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Tarantino beleidigt Schauspieler DanoKeine Liebe, keine Gnade

Ein bescheidenes Schauspieltalent, so was scheint Regisseur Quentin Tarantino nicht zu gefallen. Denn warum sonst würde er Paul Dano herabwürdigen?

N och nie in seinem Leben wird der Schauspieler Paul Dano so viele Lobpreisungen erhalten haben wie diese Woche. „Einer der besten seiner Generation“, „ein unglaublicher Schauspieler, ein unglaublicher Mensch“, „Paul Dano ist verdammt brillant“ verteidigten ihn Fans und Kolleg_innen wie Ben Stiller, Alec Baldwin oder Toni Collette online.

Das Lob kommt, auch wenn er es verdiente, nicht einfach so, sondern als Reaktion auf ein paar Sätze, die Quentin Tarantino vergangene Woche über ihn verlor. Im „Bret Easton Ellis“-Podcast besprach der Regisseur seine Lieblingsfilme aus dem 21. Jahrhundert und setzte „There Will Be Blood“, den Neo-Western von Paul Thomas Anderson, auf Platz 5 im Ranking. Daniel Day-Lewis und Paul Dano spielen darin die Hauptrollen.

„‚There Will Be Blood‘ könnte meine Nummer 1 oder 2 sein, wenn der Film nicht diesen gigantischen Fehler hätte … der Fehler ist Paul Dano.“ Dabei ist seine Darstellung in dem Film mehr als beeindruckend, besonders wenn man beachtet, dass er sich dem berüchtigten Method-Schauspieler Daniel Day-Lewis (er bekam mit der Rolle seinen zweiten Oscar) gegenübersah und ihm das Wasser reichen musste – was ihm total gelang.

Dano spielt in „There Will Be Blood“ Eli Sunday (und seinen Zwillingsbruder Paul). Eli ist der junge, egomanische Pfarrer einer kleinen Gemeinde, auf deren Land der Öl-Tycoon Daniel Plainview (Day-Lewis) eine neue Bohrstelle errichten will. Um seine Pläne durchzusetzen, muss er sich beim Pfarrer anbiedern, der seine Position in der Gemeinde sichert, indem er den gierigen Plainview gottesfürchtig macht und demütigt.

Witz und Traurigkeit

„Er ist ein so schwacher, uninteressanter Typ“, kommentierte Tarantino seine Performance, „der schwächste Schauspieler in der Screen Actors Guild“. Der SAG gehört Tarantino selbst übrigens auch an und es dauerte nur wenige Stunden, bis Internetuser_innen Clips seiner unterirdisch gespielten Szenen heraussuchten – die einzigen Regisseur_innen, die Tarantino in ihren Filmen haben wollen, sind er selbst oder seine Freunde.

Dass Tarantino seine Kritik unnötig fies formuliert, ist klar. Dass er, was „There Will Be Blood“ angeht, dazu schlichtweg falsch liegt auch. Denn in anderen Filmen ist Dano nicht weniger fantastisch: zum Beispiel in „Love & Mercy“, ein Biopic über Brian Wilson und die Entstehung des Beach-Boys-Albums „Pet Sounds“. Ein Biopic, das mir, was für das Genre ausgesprochen ungewöhnlich ist, sehr gut gefallen hat.

Das liegt einerseits daran, dass der Film nicht den gewöhnlichen Biopic-Fehler begeht und die Geschichte einer Person von Geburt bis Tod zu erzählen versucht, sondern zwei spezifische Phasen aus Brian Wilsons Leben aus- und untersucht. Und andererseits liegt das an Paul Dano.

Er porträtiert den jungen Brian Wilson und fängt seinen Witz ein, seine Unbeholfenheit, aber auch seine Traurigkeit, die besonders in Szenen mit dem Vater zur Schau kommt. Sogar seine Singstimme ähnelt der von Wilson verblüffend und überlappt stellenweise mit Originaltonaufnahmen des Sängers, sodass sie ineinander verschmelzen. Ihm gelingt es, ein musikalisches Genie darzustellen, ohne dass es, wie so oft in Biopics – looking at you „Elvis“ –, albern wirkt.

„Love & Mercy“ zeigt ein kreatives Talent, das trotz Ruhm und Begabung eine berührende Bescheidenheit besitzt. Paul Dano fängt dies scheinbar mühelos ein. Tarantino dagegen ist von einem solchen Wesenszug weit entfernt.

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Valérie Catil

Valérie Catil Gesellschaftsredakteurin

Redakteurin bei taz zwei, dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Studierte Philosophie und Französisch in Berlin. Seit 2023 bei der taz.
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