Staat beteiligt sich an Netzausbau: Bund steigt bei Tennet ein
Die KfW erwirbt einen Anteil von 25,1 Prozent an der deutschen Tochter des niederländischen Netzbetreibers. So sichert der Staat den Kapitalbedarf ab.
Der Einstieg des Bundes bei der deutschen Tochter des niederländischen Übertragungsnetzbetreiber Tennet ist perfekt. Am Dienstag wurde der Vertrag unterzeichnet, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Der Bund übernimmt für rund 3,3 Milliarden Euro einen Anteil von 25,1 Prozent. „Der Einstieg des Bundes bei Tennet trägt dazu bei, den milliardenschweren Kapitalbedarf in den kommenden Jahren abzusichern“, erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).
Tennet ist der größte von insgesamt vier Übertragsnetzbetreibern auf dem deutschen Strommarkt. Das Unternehmen betreibt ein 14.000 Kilometer langes Hochspannungsstromnetz. In den kommenden Jahren werden viele Milliarden für den Ausbau der Stromnetze und die Absicherung der Energiewende benötigt. Die Leitungen müssen ausgebaut werden, damit etwa von Windrädern im Norden erzeugter Strom nach Süden transportiert werden kann. Mit dem Einstieg bei Tennet ist der Bund an drei von vier Übertragsnetzbetreibern beteiligt, und zwar auch an 50Hertz mit 20 Prozent und an TransnetBW mit 24,95 Prozent.
Der Kauf wird über die bundeseigene KfW abgewickelt. „Mit unserer Beteiligung im Auftrag des Bundes und gemeinsam mit drei weiteren institutionellen Investoren leisten wir einen wichtigen Beitrag für langfristige Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum“, sagte KfW-Chef Stefan Wintels. Die drei weiteren Investoren sind der niederländische Rentenfonds APG, der norwegische Staatsfonds NBIM und der Staatsfonds GIC aus Singapur. Sie wollen bis 2029 Anteile von 46 Prozent an der deutschen Tennet-Tochter erwerben und bis zu 9,5 Milliarden Euro in das deutsche Stromnetz investieren.
Die Ampel-Regierung wollte Tennet 2024 komplett übernehmen. Das scheiterte am damaligen Finanzminister Christian Lindner (FDP) und fehlenden Haushaltsmitteln. Jetzt wird die KfW für den Kauf und eine geplante Kapitaleinlage einen Kredit am Kapitalmarkt aufnehmen, heißt es aus Regierungskreisen. Damit fließen keine Mittel aus dem Bundeshaushalt. Die Verwaltungs- und Refinanzierungskosten der KfW werden aber vom Bundeshaushalt getragen. Dabei soll es sich um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag handeln.
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