Steigende Strompreise in Hamburg: Teure Leitungen

In Hamburg ist laut dem Portal Verivox der Strom im Bundesvergleich am teuersten. Das liege auch an den hohen Netzentgelten des kommunalen Betreibers.

Mehrere Strommasten auf einer Wiese

Ihre Instandhaltung kostet viel Geld: Strommasten Foto: Nicolas Armer/dpa

HAMBURG taz | Hamburg an misslicher Spitzenposition: Im Bundesländervergleich liegen die Strompreise in der Hansestadt am höchsten. Das hat das Vergleichsportal Verivox errechnet und in seinem diesjährigen Verbraucher-Atlas veröffentlicht. Den Grund sieht das Portal vor allem in den hohen Netzentgelten – die in Hamburg nach einem Volksentscheid seit 2014 vom kommunalen Netzanbieter erhoben werden. Der sieht sich auch durch die hohen Investitionskosten dazu genötigt.

Die jährliche Stromrechnung bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden beläuft sich laut Verivox in Hamburg auf 1.264 Euro. Am niedrigsten sind die Preise in Bremen. Dort liegen sie durchschnittlich bei 1.120 Euro, also mehr als 144 Euro – oder: rund 13 Prozent – unter Hamburg.

„Für das Preisgefälle zwischen den Ländern sind vor allem die Netzentgelte verantwortlich“, sagt Verivox-Sprecher Thorsten Storck. Die Netzentgelte werden für Nutzung und Instandhaltung der Stromleitungen sowie Bereitstellung und Ablesung der Zähler erhoben. Zwar liegen die Entgelte in Hamburg bundesweit nicht an höchster Stelle – sie sind aber allein 2020 im Vergleich zum Vorjahr laut dem Energiedatenbankbetreiber Enet um mehr als acht Prozent gestiegen.

Dass die Strompreise auch in Hamburg steigen, ist angesichts des bundesweiten Trends kaum verwunderlich. Erstaunlich ist aber das Tempo des Anstiegs: Vor zehn Jahren gehörten die Strompreise noch zu den bundesweit niedrigsten. Seither sind laut Verivox die Preise in der Hansestadt um 40 Prozent gestiegen. Bundesweit waren es 22 Prozent.

In diese Zeit fällt auch der Rückkauf des Stromnetzes. Beim Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ im September 2013 hatte eine knappe Mehrheit entschieden, dass der damalige SPD-Senat die drei Versorgungsnetze für Strom, Gas und Fernwärme von den Konzernen Vattenfall und Eon Hanse zurückkaufen solle.

29.000 Kilometer lang ist das Hamburger Stromnetz. Angeschlossen sind rund 1,2 Millionen Zähler.

Rund 600 Millionen Euro hat der Rückkauf der Stadt gekostet. Seit 2016 macht Stromnetz Hamburg Gewinne, die an die Stadt abgeführt werden.

Auch das Fernwärme- und Gasnetz ist mittlerweile wieder in kommunaler Hand.

2015 wurde das Stromnetz rekommunalisiert und die Stromnetz Hamburg GmbH gegründet. Damals hatte der damalige Stromnetz-Geschäftsführer Dietrich Graf bereits angedeutet, dass höhere Netzentgelte nötig seien.

Für die höheren Kosten für Verbraucher:in­nen gebe es heute zwei konkrete Gründe. „Hamburg investiert viel in die Stromnetze“, sagt Stromnetz-Sprecherin Anette Polkehn-Appel. Die jährlichen Investitionen der Netzgesellschaft seien zwischen 2015 und 2019 um 53 Prozent auf 222 Millionen Euro gestiegen.

Dass Investitionen vor der Rekommunalisierung durch die privaten Betreiber ausgeblieben seien, will sie zwar nicht bestätigen. Allerdings: „Es wurde weniger als heute in die Netze investiert.“

Die Hamburger Verbraucherzentrale springt dem Betreiber bei und verweist darauf, dass ein Vergleich von Netzentgelten problematisch sei: Netzausbau und -unterhaltung seien unterschiedlich teuer.

Ein zweiter Grund seien die Entgelte der Übertragungsnetzbetreiber – also der vier großen Unternehmen, die mit den Höchstspannungsnetzen den Strom über große Entfernungen in Deutschland transportieren. Auch diese Entgelte würden steigen und vom Hamburger Netzbetreiber lediglich eins zu eins weitergeben. Beim Unternehmen 50 Hertz, das Hamburg beliefert, liegt die diesjährige Steigerung laut Enet bei sieben Prozent.

Dabei erwirtschaftet Stromnetz Hamburg – aufgrund der Netzentgelte – mittlerweile erstaunliche Gewinne. Nach eigenen Angaben wurden im letzten Geschäftsjahr 2019 knapp 91 Millionen Euro Gewinn gemacht und letztlich an die Stadt Hamburg abgeführt. Die hohen Gewinne als Anlass für sinkende Preise auf Verbraucherseite zu nehmen, will das städtische Unternehmen nicht: Erst solle das Unternehmen an der Refinanzierung des Kaufpreises mitwirken.

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