Startverbot gegen Eisschnellläufer: Fatale Signale
Athleten Deutschland e. V. fordert die Aufhebung des Startverbots gegen Eisschnellläufer Fridtjof Petzold. Kritik am Verband müsse möglich sein.
Die Gefahr ist groß, sich im Kleinteiligen zu verlieren. Vielleicht auch deshalb hob die Interessensvertretung der Profisportler Athleten Deutschland am Mittwoch Grundsätzliches hervor, als sie die sofortige Aufhebung des Startverbots gegen Eisschnellläufer Fridtjof Petzold und seinen Verbleib im Bundeskader forderte. Bei den aktuellen Vorgängen im deutschen Eisschnelllauf, erklärte Athleten Deutschland, gehe es um grundlegende Defizite bei der Verbandsführung. Der Einzelfall weist also aus Sicht der Betroffenen über die spezifischen Probleme des kleinen olympischen Verbandes hinaus.
Das Statement war ganz bewusst getimt. Ein Bericht der Bundesregierung zur Situation in der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) wurde für Mittwochnachmittag im Sportausschuss angekündigt.
Die ARD-Recherche zu Missständen im Verband und die Pressekonferenz von DESG-Präsident Matthias Große vergangenen Donnerstag schlagen weiter mächtig Wellen. Vorwürfe der finanziellen Intransparenz und insbesondere der unzumutbaren finanziellen Belastung von Spitzensportlern durch den Verband stehen im Raum. Große versuchte die Anschuldigungen in der erwähnten Presserunde zu entkräften und die beiden dafür verantwortlichen ARD-Journalisten, denen er ein Hausverbot erteilt hatte, als Lügner zu diskreditieren. Letztere legten am Dienstag neue Schriftstücke vor, um wiederum die Anschuldigungen von Große zu widerlegen. Der Konflikt wird sehr kleinteilig ausgetragen.
Es geht etwa um 59,90 Euro Eigenbeteiligung, welche Eisschnellläufer auch internen Mails zufolge leisten mussten. Große hatte derlei zuvor heftigst abgestritten.
Startverbot nach Kritik
Dabei sind die Missstände bei der DESG unterdessen mit Händen zu greifen. Spätestens seit vergangenen Freitag, als Fridtjof Petzold wegen seiner Kritik am Verband ein vorläufiges Startverbot erhielt und dessen Status als Bundeskaderathlet mit sofortiger Wirkung ausgesetzt wurde. Petzold hatte während der Olympischen Winterspiele von strukturellen Problemen im Verband gesprochen und kritisiert, dass er in Mailand nur mangelhaft betreut worden sei.
„Athletinnen und Athleten müssen Kritik üben können, ohne dadurch ihre Kaderzugehörigkeit zu riskieren“, erklärte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland. Die DESG sende gegenteilige Signale.
Auch machte er deutlich, dass der Verband trotz eigener gegenteiliger Darstellung schon länger kein gutes Bild abgibt: „In den vergangenen Jahren haben sich wiederholt Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer an uns gewandt und auf Fehlentwicklungen in der DESG hingewiesen.“
Der Einschüchterungsversuch von Große, durch Ausschluss Kritiker zum Schweigen zu bringen, scheint nicht wirklich zu fruchten. Am Dienstag hatte Eisschnellläufer Felix Maly angekündigt, aus Solidarität mit seinem Teamkollegen Petzold nicht an der Mehrkampf-WM im niederländischen Heerenveen teilnehmen zu wollen.
Athleten Deutschland nimmt den Vorfall bei der DESG zum Anlass, auf die Notwendigkeit eines unabhängigen Clearingsystems im deutschen Sport hinzuweisen, das Sportlerinnen und Sportler vor Willkürmaßnahmen von Verbandspräsidenten schützt. Leistungsfördernd wäre das gewiss.
Der Sportausschuss im Bundestag, der noch bei Redaktionsschluss tagte, soll sich also neben den konkreten Vorgängen bei der DESG auch damit beschäftigen, wie grundsätzlich Machtmissbrauch in kleinen Verbänden unterbunden werden kann. Das war der Auftrag, den Athleten Deutschland dem Parlament am Mittwoch erteilte und der weit über den Rahmen einer Sitzung hinausgeht.
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