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Studie zur Situation von LGBTIQ+ Ungeliebte Schwiegerkinder

Kommentar von

Nicole Opitz

Laut einer neuen Studie fehlt es queeren Menschen in Deutschland an Rechtssicherheit – und besonders trans und inter an gesellschaftlicher Akzeptanz.

Q ueeren Menschen geht es schlechter als der Allgemeinbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue OECD-Studie zur Gleichstellung von LGBTIQ+ in Deutschland. Die Studie zeigt: Gerade auf Gesetzesebene muss sich etwas tun, aber auch die Gesellschaft sollte dazu beitragen, dass Lesben, Schwule, bi, trans und inter Personen sich nicht nur sicher fühlen, sondern ganz normal leben können.

Letzteres ist noch immer nicht selbstverständlich. Die OECD-Studie geht auch auf ein Umfrageergebnis von 2019 ein, das zeigt: 45 Prozent der Bevölkerung wären nicht damit einverstanden, wenn das Schwiegerkind trans oder inter wäre. Schwule, lesbische oder bi-Schwiegerkinder dagegen würden 59 Prozent akzeptieren. Mit anderen Worten: Eine lesbische Schwiegertochter ist für die meisten akzeptabler als eine trans Schwiegertochter. Dieses Problem lässt sich nicht so einfach wegreden, mit Fingerzeig auf die Politik, die das mal eben regeln solle.

Laut Studie kommen die politischen Veränderungen schneller voran als die rechtliche Situation für LGBTIQ+ und die gesellschaftliche Akzeptanz. Das zeigt auch: Geplante Gesetzesänderungen sollten konsequent umgesetzt werden, damit sich auch in der Judikative etwas tut. Änderungsvorhaben gibt es genug, sie wurden bereits im Koalitionsvertrag festgehalten und Ende 2022 im ressortübergreifenden Aktionsplan „Queer leben“ festgehalten.

Zuletzt wurde das Transfusionsgesetz erneuert: Ab März spielen sexuelle Orientierung und Geschlecht bei der Blutspende keine Rolle mehr. Die OECD mahnt jedoch auch an, dass die Schließung der Gesetzeslücken des ­Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) nun geboten wäre sowie die Reform des Abstammungsgesetzes und die Umsetzung des Selbstbestimmungsgesetzes.

Dessen Entwurf liegt nach langem Hin und Her bei Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP), der jetzt unter Beweis stellen kann, wie fortschrittlich die Politik tatsächlich ist – und das Selbstbestimmungsgesetz schnellstmöglich umsetzen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Nicole Opitz Redakteurin

seit 2019 bei der taz, schreibt über Gesundheit, Feminismus und soziale Ungleichheit. BVHK-Journalismuspreis 2023, Nina Grunenberg Fellow 2025, IJP Fellow 2025 (Ägypten).
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3 Kommentare

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  • Tetra Mint

    "wären nicht damit einverstanden"

    Das ist jedenfalls erstmal die Annahme. Wieviele dann tatsächlich Einspruch erheben würden, wenn das eigene Kind die große Liebe nach Hause bringt und diese sich als trans, inter, homo, etc herausstellen, dürfte ein wenig von den Umfrage-Ergebnissen abweichen.



    Schwiegers haben vor ~10 Jahren noch gesagt, "sowas" käme denen nicht ins Haus. Vor 4 Jahren, nach einem sehr emotionalen Gespräch mit ihrem einzigen Kind, dann die Kehrtwende - alles gut, ich bin willkommen.

    Es gibt natürlich immer noch zu viele, die in dieser Situation stattdessen ihr Kind enterben oder ähnliches - alles schon gesehen. Aber die Zeiten und Menschen wandeln sich, manchmal schneller, als die Leute selber denken.

  • sociajizzm

    oha

    41% sind also faktisch Schwulen und Lesbenfeindlich.

    Autsch.

    Das sollte man mal im Kopf haben wenn Polen und co. wegen Diskriminierung von LGTBQ verurteilt werden.

    • rero

      @sociajizzm:

      Ihre 41 % sind halt die Bevölkerung.

      Und das ist eine Thema mit einer dynamischen Entwicklung in den verganenen Jahrzehnten.

      In Polen geht es aber um die Regierung und die Gesetze.

      Das macht schon einen Unterschied.