Solidarität mit Myanmar: Unterstützung aus Deutschland

Auch hierzulande gibt es Möglichkeiten, sich gegen den Militärputsch in Myanmar zu engagieren. Erste Proteste hat es schon gegeben.

Demonstranten mit Plakaten vor einer alten Villa

Protest vor der Dienstvilla von Myanmars Militärattachés am 11. Februar in Berlin Foto: Sven Hansen

BERLIN taz | „Aung Kyaw Moe, go home, go home!“ rufen 30 De­mons­tran­t:in­nen vor einer Villa an der Berliner Clayallee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Dazu schlagen sie auf Töpfe wie bei den Protesten, die seit dem Putsch in Myanmars größter Stadt Yangon allabendlich um 20 Uhr für Lärm sorgen.

In der Villa, die noch ein deutsches Firmenschild trägt und nicht als diplomatische Adresse zu erkennen ist, hat Myanmars Militärattaché Aung Kyaw Moe seinen Wohn- und Dienstsitz. Nach den Recherchen der Or­ga­ni­sa­to­r:in­nen des Protests residiert der Brigadegeneral hier mit sechs weiteren Soldaten aus Myanmar.

Einer von ihnen fotografiert die De­­mons­­tran­t:in­nen vor dem Haus mit einem Teleobjektiv erst aus einem Fenster, dann aus der Dachluke heraus. Die Demonstrant:innen, je zur Hälfte Birmesen und Deutsche, sind wegen ihrer Masken gegen Corona und der Mützen gegen die Kälte ohnehin kaum zu identifizieren. Sie filmen mit ihren Handys zurück. Mit Abstand schaut eine Handvoll Polizisten zu, von denen der eine mit den Ohrenstöpseln besonders entspannt wirkt.

Es ist bereits die zweite friedliche Protestaktion in Berlin seit dem Putsch vom 1. Februar in Myanmar. Schon am 4. Februar hatten 150 Menschen vor dem Auswärtigen Amt in Mitte gegen die Machtübernahme der Militärs in Myanmar demonstriert.

Kampagne zur Ausweisung des Militärattachés

Unmittelbar nach dem Coup d’Etat hatten ehemalige Mit­ar­bei­te­r:i­nen des zivilen Friedensdienstes bei Facebook eine Gruppe namens „German Solidarity with Myan­mar Democracy“ gegründet. Sie haben sich inzwischen mit in Deutschland lebenden birmesischen Studierenden vernetzt.

Die Republik der Union Myanmar besteht aus 7 Staaten (ethnischer Minderheiten), 7 Regionen und der 2005 eingeweihten Hauptstadt Naypyidaw als Unionsterritorium.

Einwohner: 57 Millionen

Militär: 380.000 (geschätzt)

Bevölkerung: 135 Ethnien: Birmanen (68 Prozent), Shan (9), Karen (7), Rakhine (3,5), Chinesen (3), Inder (2)

Religion: Buddhisten (88 Prozent), Christen (6), Muslime (4)

Lebenserwartung: 69,6 Jahre

Alphabetisierung: 75,5 (rückläufig)

Pro-Kopf-BSP: 5.142 Dollar

Armutsrate: 25,6 Prozent

Exporte: China (36,5 Prozent), Thailand (21,8), Japan (6,6), Singapur (6,4), Indien (5,9): Gas, Holz, Fisch, Reis, Kleidung, Edelsteine

Importe: China (31,4 Prozent), Singapur (15), Thailand (11,1), Saudi-Arabien (7,5): Stoffe, Ölprodukte, Dünger, Maschinen, Fahrzeuge

Die Facebookgruppe wuchs innerhalb von zwei Wochen auf 290 Mitglieder an, tauscht tägliche Informationen aus und mobilisiert gerade für eine Kampagne zur Ausweisung des myanmarischen Militärattachés.

Trotz jahrzehntelanger Diktatur ist Myanmar kein Land der klassischen Solidaritätsarbeit in Südostasien wie etwa die Philippinen, wo dies durch kirchliche Verbindungen entstand.

Die birmesische Diaspora verstand es zudem schon nach dem letzten Putsch 1988, mit ihren notorischen Fraktionskämpfen und gegenseitigem Missstrauen manch wohlmeinende Deutsche zu verprellen.

Informations- und Projektarbeit

Die Burma-Initiative der Stiftung Asienhaus in Köln konzentriert sich auf Informationsvermittlung und eine kritische Begleitung der deutschen und europäischen Politik gegenüber dem Land. Schon seit dem Jahr 2000 für ein ganz konkretes Projekt engagiert sich der Förderverein Myanmar in Saarbrücken. Er unterstützt mit seinen 500 Mitgliedern in Mandalay eine buddhistische Klosterschule.

Sie bietet Kindern aus benachteiligten Schichten Bildungsmöglichkeiten von der Kita bis zum Abi und ist mittlerweile sogar die größte Schule des Landes. Sie ist offen für Kinder anderer Religionen und mit ihrer Betonung von Aufklärung, Pluralismus und modernen Lehrmethoden inzwischen eine Modellschule.

Es verwundert deshalb nicht, dass sich auch Schü­le­r:in­nen dieser Klosterschule an den Protesten gegen die Militärherrschaft beteiligen, wie der deutsche Förderverein auf seiner Webseite berichtet.

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