Spaßguerilla im Europawahlkampf

Ein Vogel für die CDU

David McAllister war gestern, der neue Spitzenkandidat der Konservativen ist Bibo aus der Sesamstraße. Aktivisten feierten ihn im Konrad-Adenauer-Haus.

Der neue Star am Parteienhimmel (groß, gelb) und sein Gefolge. Bild: dpa

BERLIN taz | Jubel bricht aus, als der Spitzenkandidat das Konrad-Adenauer-Haus betritt. Konfetti wirbelt durch die Luft, Luftschlangen fliegen, die Anhänger pfeifen und johlen. Die Stimmung in der Zentrale der CDU erinnert an die Party nach der vergangenen Bundestagswahl, als sich die Parteimitglieder an ihrem Wahlsieg berauschten und den Toten-Hosen-Gassenhauer „An Tages wie diesen“ schmetterten. Doch diesmal stehen nicht die CDU-ler um Angela Merkel im Mittelpunkt, sondern Bibo, der große gelbe Vogel aus der Sesamstraße.

Rund 30 Aktivisten der Interventionistischen Linken (IL) sind am Mittwochnachmittag ganz ohne Einladung in die CDU-Zentrale gekommen und feiern den von ihnen ernannten Spitzenkandidaten zur Europawahl. Das Motto: „Keine Inhalte. Bibo wählen“. Vor einer CDU-Werbewand beginnt das flauschige, gelbe Kuscheltier mit den fröhlichen Kulleraugen seine Rede. Das Krächzen des Megafons und der anhaltende Geräuschpegel der ihm zujubelnden Demonstranten lassen die Worte verschwimmen: Es geht um Deutschlands Rolle in Europa, an einer Stelle ist von „mehr Stress, weniger Geld“ die Rede.

Doch die Aussage der Aktion wird dennoch deutlich. Den jungen Aktivisten, die sich für ihren Besuch bei den Konservativen in Schale geworfen haben, kritisieren die europäische Krisenpolitik bei gleichzeitiger Inhaltsleere des Wahlkampfes. „Überall hört man sinnentleerte Europafloskeln, aber auf die Missstände in der Europäischen Union und die Angriffe der Bevölkerung wird mit keinem Wort eingegangen“, sagt Lisa Runge, Mitte 20, Aktivistin der IL.

Ihre Kritik drückt sich auch auf den Aufklebern aus, die sie an den Wänden und aufgestellten Werbetafeln verkleben. Auch auf ihnen sind Figuren aus der Sesamstraße und der Muppet Show abgebildet. Auf einem bedankt sich das Monster Rumpel für „Sozialabbau, Privatisierung, Überwachung, Militarisierung und Entdemokratisierung“, auf einem anderen steht unter dem Bild der grimmigen alten Männer Waldorf und Statler und dem Logo der CDU: „Damit Europa Chancen für Reiche bringt“.

Die richtigen alten Männer der CDU lockt das Getobe im Foyer aus ihren Büros. Aus den oberen Etagen begutachten sie das Spektakel, einer ruft von der Empore: „Raus hier“. Einige Eifrige eilen herbei, versuchen Bibos Rede zu beenden und beginnen die Demonstranten energisch herauszuschieben.

Es wirkt fast so als hätten sie Angst vor der harmlosen Spaßaktion, die schon nach drei Minuten wieder zu Ende ist. Vielleicht wusste sie aber auch, dass Bibo durchaus in der Lage ist, Spitzenpolitiker ins Stolpern zu bringen. Mitt Romney hatte als US-Präsidentschaftskandidat 2012 Bibos Job in Frage gestellt, als er sinngemäß sagte, den Vogel zwar zu mögen, seinen Sender zukünftig aber nicht mehr finanzieren zu wollen. Die Folge war ein Social-Media-Sturm besonderer Stärke, der Romney dazu brachte, noch einmal zu bekräftigen, den beliebten Vogel nicht abschießen zu wollen.

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