Staatsdiener flüchten aus der Türkei

Hunderte suchen Asyl in Deutschland

Viele türkische Staatsbedienstete haben in Deutschland Asyl beantragt. Die Fälle sind so heikel, dass sie seit Monaten nicht bearbeitet wurden.

Auf einem Blatt steht der Schriftzug "Meldung als Asylsuchender"

Asyl beantragt – und dann passiert lange nichts: So erging es türkischen Flüchtlingen Foto: dpa

HAMBURG epd | Nach dem Putschversuch in der Türkei haben nach Informationen des Spiegels Hunderte türkische Staatsbedienstete in Deutschland Asyl beantragt. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lägen mittlerweile rund 450 Anträge von Diplomaten, Soldaten, Richtern und anderen Beamten samt Familien aus der Türkei vor, meldete das Nachrichtenmagazin am Wochenende.

Ihnen würden Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen, die der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch im Juli vergangenen Jahres verantwortlich macht.

Einige der Schutzsuchenden waren laut Spiegel zuvor als Nato-Soldaten in Belgien stationiert. Auch ein früherer Militärattaché an der türkischen Botschaft eines afrikanischen Landes habe einen Asylantrag gestellt. Insgesamt liegen beim BAMF inzwischen mehr als 7.700 Anträge türkischer Staatsbürger.

Die Anerkennungsquote bei Asylsuchenden aus der Türkei betrug dem Bericht zufolge 2016 rund acht Prozent. In Behördenkreisen wird nun mit einem deutlichen Anstieg gerechnet.

Die heiklen Fälle der Staatsdiener seien monatelang unbearbeitet geblieben, schrieb das Nachrichtenmagazin. Doch inzwischen habe das Flüchtlingsbundesamt seine Leitsätze für Anträge aus der Türkei aktualisiert.

Grundlage dafür sei eine kritische Lageeinschätzung des Auswärtigen Amts gewesen, das in der Türkei „deutliche Anhaltspunkte für eine systematische Verfolgung vermeintlicher Anhänger der Gülen-Bewegung“ sehe. Die Erdogan-Regierung setze „gleichermaßen auf Furcht, Euphorie, Propaganda und nationale Einheit“.

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