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Tanz und KochideenAls Versöhnung Baba Ghanoush

Sich nach einem Streit mit einem Essen zu entschuldigen, scheint unserer Autorin eine gute Idee. Etwas mit Auberginen muss es sein!

A lle wehen mit den Armen nach oben, manche machen die Augen zu – vielleicht stellen sie sich vor, sie seien Bäume im Wald, vom Wind bewegt. Die Musik ist ruhig und leise, die Tanzlehrerin sagt „nice!“. Ich befinde mich aber weder im Wald noch im Tanzraum. Mit dem Kopf bin ich nämlich schon in der Zukunft: Ich überlege, was ich später für meine Freundin kochen könnte – mit Auberginen, denn wir haben eine Menge zu Hause. Moussaka? Ratatouille …? Oder etwas ganz anderes, wie eine Auberginenquiche? Für sie zu kochen, mache ich immer gern, doch an diesem Abend handelt es sich um eine Wiedergutmachung, nachdem ich am Vormittag eine unnötige Diskussion ausgelöst habe.

Mit dieser Schwere, die nach einem Streit im Körper bleibt, gehen wir spazieren. Dann kommt mir, zur Versöhnung, eine verrückte Idee. Ich schlage vor, ans Meer zu fahren.“„Ans Meer?“„Ja, nach Stralsund.“ „Das ist ein bisschen weit weg …“, meint sie und ich möchte ihr nicht widersprechen. „Zum Schlachtensee?“, fällt mir ein. „Ja! Lass uns dahin fahren.“

Obwohl es Montag ist und ich arbeiten sollte, steigen wir am Görlitzer Bahnhof in die U3 ein. Wir haben nichts außer unseren Bauchtaschen dabei, und die U3 ist teilweise unterbrochen – trotzdem geben wir die Idee, den See zu erreichen, nicht mehr auf. Dort angekommen bestellen wir Radler und Pommes in der Fischerhütte und fühlen uns wie im Urlaub. Danach laufen wir die Lima-Straße entlang bis zum Mexikoplatz, und ich fahre zu meiner Tanzstunde.

„Als Nächstes strecken wir uns“, sagt die Tanzlehrerin jetzt und holt mich damit zurück in die Gegenwart. Aber nur kurz: Ein paar Sekunden später bin ich schon wieder bei den Rezepten – Caponata, Moussaka, vielleicht Baba Ghanoush?

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Luciana Ferrando

Luciana Ferrando

Jahrgang 1978, ist freie Autorin. Fast 10 Jahre lang war sie in verschiedenen spanischsprachigen Redaktionen, Zeitungen und Magazinen in ihrem Heimatland Argentinien tätig. Im Jahr 2008 migrierte sie nach Deutschland. Seit 2015 schreibt sie unter anderem Porträts, Reportagen und Kolumnen für deutsche Medien wie die taz, am liebsten über Stadtleben, feministische Themen, Kulinarisches und die Liebe. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Foto: Naïma Erhart
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