: „So lange wie möglich schützen“
Hooges Bürgermeisterin Katja Just ist erst vor 20 Jahren auf die Hallig gezogen. Ein Interview über den Nationalpark und die Frage, wie dieser Lebensraum bewahrt werden kann
Katja Just
45, geboren und aufgewachsen in München, die ausgebildete Kauffrau zog im Jahr 2000 nach Hooge, vermietet dort Ferienwohnungen, ist Schriftstellerin und seit Mai 2018 Bürgermeisterin (Wählergemeinschaft Hooge) der Hallig.
Interview Sven-Michael Veit
taz: Frau Just, ist die Hallig Hooge noch zu retten?
Katja Just: Für die nächsten 100 Jahre ja. Aber nur mit Küstenschutzmaßnahmen.
Das bedeutet einen beträchtlichen Aufwand, auch finanziell.
Der Aufwand ist in der Tat hoch, das stimmt. Aber die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, stellt sich nicht.
Warum nicht?
Die Halligen sind ein herausragendes Natur- und Kulturerbe, nicht nur für Norddeutschland. Sie sind einzigartig auf der Welt, es gibt überhaupt nur zehn und alle liegen sie hier im Wattenmeer vor Nordfriesland. Und nebenbei sind die Halligen selbst auch ein Bollwerk des Küstenschutzes für das Festland.
Sie sind aus Ihrer Sicht als Kulturraum erhaltenswert?
Ja, definitiv. Wir leben hier in einem Unesco-Weltnaturerbe und sind umringt von einem Nationalpark, das sagt doch alles.
Was denken Sie, wie Hallig Hooge in 30 Jahren aussehen wird?
Das wüsste ich auch gerne. Ich gehe zumindest davon aus, dass Hooge dann noch bewohnbar und auch bewohnt ist, eben auch wegen der erhöhten Warften. Aber wie es genau aussehen wird? Da habe ich mir tatsächlich noch kein Bild gemalt.
Nicht wenige glauben, dass die Halligen in spätestens 100 Jahren eh untergegangen sein werden.
Das fürchte ich auch, zumindest die unbewohnten wird es dann wohl nicht mehr geben. Aber wenn ich mir jeden Tag vor Augen halten würde, dass es diesen Lebensraum in gar nicht so ferner Zukunft nicht mehr geben wird, dann wäre das Leben doch nur deprimierend. Unsere Aufgabe heute muss sein, das was da ist, so lange wie möglich zu schützen und zu erhalten.
Aber wenn die Meeresspiegel wie befürchtet ansteigen, werden irgendwann die Warften die Halligen sein.
Ja, das stimmt wohl. Dann haben wir fast 40 Mini-Halligen an der schleswig-holsteinischen Westküste. Aber diese Entwicklung müssen wir mitgehen.
Sie sind erst vor 20 Jahren auf die Hallig gezogen. Eine gute Entscheidung?
Selbstverständlich. Die beste, die ich jemals getroffen habe.
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