Blick auf New York City

Blick über den Hudson River auf Manhattan Foto: Eduardo Munoz

Stillstand in der US-Metropole:Frühjahrsblues in New York City

Das Coronavirus hat die US-Metropole weiter fest im Griff. Luxushotels bieten Hilfskräften und Obdachlosen Schlafplätze – abgesehen vom Trump-Hotel.

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11.5.2020, 10:47 UHR

Ohne Samuel Hargress wird Harlem nie wieder so sein, wie es war. Mehr als 50 Jahre lang saß er Abend für Abend an der Theke des Paris Blues. Immer herausgeputzt für den großen Auftritt: dreiteiliger Anzug, Stiefel mit mehreren Zentimeter hohen Absätzen, farblich abgestimmter Hut, ein passend schillerndes Tuch in der Brusttasche und selbst um Mitternacht noch eine dunkle Sonnenbrille. Dazu ein breites Grinsen und ein paar freundliche Worte für jeden, der hereinkam.

Hargress hatte die Musikbar im Jahr 1969 eröffnet, als er von seiner Zeit als GI zurückkam. Seither hat er unbeirrt an seinem Konzept festgehalten: Jazz oder Blues live jeden Abend, kein ­Eintrittsgeld und das ursprüngliche Dekor – von der Holzverschalung der Wände, über die unbequemen, klebrig gewordenen Sitzbänke bis hin zu den Funzeln, die nur eine Andeutung von Licht werfen. Bloß ein paar neue Bilder sind dazugekommen. Darunter das Foto von Michelle und Barack ­Obama, das zwischen den Bourbon­flaschen steht.

Das Paris Blues hat viele Krisen überstanden. Von der Crack-Epidemie der Achtziger bis zur Gentrifizierung der nuller Jahre. Während um ihn herum die alten Bars zumachten, blieb Hargress. Weil ihm das kleine Eckhaus gehörte und weil er keine Wuchermiete zahlen musste, konnte er es sich erlauben. Die Immobilienjäger, die ihm bis zu 10 Millionen Dollar für das Haus boten, ließ er abblitzen. Besuchern aus Deutschland erzählte er, dass er im August 1961 beim Mauerbau in Berlin gewesen sei, solchen aus Frankreich, dass sein Großvater bei der Befreiung Frankreichs im Ersten Weltkrieg eine Freiheit gespürt habe, die Schwarze in den USA nicht kannten.

Jetzt hat ihn das Coronavirus erwischt. Am 10. April, einen Tag nach seinem 84. Geburtstag, ist Hargress gestorben. Zu diesem Zeitpunkt war seine Bar wegen der vom New Yorker Gouverneur verfügten Pandemie-„Pause“ schon seit drei Wochen geschlossen. Auf der kleinen Terrasse am Adam Clayton Powell Jr. Boulevard stehen Blumen und Kerzen.

Tourismus, das erste Opfer der Pandemie

Das Virus hat alle Branchen in der City getroffen. Aber nirgendwo sonst bedroht es die Gesundheit und das Leben der Beschäftigten wie auch ihre ökonomische Existenz so weitreichend wie in der Unterhaltungs- und Tourismusbranche. Der Tourismus war das erste ökonomische Opfer der Pandemie.

Von den Bars über die Restaurants bis zu den Fähren, von den Museen über die Broadway- und Off-Broadway-Theater bis zu den Doppeldeckerbussen geht im Augenblick in New York nichts mehr. Die Zahl der Besucher der Stadt, die für dieses Jahr einen neuen Besucherrekord erwartet hatte, ist fast auf null abgestürzt.

„95 Prozent unserer Mitglieder haben in den letzten Wochen ihre Arbeit verloren“, sagt Brooks Bitterman von der Gewerkschaft Unite Here. Die Gewerkschaft organisiert US-weit 300.000 Beschäftigte. Die meisten von ihnen arbeiten in den großen Hotelketten, in Spielkasinos, im Catering und in den Flughäfen. Insgesamt sind allein im Bundesstaat New York bereits 80.000 direkte Hotelbeschäftigte plus 238.000 (von insgesamt 529.000) Beschäftigte von Zulieferunternehmen – darunter Putzkolonnen, Handwerker, Fahrer – wegen der Pandemie entlassen worden. In den nächsten Wochen wird ihre Zahl weiter steigen.

Nahezu verwaist: der Times Square im April 2020 Foto: Mark Peterson/redux/laif

Für die Branche in den USA ist das, was jetzt passiert, die schwerste Katastrophe der Geschichte. „Schlimmer als 9/11 und die Finanzkrise von 2008 zusammengenommen“, sagt Chip Rogers, Chef des Lobbyverbands der Hoteliers, der American Hotel and Lodging Association. Katastrophen waren bislang entweder regional begrenzt oder zeitlich befristet. Oder beides.

