„Tagesschau“-Podcast der ARD: 11KM Leerlauf
Der „Tagesschau“-Podcast der ARD will Themen in aller Tiefe erzählen. Das Storytelling könnte dabei einen Zahn zulegen.
Die Idee für den neuen Tagesschau-Podcast „11KM“ klingt simpel, aber gut. Fünf Tage die Woche will sich die Host Victoria Michalczak „einem Thema in aller Tiefe“ widmen. Statt eines einminütigen Beitrags in der „Tagesschau“ gibt es also 30 Minuten Storytelling-Podcast zu einem aktuellen Thema.
Nicht nur die Idee, auch die Voraussetzungen stimmen. Denn der Podcast entsteht in Zusammenarbeit mit den Journalist*innen der ARD, das Rechercheteam ist dementsprechend groß. Die Marke „Tagesschau“ hat einen seriösen Ruf, und kostenlose Werbung zur Primetime – am Sonntag kurz nach 20 Uhr im Ersten – gab es obendrauf. Doch nach den ersten vier Folgen drängt sich das Gefühl auf, dass die guten Startbedingungen nicht genutzt werden: 11KM bleibt leider dröge.
An der Themenvielfalt liegt das nicht, die erstreckt sich über verschiedene Bereiche und Kontinente. So beschäftigt sich die eine Folge mit dem Wirecard-Prozess, eine andere mit den viel zu hohen Kosten für PCR-Coronatests. Und eine weitere damit, wie Menschen in Afghanistan in Lebensgefahr gebracht wurden, weil US-Truppen und Verbündete biometrische Daten nicht vor den Taliban schützten.
Am Storytelling können sie noch üben
Spannend erzählt werden die Folgen jedoch nicht. In einer halben Stunde erzählen die Redakteur*innen von ihren Recherchen, dazu gibt es wenige Sounds und O-Töne. Deren Expertise soll hier nicht angezweifelt werden, doch ein halbstündiges Expert*ingespräch mit drölfzig Zahlen und Fakten klingt eben mehr nach Deutschlandfunk als nach Storytelling-Podcast.
Eine Ausnahme ist die dritte Episode, die sich mit Trump-Supportern auseinandersetzt. Die Influencerin Savanah und die Dragqueen „Lady Maga“ erzählen darin, wieso sie den rechten Ex-US-Präsidenten unterstützen, die ARD-Korrespondentin Kerstin Klein ordnet das Ganze ein. Eine spannende Recherche – die man allerdings auch schon vor Monaten in der ARD-Mediathek als Doku sehen konnte.
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