Sporttipps auf Schokoriegeln?: 46 Minuten gehen oder wegschauen

Ein britische Studie empfiehlt Sportlabels auf Lebensmitteln, um die angefutterten Kalorien gleich wieder abzutrainieren. Keine gute Idee!

Mädchen beißt in Schokokuss.

Schmeckt auch ohne Aufschrift: Schokokuss Foto: dpa

„46 Minuten gehen oder 20 Minuten joggen“ – diese Aufforderung sollte in Zukunft neben der Nährwertangabe jedes Schokoriegels stehen. Die innere Magersüchtige meldet sich zu Wort und denkt: Geil! Abnehmen leicht gemacht.

Die bahnbrechende Idee kommt aus der Sport-, Bewegungs- und Gesundheitswissenschaftlichen Fakultät der englischen Universität Loughborough. Am Dienstag veröffentlichten Wissenschaftler*innen dort eine Studie, nach der Versuchspersonen durchschnittlich 200 Kalorien weniger am Tag zu sich genommen haben, wenn auf den von ihnen konsumierten Lebensmittelprodukten stand, wie lange sie Sport machen müssten, um die aufgenommenen Kalorien wieder abzutrainieren.

Das alles, sagt die Uni, um übergewichtigen Menschen beim abnehmen zu helfen. Ob die allwissenden Sportwissenschaftler*innen die ungläubigen Dicken damit allerdings erreichen? Jene, die nach der Meinung der Sportwissenschaftler*innen abnehmen sollten, ignorieren heute schon Kalorien-Angaben und werden auch Sportinstruktionen gekonnt übersehen.

Machen wir es den tausenden, vor allem jungen Frauen und Männern doch noch leichter ihre eigene Persönlichkeit und den Spaß am Leben zu Gunsten von thigh gaps und hervorstehenden Knochen zu unterdrücken. Ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland im Alter von elf bis 17 Jahren leidet laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an Symptomen von Essstörungen.

Warum nicht gleich eine Pille?

Essen ist Sünde! Das ist es, was Kennzeichnungen suggerieren, die ungefragt darüber informieren, wie lange es dauert, um dieses oder jenes Lebensmittel abzutrainieren. Alles was wir zu uns nehmen, soll sofort wieder weg! Warum nicht gleich draufschreiben, welche Menge Abführmittel benötigt wird, um die jeweilige Mahlzeit auf dem Klo direkt wieder loszuwerden. Dabei braucht unser Körper selbst im Ruhezustand Energie: Um zu überleben zum Beispiel.

Personen mit Magersucht rechnen. Rechnen den ganzen Tag: Wie viele Kalorien habe ich noch? Wie viele schon? Wie viele Minuten auf dem Laufband sind das? Der Vorschlag der University Loughborough wäre die Erhebung in den Ritterstand dieser Wahrnehmung von Essen. Warum muss eine Maßnahme, gedacht zu Gunsten der einen, auf die Kosten der anderen passieren? Vielleicht wollten die Sportwissenschaftler*innen aber auch einfach selbst Zeit sparen und nicht mehr jeden Löffel Magerquark und Putenwurst abwiegen. Zu Gunsten der armen Fettleibigen, die noch nicht verstanden haben, dass Sport verdammt nochmal dünn und glücklich macht!

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