„Katrina“, der Hurrikan im Sommer 2005, hat vor allem New Orleans und Louisiana verwüstet. Die Attentate vom September 2001 waren auf New York und die Hauptstadt Washington konzentriert. Aber die Pandemie ist überall. Und niemand weiß, wie lange sie dauern wird, und schon gar nicht, ob, wie und wann der Tourismus anschließend wieder aufleben wird.

Totaler Leerstand bei Airbnb

Auf einem Video für seine Investoren kämpft Arne Sorensen, der Chef von Marriott, der größten Hotelkette der Welt, im März mit den Tränen, als er erklärt: „Die Lage war nie ernster.“ Wenige Tage zuvor hat der Konzern Zigtausende seiner zu Jahresanfang noch 174.000 Beschäftigten in den USA entlassen. Das Einzige, was Sorensen hoffen lässt, sagt er, ist die „frühe Erholung“ in China.

In New York City, der meistbesuchten Stadt des Landes, wurden die Touristenströme seit Mitte der 90er Jahre jedes Jahr größer. Lediglich in den beiden Jahren nach den Attentaten von 2001 nahm die Zahl der Besucher um jeweils eine Million ab. Nur um ab 2003 umso steiler in die Höhe zu schnellen. Im letzten Jahr waren 67 Millionen Besucher in New York. Die meisten von ihnen hatten in Hotels oder Privatunterkünften gebucht. Jetzt stehen vier von fünf Hotelzimmern in der Stadt leer. Bei Airbnb ist der Leerstand noch totaler. Während einer Pandemie will niemand im Haus eines Fremden wohnen.

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Die wenigen New Yorker Hotels, die jetzt noch viele belegte Zimmer haben, sind in die Bekämpfung der Pandemie involviert. Das Fünfsternehotel Four Seasons ist eines davon. In einer viel beachteten Aktion hat es 225 Zimmer als Gratisunterkünfte für Krankenhausbeschäftigte zur Verfügung gestellt. Jetzt wohnen dort Pflegekräfte und Ärzte, die zur Verstärkung von außerhalb nach New York gereist sind, und New Yorker, die bei sich ausgezogen sind, um ihre Angehörigen nicht anzustecken.

Das Hotel hat seine Restaurants geschlossen, die Minibars weggeräumt und zwischen den belegten Räumen Zimmer freigelassen, damit das Virus sich nicht ausbreiten kann. Andere New Yorker Luxushotels bieten Hilfskräften Räume zu Niedrigtarifen an. Und zahlreiche billigere Hotels vermieten ihre Räume jetzt an die Stadt. Die hat dort Obdachlose einquartiert, eine Bevölkerungsgruppe, die von dem Virus besonders bedroht ist.

Joggerin

Joggen in der leeren Stadt Foto: Lucas Jackson

Schräg gegenüber dem Four Seasons – ebenfalls mit Blick auf den Central Park – befindet sich ein weiteres Fünfsternehotel. Das Trump International Hotel beteiligt sich nicht an den gastfreundlichen Gesten anderer Unternehmen. Es bietet seine Zimmer weiterhin für 575 Dollar pro Nacht an. Wegen der Pandemie hat es bereits 70 Beschäftigte entlassen. Die Kette des Präsidenten, die gegenwärtig von seinen beiden Söhnen verwaltet wird, hat Hilfen aus dem Rettungspaket der US-Regierung beantragt.

Schlangen an Suppenküchen

Das „Trump International“ in Washington, D.C., das in einem bundeseigenen Gebäude sitzt und zu dessen wichtigen Kunden die Gäste des Präsidenten gehören, ist bei der Bundesregierung vorstellig geworden und hat eine Mietsenkung beantragt. Bei einer Recherche in sieben Trump-eigenen Hotels in den USA hat „ProPu­blica“ nirgends „staatsbürgerliche Gesten“ gefunden.

Bei der Gewerkschaft Unite Here stellen sich mit den Massenentlassungen jede Menge existenzielle Fragen. Unter ihren Mitgliedern sind überproportional viele afroamerikanisch oder Latinos, ein Teil hat keine Aufenthaltspapiere, und die meisten Beschäftigten sind Frauen. Die Löhne sind niedrig, und kaum jemand hat Reserven auf der Bank. Viele Entlassene stehen schon jetzt Schlange an den Suppenküchen für Arme in New York.

