Die Gemeinsamkeiten
von türkischen Generälen und deutschen Innenministern
Einige Politiker aus den Reihen der Grünen behaupten, die Binationalität sei an sich schon ein Reichtum. Ob sie jedoch selbst an diese Behauptung glauben, ist für mich ausgesprochen fraglich. Aber zumindest in einem Punkt haben Vertreter dieser Ansicht doch Recht. Die Binationalität, also die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei Nationen (oder Staatsbürgerschaften), gibt einem Menschen die Gelegenheit, zwischen den beiden von ihm miterlebten Kulturen Vergleiche zu ziehen. Sie ermöglicht es ihm, Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen, Fakten zu sammeln und sie auszuwerten. Ein Journalist zwischen diesen zwei Welten zu sein, ist einfach ein köstlicher Genuss. Warum?
Seit meiner Kindheit und bis heute bin ich ein lebendiger Zeuge der Sprüche der mächtigen türkischen Generäle. Einmal kamen sie von einem bestimmten Ausnahmezustandskommandanten, einmal aus dem Mund eines General - egal welcher Abteilung der Streitkräfte - oder gleich aus dem Mund des Chefs des ganzen Generalstabs. In je höherem Alter solche Männer an die Macht kommen, desto aggressiver und Testosteron-getriebener fallen auch ihre Aussprüche in der Öffentlichkeit aus. Ein guter Psychologe würde sofort durchschauen können, dass die Herren unter der eigenen nachlassenden Potenz leiden. Je mehr man Probleme mit der eigenen Potenz hat, desto männlicher beziehungsweise macho-artiger wollen Männer eben wirken. Das ist auch bei den Militärs an der Tagesordnung. Ein paar typische Beispiele dafür:
„Wer sich nicht Türke nennen will, wäre ein Vaterlandsverräter. Traue keinem niederträchtigen Griechen. Es gibt keinen Freund der Türken. Sei wachsam, schütze die Republik, lass dich nicht von ausländischen Einflüssen beeindrucken. Sei stolz darauf, Türke zu sein.“ Das waren lange Zeit die gängigen Parolen der Obrigkeit. Die jetzige Tagesordnung ist noch viel irrsinniger.
Ein Staatsanwalt klagt den türkischen Generalstabschef an, wegen einer geheimen Militäraktion, bei der die Täter einer Bombardierung eines Buchladens in der kurdischen Provinz Semdinli von der Bevölkerung auf frischer Tat ertappt wurden, denn in diesem Fall tauchte der Name dieses Generals öfters auf. Dieser mutige und ehrenvolle Staatsanwalt wurde natürlich prompt gefeuert. Er darf heute in der Türkei nicht einmal mehr als Anwalt tätig werden. Die Richter, die den Fall bearbeiteten, wurden an den entlegendsten Punkt am anderen Ende des Landes strafversetzt. Derselbe Armee-Chef will jetzt die Autonome Region Kurdistan angreifen. Seine Leute nennen Kurdistan natürlich nicht Kurdistan, sie nennen es den „Nord-Irak“, eine „Gefahrenzone“, und „unsere rote Linie“. Die Operationen beziehungsweise einseitigen Überfälle der Militärs nach Kurdistan fanden bis jetzt 23mal statt. Seit Monaten schon klebt das Thema einer eventuellen groß angelegten Attacke, vielleicht eines Einmarsches, wie ein Kaugummi am politischen Tagesgeschäft der Türkei. Dieses Mal sagen die Kurden aber: „Kommt her, wir warten schon!“ Sogar noch bevor die PKK am 15. August 1984 ihren großen Guerillakrieg begann, überfiel die türkische Armee Orte auf der gleichen Strecke. Das geschah nämlich 1983. In Zeitungen aus diesem Jahr ist genügend Material darüber belegt. Diejenigen, die nun stutzig geworden sind oder einfach neugierig, mögen bitte dort nachblättern.
