchen

Kennt jedes Kind aus dem Bilderbuch. In der Realität haben Ringelschwänzchen wenig Chancen Foto: dpa

BERLIN taz | Schockierende Bilder aus vier Steinfurter Mastbetrieben bringen die industrielle Tierhaltung erneut in Misskredit. Der Tierschutzverein tierretter.de veröffentlichte am Wochenende aktuelles Bildmaterial, das aus Schweinemastbetrieben im Kreis Steinfurt im nördlichen Münsterland stammen soll. Das WDR-Magazin „Westpol“ strahlte die Bilder zusätzlich am Sonntag im Fernsehen aus. Auf den Aufnahmen zu sehen sind verwesende Kadaver sowie Schweine mit abgebissenen Schwänzen, entzündeten Beinen und abgestorbenem Gewebe. Der Verein meldete die Betriebe den zuständigen Veterinärbehörden.

Der Kreis Steinfurt, in dem sich die vier gezeigten Betriebe befinden, ist der Landkreis mit der höchsten Schweinedichte in Nordrhein-Westfalen. Fast eine Million Schweine werden dort gehalten, in erster Linie in mittelständischen, familiär organisierten Mastbetrieben. Das nun veröffentlichte Videomaterial hatten anonyme AktivistInnen dem Verein zugespielt.

„Die ausgestrahlten Bilder zeigen einmal mehr fühlende, hochintelligente Tiere, denen ein Mindestmaß an Fürsorge und Schutz verwehrt wird“, kommentierte Friedrich Ostendorff, Sprecher der Grünen für Agrarpolitik, die Bilder. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte das ARD-Magazin „Report Mainz“ über die gesetzeswidrige Haltung von Sauen berichtet.

Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sieht in den aktuellen Bildern hingegen Einzelfälle. Dennoch kündigt sie „ein ganzes Paket“ an Maßnahmen an, „um das System besser aufzustellen“. Sie verwies zudem auf das Tierwohl-Label, das den VerbraucherInnen klare Hinweise gebe, wie die Tiere gehalten würden. Ostendorff geht das nicht weit genug. Er fordert „dringlichere Maßnahmen“, etwa höhere Standards im Tierschutz und unangekündigte Kontrollen.

Misstrauen gegenüber Ermittlern

Nach Angaben des zuständigen Veterinärsamts in Steinfurt ist eine detaillierte Prüfung der veröffentlichten Aufnahmen noch nicht erfolgt. Ergebe sich daraus aber der Verdacht einer Straftat, übergebe man den Fall der Staatsanwaltschaft Münster. Sollte dies nicht passieren, möchte der Verein tierretter.de die vier Höfe eigenständig anzeigen.

Gleichwohl verspricht sich Christian Adam, Sprecher des Vereins, wenig von rechtlichen Schritten. „Unsere Erfahrung ist, dass entsprechenden Anzeigen selten konsequent nachgegangen wird“, so Adam. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband ließ eine Anfrage zu einer Stellungnahme bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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