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Steigender Ölpreis und KlimaschutzDie Angst vorm Benzinpreis wäre vermeidbar gewesen

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Vom Krieg gegen Iran profitieren derzeit vor allem Ölkonzerne. Das ist gefährlich für den Klimaschutz und vollkommen unnötig.

Glücklich ist …, wer zurzeit keinen Benziner fährt Foto: Thorsten Wagner/imago

E s ist reiner Wahnsinn, dass die USA und Israel ganz offenbar Iran angegriffen haben, ohne sich über die Folgen im Klaren zu sein: Der weitgehende Stillstand des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, abgeschaltete Flüssiggasterminals und der Beschuss von Ölraffinerien führen zu weltweit steigenden Öl- und Gas-Preisen, Angst vor Engpässen der Düngerversorgung und wild ausschlagenden Börsenkursen.

Nachdem der Ölpreis am Montag auf knapp 120 Dollar pro Barrel gestiegen war, behauptete US-Präsident Donald Trump leicht panisch, der Krieg werde bald enden. Der Ölpreis sank. Nur ist völlig unklar, ob Trump das überhaupt versprechen kann. Schließlich müsste Iran einem Waffenstillstand zustimmen, sitzt aber gerade wegen der flatterhaften Energie- und Finanzmärkte an einem echt langen Hebel.

Klar ist nur, dass nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 schon wieder ein Krieg den weltweiten Handel mit fossilen Energien durcheinanderbringt. Profitieren werden fossile Unternehmen, die die Kriegsgewinne dankend mitnehmen, im schlechtesten Fall sogar aufgrund der hohen Preise die Ölförderung ausweiten und so die Erderhitzung noch weiter verschärfen. Leidtragende sind die Menschen in Asien und Afrika, die von steigenden Ölpreisen in die Armut getrieben werden.

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Die Bundesregierung muss sich darauf vorbereiten, eine Kostenexplosion zu verhindern. Indem sie Öl- und Gaspreise auf Kosten der fossilen Konzerne deckelt, und in dem sie ein Tempolimit einführt, zum Beispiel. Die aktuelle Panik wäre vermeidbar gewesen. Solarpaneele aus China sind spottbillig und E-Autos werden immer preiswerter. Heizen kann man auch mit Wärmepumpen.

Hätten Deutschland und Europa in den vergangenen 15 Jahren Tempo gemacht beim Klimaschutz, müsste heute niemand mit Bauchschmerzen auf die rasant steigende Preisanzeige der Zapfsäule schauen. Beim Hochlauf von Erneuerbaren, Wärmepumpen und E-Autos auf die Bremse zu drücken, wie es die Bundesregierung derzeit tut, ist beinah so irrsinnig wie der Krieg gegen Iran.

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Jonas Waack
Klima-Redakteur
Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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