Theatertipps der Woche: Allein in einem Zimmer

Emanzipationserzählungen und die Befreiung aus der eigenen Geschichte mit Theater Thikwa, Junges DT, Ballhaus Ost und Berliner Ensemble.

Dreu Tänzer:innen stehen mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen auf der Bühne. Sie tragen alle weiße Kleidung.

Szene aus „Extremities“, dem neuen Stück am Theater Thikwa Foto: © Florian Krauss

Jugendliche wachsen heute unter dem Perfektionsdruck auf, den die Inszenierungen von perfekten Körpern und perfektem Leben auf Plattformen wie Instagram erzeugen. Weil über das richtige Leben kein Filter gelegt werden kann, der Unebenheiten und Fehler aufpoliert, sieht das eigene Leben gegenüber den Bildern vom Leben der anderen oft unerträglich unscheinbar und durchschnittlich aus.

Dagegen steht am Theater Thikwa die Tanzperformance „Extremities“ auf, der Selbstbeschreibung zufolge eine „tänzerische Kampfansage gegen Konformität und oberflächliche Ideale“ („Extremities“, 12. bis 15.1., jeweils 20 Uhr).

„Miroloi“ hat die Schauspielerin, Dramatikerin und Drehbuchautorin Karen Köhler 2019 ihr umstrittenes Romandebüt genannt. Darin geht es um eine Frau, die als Findelkind in einer archaisch-patriarchisch strukturierten und isolierten Gesellschaft aufwächst. Frauen dürfen keine Bildung erwerben, besonders das Leben der namenlosen Protagonistin sieht ziemlich düster aus.

Sie fängt an, dagegen anzusingen, das titelgebende Miroloi nämlich, das ein Totenlied ist, in diesem Fall aber den Weg ins Leben und in die Freiheit weist. Am Jungen DT hat sich die bekannte niederländische Kinder- und Jugendtheatermacherin Lisbeth Coltof des Stoffs angenommen (Deutsches Theater: „Miroloi“, Premiere 13.1., 19. Uhr).

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Befreiung aus der eigenen Geschichte

Auch „Die Geschichte einer Stunde“ ist eine Emanzipationsgeschichte, die am 13. Januar im Ballhaus Ost Premiere hat. Die Inszenierung beruht auf der 1894 erschienen gleichnamigen Erzählung der amerikanischen Schriftstellerin Kate Chopin, die in ihrer Literatur Moralvorstellungen in Frage stellte, die sich repressiv auf Selbstbestimmungsmöglichkeiten von Frauen auswirkten.

Im Ballhaus Ost tritt mit Marie Schleef, Jule Saworski und Anne Tismer ein Trio an, dessen letzte Arbeit „Name her“ (an der auch Laura Andreß mitgearbeitet hat) 2021 zum Theatertreffen eigeladen wurde („Die Geschichte einer Stunde“, 13. bis 15. 1., jeweils 20 Uhr, 16.1. um 18 Uhr).

Ähnlich wie die Protagonistin in „Geschichte einer Stunde“, sitzt auch der Protagonist von Max Frischs bekanntem Roman „Mein Name sei Gantenbein“ alleine in einem Zimmer und denkt über seine Befreiung aus der eigenen Geschichte nach.

Als veritables Startheater kommt der Stoff jetzt auf die Bühne des Berliner Ensembles, von Hausherr Oliver Reese inszeniert und zwar mit keinem geringeren als Matthias Brandt, der nach 20 Jahren Film und Fernsehen hier zum ersten Mal wieder Theater spielt, wie das BE stolz mitteilt („Mein Name sei Gantenbein“, 2G plus Test oder Booster, Premiere 14.1., 19:30 Uhr).

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de