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Spanier wollen nichts gewußt haben

■ Spaniens Atomaufsicht soll strahlende Wolke wissentlich verschwiegen haben. Italiens Justiz ermittelt gegen Spanien

Berlin (taz) – „Wenn noch in 2.500 Kilometer die Werte dermaßen anstiegen, welcher Belastung waren dann die Arbeiter im Stahlwerk und die Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden ausgesetzt?“ fragt der Referent für Nuklearfragen der Madrider Greenpeace-Zentrale, Carlos Bravo. Für ihn ist klar: Der spanische Nukleare Sicherheitsrat (CSN) hat versucht, den Unfall im Stahlwerk Acerinox im südspanischen Algeciras zu vertuschen, bei dem Ende Mai zusammen mit Stahlschrott Kapseln mit radioaktivem Cäsium 137 eingeschmolzen wurden.

Erst vergangenen Freitag, nach dem in der Schweiz, Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich die Atombehörden schon zwei Wochen lang über die Ursache für bis zu 1000fach überhöhte Cäsiumwerte in der Luft rätselten, gab der CSN den Unfall bekannt. Eine „wissentliche Gefährdung der Bevölkerung“ sei dies gewesen, beschwert sich Bravo. Greenpeace- Anwälte bereiten jetzt eine Klage gegen CSN und Regierung vor.

Doch die spanische Atomaufsicht besteht darauf, vom Unfall bis zum 9. Juni, als Acerinox Radioaktivität im Filtersystem von einem der drei Hochöfen meldete, nichts gewußt zu haben. Daß die Wolke auf ihrem Weg zu den Alpen den 900 CSN-Meßstationen in ganz Spanien entgangen sei, führt der CSN darauf zurück, daß der Wind die Wolke in einem Bogen übers Mittelmeer getrieben habe.

„Selbstverständlich vermied die Wolke dabei auch die Balearischen Inseln mitten im Meer“, witzelte Greenpeace-Sprecher Bravo. Das sei nur „eine Notlüge des CSN“. Ihm lägen Informationen vor, wonach zumindest in ostspanischen Almeria und Tarragona erhöhte Strahlenwerte gemessen und verheimlicht wurden. „Ein unerklärbares Stillhalten“ und „einen Verstoß gegen die Informationspflicht“ sieht auch der italienische Umweltminister Edo Ronchi in der Haltung der Spanier. Die Staatsanwaltschaft Turin ermittelt deshalb gegen die spanische Regierung. Reiner Wandler

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