Was aber haben deutsche Innenminister mit diesen undemokratischen Gesellen, mit Kemalisten, und damit praktisch mit einem direkten Vorbild von Hitler und Mussolini gemeinsam? Ist es nicht ungerecht, sie alle zusammen in einen Topf zu werfen? Wer sich ernsthaft mit der deutschen Geschichte auseinandersetzt, wird schnell herausfinden, welche Behörden, Ämter und Ministerien in der Zeit nach 1945 nicht wirklich „entnazifiziert“ wurden. Auch die Durchhalteparolen und das Verharren auf der Idee der „Stärke“ leben in gewisser Weise immer noch weiter. Ich sage nur: Zimmermann, Kanther, Schily, Schäuble und so weiter - sie sind genauso sehr „Machos“ mit ihren Sprüchen und in ihrem gesamten Gebaren, ihrer Art und Weise ebenso sehr Möchtegern-Potentaten wie zeitgenössische türkische Generäle. Sie alle gefallen sich sehr gut in der Rolle des Feldherrn und des Machtpolitikers. Am liebsten würden sie die Verfassung ja so umändern, dass wir es mehr mit einem Polizeistaat zu tun hätten als mit einem Rechtstaat. Je krasser ihre neuesten Vorschläge, desto populärer machen sie sich bei Teilen der Bevölkerung und ihren Medien. Meine Frage lautet: Soll und muss man erst gut recherchieren, wo diese Männer heute stehen? Was sie in Wahrheit für dieses Land getan oder geleistet haben? Welcher von ihnen ist nach seiner Zeit im Amt weshalb angeklagt worden? Aus welchem Grund wurde jemand von ihnen bestraft?
„Gezielte Tötungen“ wünscht sich nun ein neuer radikaler Innenminister. Zuvor verbreitete er schon diverse Ideen zu Lauschangriffen, Rasterfahndungen, Online-Durchsuchungen. Diese reichten ihm noch nicht. Abhören und Observieren genügt heute nicht mehr. Hausarrest bringt nichts. Verfolgungen bringen nichts. Handy- und Internet-Verbote sind auch keine Lösung. Man muss schon annehmen, am liebsten würde der Herr Minister gleich persönlich von seinem Stuhl aus radikale Muslime abschießen. Wie ein Jäger, der Enten jagt, griffe er gern zur Flinte. Wer weiß schon, wen er alles damit ins Visier genommen hat? Aber seine politische „Ethik“ zeigt aus sich heraus ein ganz anderes, ein Mitleid erregendes Bild von ihm, mehr noch als sein wahres Vorhaben.
Meine persönliche Empfehlung an den Herrn Minister Schäuble, um das angebliche Problem einer Terrorbedrohung für Deutschland beiseite zu schaffen, lautet folgendermaßen: Künftig muss man jeden Muslim bei der Ein- und Ausreise einer Leibesvisitation unterziehen. Das allein reicht natürlich noch nicht aus. Also muss man diesen Personen in die diversen Körperöffnungen sehen, ob dort nicht vielleicht gefährliche Gegenständige verborgen sein könnten. Sie haben richtig gelesen, denn es könnte sein, dass sie in ihrem After eine Ladung A4, C4 oder kleine Atombomben versteckt halten. Das ist genauso sinn- und wirkungsvoll wie der jüngste Vorschlag des Ministers. Damit könnten unsere Behörden den weltweiten Terrorismus besser bekämpfen als bisher, nicht wahr? O böse Satire! Natürlich wäre mein Vorschlag genauso absurd und krank wie der des Ministers.
Die deutsche Hofpresse kaut den gleichen Kaugummi. Immer heißt es, unser Land stünde unter einer Bedrohung. Aber durch scharfe Beobachtung weiß mittlerweile die ganze Welt, dass in den letzten 20 Jahren in diesem Rechtsstaat inländische Rassisten über 100 Menschen umgebracht haben, und das wegen ihres nichtdeutschen Aussehens. Die so genannten gefährlichen Islamisten haben aber noch niemanden getötet. In diesem Zusammenhang kam es zu keinem einzigen Todesfall. Kurzum: „Islamischen“ oder islamistischen Terror gibt es nicht in Deutschland. Es wird ihn auch nie geben. Warum auch? Deutschland ist das beste, modernste und vorbildlichste islamische Land dieser Erde! Warum sollten Islamisten dieses Gleichgewicht jetzt stören, um somit ihren deutschen Hinterhof, ihr logistisches Mutterland zu gefährden? Das wird wohl kaum passieren. Alles Unsinn, Leute. All das sind wieder nur beschränkte Ideen der Machthungrigen, unter Bedienung rassistischer Klischees und der Furcht vor dem zurzeit populären Phantom der „terroristischen Muslime“.
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