Wenn ihre in den Washingtoner Rettungspaketen beschlossenen Übergangshilfen für Arbeitslose nach drei Monaten auslaufen, werden sie auch ihre Mieten nicht mehr zahlen können und tiefer abstürzen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verlieren die meisten von ihnen auch die Krankenversicherung. In den USA sind Krankenversicherungen an den jeweiligen Arbeitgeber gebunden. Wer überhaupt eine Krankenversicherung hat, verliert sie in der Regel zugleich mit dem Arbeitsplatz.

Für die ersten drei Monate hat Unite Here arbeitslos gewordene Mitglieder in eine Krankenversicherung aufgenommen. Viele Mitglieder gehören zu gesundheitlichen Risikogruppen, haben bereits bestehende Erkrankungen und sind medizinisch unterversorgt. Die Gewerkschaft unterstützt sie jetzt bei Mietstreiks und Fundraising. Doch nach dem Wegfall der meisten Mitgliedsbeiträge kann Unite Here solche Leistungen nicht unbefristet erbringen.

Jene, die ohne langfristige Arbeitsgenehmigung in New York im Tourismus arbeiten, überlegen, ob sie überhaupt staatliche Hilfen beantragen sollen. „Weiß jemand, ob ich dadurch womöglich meinen nächsten Visumantrag gefährde?“, fragt eine europäische Jazzmusikerin, die sich in New York durchschlägt, ihre Kollegen. Der US-Präsident hat die Behörden angewiesen, Immigranten, die in den USA Sozialleistungen in Anspruch nehmen, Negativpunkte zu geben.

Die großen Hotelkonzerne haben Anliegen in anderen Größenordnungen. Sie verstehen die bislang von der US-Regierung bewilligten Rettungsprogramme in Billionen-Dollar-Höhe als Hilfe, um die Krise zu überstehen und fällige Darlehen an Banken zu zahlen. Unite Here und andere Gewerkschaften hingegen appellieren an Washington, nur solchen Unternehmen öffentliche Hilfen zu zahlen, die ihre Beschäftigten behalten und zurückholen.

Offene Fragen

Aber allen Beteiligten der Branche stellt sich die bange Frage, wie ihre Zukunft aussehen wird. „Da gibt es jede Menge Unbekannte“, sagt Gewerkschafter Bitterman: „Wann gibt es einen Impfstoff und eine Behandlung, wann öffnen die Unternehmen, wie entwickelt sich die Nachfrage, wie funktioniert in Zukunft das Social Distancing?“

Jan Freitag, der die Hotelbranche für die Datenverarbeitungsfirma STR beobachtet, geht davon aus, dass als Erstes die Freizeitreisenden nach New York zurückkommen werden, die Wochenendtouristen. Ihnen werden die Geschäftsreisenden folgen, prognostiziert er. Als die große Frage betrachtet er, wann wieder Kongresse und Konzerntreffen stattfinden werden. „Dazu“, sagt er, „muss klar sein, wie man einen Kongress mit 2-Meter-Abständen organisiert.“

Zu den vielen offenen Fragen gehört auch, wie viele kleinere Hotels aufgeben werden, bevor sie wieder ins Geschäft kommen können. Und ob Privatunterkünfte wie Airbnb künftig noch funktionieren werden. Beim Interview mit einem New Yorker Radiosender gibt sich Airbnb-Chef Brian Chesky optimistisch. „Unsere Gast­geber werden blitzblanke Räume haben, werden sie desinfizieren und zwischen jeder Vermietung 24 Stunden leer lassen“, versichert er. Aber ­Hotelfachleute halten es für möglich, dass die Touristen der Zukunft eher auf standardisierte Reinigungs­methoden von Kettenhotels setzen werden.

Im Theaterdistrikt von New York City flimmert die Leuchtwerbung für manche Shows auch sieben Wochen nach Beginn der „Pause“. Aber die Drehbuchautorin und Journalistin Gwyn McAllister, die in dem Nachbarquartier Hell’s Kitchen wohnt und sich gewöhnlich durch dichte Trauben von Touristen aus aller Welt zur Subway am Times Square kämpft, geht jetzt allein durch stille Straßen. Der Gouverneur von New York hat die „Pause“ vorerst bis zum 15. Mai verlängert. Aber McAllister erwartet, dass es länger dauern wird. Als „persönliche Bewältigungsstrategie“ hofft sie auf eine „Rückkehr zu einer gewissen Normalität“ ab dem 13. Juni.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie Anfang Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen: Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen die Regeln gelockert werden: PatientInnen oder BewohnerInnen sollen wieder durch eine bestimmte Person besucht werden können.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt sein. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga darf die Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen fortsetzen – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten. Was alles unter „Großveranstaltung“ fällt, wird noch geklärt.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios sollen die Ländern Lockerungen eigenständig verantworten.

■ Spielplätze sollen unter Auflagen wieder öffnen – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen werden wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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