piwik no script img

Situation in Kliniken und HeimenPflegekräfte oft und lange krank

Pfle­ge­r:in­nen sind besonders häufig krankgeschrieben und fallen lange aus, zeigt eine Studie. Das liegt wohl nicht nur an der Coronapandemie.

David Muschenich

Aus Berlin

David Muschenich

taz/epd | Pflegekräfte fehlten in den Heimen und ambulanten Einrichtungen so lange wie noch nie in den vergangenen Jahren: im Schnitt an 22,8 Tagen pro Krankheitsfall. Das ergab eine Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, welche die Kasse am Donnerstag in Hannover vorstellte. Andere Arbeitnehmer fehlten 2021 den Angaben zufolge durchschnittlich 17,1 Tage.

Die Krankenkasse hat für diese Statistik Arbeitsunfähigkeitsdaten ihrer Versicherten ausgewertet. Danach war im vergangenen Jahr der Krankenstand unter den Pflegekräften mit 8,8 Prozent überdurchschnittlich hoch – der Bundesdurchschnitt für alle Berufsgruppen lag bei 5 Prozent. Das führte die Kasse auf die gestiegene Arbeitsbelastung während der Pandemie zurück. Die Situation der Pfle­ge­r*in­nen habe sich noch einmal verschärft, hieß es.

Daten anderer Krankenkassen belegen, dass in der Gesundheitsbranche besonders viele erkrankten. Laut der AOK ist auffällig, dass bei den Pflegeberufen eine deutlich höhere Zahl von Corona-Infektionen dokumentiert ist als bei anderen Berufen. Doch mit Corona allein lassen sich die vielen Ausfälle nicht erklären.

Die Krankheitsfälle bei Pfle­ge­r*in­nen waren schon in den Jahre vor der Pandemie über dem Durchschnitt. Das zeigen unter anderem die Daten zwischen 2016 und 2018, welche die Barmer Krankenkasse in ihrem Pflegereport 2020 veröffentlichte. Demnach waren vor allem Al­ten­pfle­ge­r*in­nen betroffen, die überdurchschnittlich oft wegen psychischer Belastung und Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems krankgeschrieben wurden. Andere Gründe für eine Krankschreibung wie Probleme mit der Verdauung waren im Vergleich zu den meisten Berufen sogar unterdurchschnittlich.

Im Rahmen der jüngsten KKH-Auswertung empfiehlt eine Expertin der Krankenkasse, die tägliche Arbeitsbelastung zu reduzieren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare