Südpolarmeer vor dem Kippen: Domino in der Antarktis

Das Südpolarmeer ist der zweitkleinste Ozean der Erde. Doch Expert:in­nen warnen nun: Der Klimawandel dort wird überall zu spüren sein.

Iceberg im Südpolarmeer

Die Antarktis erreicht kritische Schwellenwerte Foto: Imago

BERLIN taz | Nicht groß, aber gut vernetzt: Das Südpolarmeer ist der zweitkleinste Ozean der Erde, hat aber Verbindungen in den Atlantik, den Pazifik und den Indischen Ozean. Der Klimawandel in der Antarktis, um die das Meer fließt, wirkt sich deshalb nicht nur lokal aus, sondern im Grunde weltweit. Das haben am Montag Wis­sen­schaft­le­r:in­nen des US-Thinktanks Wilson Center Polar Institute in einem Bericht angemahnt.

Demnach nähert sich die südlichste Erd­region gleich mehreren Kipppunkten. Das heißt: Der menschengemachte Klimawandel hätte dann dort Folgen, die ihn weiter verstärken und die sich nicht mehr umkehren lassen.

Der Erscheinungstermin der Arbeit mit dem Titel „Klimawandel und Resilienz des Südpolarmeers“ ist nicht zufällig gewählt: Am Montag haben in Paris internationale Verhandlungen über den Antarktis-Vertrag begonnen.

Der trat vor 60 Jahren in Kraft und regelt die friedliche, vor allem wissenschaftliche internationale Nutzung des südlichsten Erdgebiets. Die 54 Vertragsstaaten treffen sich regelmäßig zu sogenannten Konsultativtagungen, um die Fortführung des Vertrags weiter zu planen – aktuell zum 43. Mal.

„Kritische Schwellenwerte“

Das Wilson Center Polar Institute schlägt nun Alarm. Die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen haben fünf gefährliche Prozesse zum Klimawandel in der Antarktis aufgelistet, die auch untereinander verbunden sind: der Anstieg der Ozeantemperaturen, der Verlust von Lebensraum und Artenvielfalt, die Versauerung des Meeres, die abnehmende CO2-Speicherleistung des Meeres und die Zerstörung von Ökosystemen weltweit.

„Die Antarktis erreicht kritische Schwellenwerte, und die Folgen werden wie bei einem Dominoeffekt weltweit zu spüren sein“, sagte die Meeresbiologin Andrea Capurro, die an dem Bericht mitgeschrieben hat und aktuell an der Boston University forscht.

„Mit dem Schutz der durch den Klimawandel am stärksten gefährdeten Gebiete – darunter die Antarktische Halbinsel – ließe sich nicht nur die biologische Artenvielfalt wiederherstellen, sondern auch die Resilienz weit entfernter Meeresökosysteme stärken.“ Der Bericht fordert die internationalen Antarktis-Gremien eindringlich auf, die Klimakrise stärker zu berücksichtigen.

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