Theatertipps der Woche: Wessen Ende?

In der Wabe kanalisieren Jugendliche Édouard Louis' Romane und auch Olivia Wenzels „1000 Serpentinen Angst“ findet im Gorki den Weg auf die Bühne.

Ein junger Mensch mit einem orangenen T-Shirt, auf dem ein Drache abgebildet ist, sitzt im Dunkeln, nur angestrahlt durch einen Leuchtröhre, die er in der Hand hält

Jugendliche wie Felix-Elian Lau spielen in „Das Ende von Eddy oder Wer hat meinen Vater umgebracht“ Foto: Oliver Look

Eddy wächst in einer abgehängten Welt fern der großen Städte auf, in der Gewalt und Verwahrlosung herrschen und klare Rollenbilder gelten. Er ist anders, er ist schwul, und er bekommt das vom Mainstream knallhart zu spüren. In seinem berühmten Debütroman „Das Ende von Eddy“ schildert der französische Schriftsteller Édouard Louis seine Jugend als homosexueller Junge in einem nordfranzösischen Dorf unter der Fuchtel eines gewalttätigen, homophoben Vaters und einer feindlichen Umgebung, aus der er eines Tages entkommt.

In seinem zweiten Buch „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ rechnet Louis dann mit der Gesellschaft ab, die seinen Vater zu einem solchen Monster gemacht hat und ihm, außer einem frühen Tod und harte, entwürdigende Arbeit keine Perspektive bietet. In der Wabe an der Danziger Straße hat der Regisseur Alexander Weise beide Stoffe miteinander verbunden und als chorischen Theaterprojekt mit Jugendlichen und prominenten Schauspielern wie Alexander Fehling inszeniert.

Im Wechsel von Sprechchören, einzelnen Stimmen, Monologen und Musik soll dieser Text in einem Rund, um den die Zu­schaue­r*in­nen sitzen wie um einen Schulhof, von Schau­spie­le­r:in­nen und Jugendlichen gleichermaßen erfass- und lesbar gemacht werden („Das Ende von Eddy oder Wer hat meinen Vater umgebracht?“, Premiere am 25.8., 19 Uhr. Weitere Vorstellungen: 26.-28./31.8. und 1.9.2021, je 19 Uhr; Projekt: eddy-projekt.de).

Zerfallende Raster: Wenzels Serpentinen auf der Bühne

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Vom Aufwachsen zwischen Menschen, die nicht so sind wie man selbst, erzählt auch der Debütroman von Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die als Kind einer Weißen und eines Schwarzen in der ostdeutschen Provinz aufwächst, sich auf Reisen nach Vietnam, in die USA, nach Marokko oder Polen jedes Mal anders erfährt, und immer wieder erlebt, wie alle Raster zerfallen.

Im Maxim Gorki Theater bringt Anta Helena Recke den Stoff nun auf die Bühne (Premiere verschoben vom 22.8. auf den 27.8., 18 Uhr; weitere Vorstellungen mit Englischen Übertiteln: 28. 8., 19.30 Uhr; 29. 8., 18 Uhr; 25. 9., 19:30 Uhr; 26. 9., 18 Uhr: gorki.de/de/spielplan).

Tosender Wahnsinn mit Familie Flöz

In der Komödie am Kurfürstendamm (im Schiller Theater) bringt Familie Flöz ihr neues Stück „Feste“ heraus. Ein Märchen für Erwachsene ist angekündigt, das in der, für diese internationale freie Theatergruppe typischen Handschrift ohne Worte auskommt.

Die Familie Flöz hat auch schon bei Frank Castorf in der Volksbühne gespielt, der vom Theater der Familie Flöz als „Marthaler für Kinder“ sprach. In „Feste“ geht es um die Kluft zwischen Arm und Reich, den „tosenden Wahnsinn des Fortschritts“ und die ewige Jagd nach dem Glück (24. bis 28. August, jeweils 20 Uhr; 29.8., 18 Uhr.) https://www.komoedie-berlin.de/produktionen/familie-floez-feste.html).

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