Studieren in Corona-Krise: Die Sache mit dem Geld

Die Uni hat wieder angefangen, doch die Coronakrise stellt viele Studierende vor existenzielle Nöte. Verbände fordern deshalb Entlastung und Hilfe.

Ein junger Mann liest an eine Mauer gelehnt ein Buch.

Auch gesund: Studium in der Sonne und an der frischen Luft in Frankfurt am Main Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

BERLIN taz | Derzeit werden viele neue Begriffe für das Sommersemesters erfunden, das gerade vielerorts im Schatten der Coronakrise begonnen hat: Nichtsemester, Kreativitätssemester, Kannsemester – die Forderungen, die bei den Begriffen mitschwingen, sind jedoch alle ähnlich: finanzielle Unterstützung für Studierende, sowie eine faire Gestaltung des Semesters.

„Wir haben uns bewusst für den Begriff des Solidarsemesters entschieden“, erklärt Leonie Ackermann, Vorsitzende des Zusammenschluss Freier Student*innenschaften (fzs) mit Blick auf einen Forderungskatalog, den das Bündnis Solidarsemester 2020 Anfang April vorgestellt hat. Das Bündnis, zu dem auch der fzs gehört, ist ein bundesweiter Zusammenschluss studentischer Organisationen. Ihr mehr als zehnseitiger Forderungskatalog richtet sich an Bund, Länder und Hochschulen.

Geht es nach dem Bündnis, sollen Nachteils- und Härtefallregelungen für Studierende ausgeweitet werden, die beispielsweise Sorgeverpflichtungen nachgehen müsse. Prüfungsfristen sollen ausgesetzt und Prüfungsversuche im Sommersemester als Freiversuche gewertet werden.

Solche Fragen der Semester- und Lehrgestaltung fallen in den Kompetenzbereich der einzelnen Hochschulen. „Wir müssen unsere Forderungen an jeder Hochschule vor Ort einzeln durchkämpfen“, sagt Ackermann. Ein Ziel sei daher, möglichst viele lokale Studierendenvertretungen einzubeziehen, damit diese die Forderungen gegenüber ihren Hochschulleitungen durchsetzen können.

Altbekannte Probleme

Das Konzept für die nun so wichtige digitale Lehre liegt ebenfalls in den Händen der Hochschulen. Für gute E-Learning-Angebote dürfte vielerorts aber weder Geld noch Personal ausreichen, fürchten die Studierenden: „Innerhalb eines Systems, in dem die Hochschulen sowieso schon unterfinanziert sind, wo ist da das Geld, um Lehrende auf e-learning umzuschulen?“, fragt Ackermann.

Fehlendes Geld, befristete Verträge für Mitarbeiter*innen und mangelnde technische Infrastruktur seien ohnehin altbekannte Probleme, auf die Studierendenvertreter*innen schon seit langem hinweisen. „Manchmal ist es traurig, wenn man recht hat“, so Ackermann.

Die größte Herausforderung, die auf viele Studierende zukommt, ist jedoch schlicht die Frage nach dem Geld. Zwei Drittel der rund drei Millionen Studierende in Deutschland haben einen Nebenjob. Für die Hälfte ist dieser Nebenjob essentiell. Weil viele Stellen nun gestrichen werden steht eine Million kurz davor, unter das finanzielle Existenzminimum zu rutschen.

„Anstatt uns am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen, müssen nun soziale Sicherungsmaßnahmen gefunden werden“, fordert Nathalie Schäfer, Sprecherin der GEW-Studis, einem Verband der Studentinnen und Studenten der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

3000 Euro direkt aufs Konto? Schön wärs

Sie fordert unbürokratische Soforthilfe, Zugang zum Arbeitslosengeld II und, dass die Kriterien gelockert werden, nach denen entschieden wird, wer staatliche Unterstützung durch das BAFöG-System bekommt und wer nicht. Nur zwölf Prozent aller Studierenden erhalten derzeit BAFöG.

Das Bündnis „Soforthilfe für Studierende“ fordert in einer Petition an Finanzministerium und Deutschen Bundestag gar direkt 3000 Euro Soforthilfe für alle Studierende, die durch die Corona-Pandemie in finanzielle Notlagen geraten sind und hat dafür bereits 50.000 Unterschriften gesammelt.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat derweil durchaus unbürokratische Finanzhilfen für Studierende angekündigt. Studierende, die ihren Job verloren haben, sollen nach den Plänen ein zinsloses Darlehen beantragen können. Karliczek lehnt es derzeit allerdings ab, das Bafög für einen größeren Kreis von Studierenden zu öffnen.

„Darlehen sind aber immer noch Darlehen. Sie bedeuten, dass sich Student*innen verschulden müssen, um Nahrung und Miete zu bezahlen“, kritisiert Amanda Steinmaus, wie Leonie Ackermann im Vorstand des fzs. Mindestens bei Bedürftigkeit müsse daher an die Studierenden auch direkt Geld ausgezahlt werden.

Am Mittwochabend berät der Bundestag nun über die finanzielle Unterstützung von Studierenden und Wissenschaft. Dazu haben sowohl die Regierungskoalition als auch alle Oppositionsparteien Gesetzesentwürfe eingebracht. Große Hoffnungen sollten sich die Studierenden jedoch eher nicht machen.

Der Gesetzentwurf der GroKo sieht lediglich vor, Verträge für befristete Stellen an den Unis zu verlängern. Außerdem sollen Studierenden, die in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind, ihr Gehalt nicht auf das BAFöG angerechnet bekommen. Mehr nicht.

Dabei könnten BAföG-Gelder gerade jetzt schnelle Hilfe für Studierende in Notlagen versprechen: Im letzten Jahr wurden mehr als 920 Millionen BAföG-Mittel nicht abgerufen.

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