Pflegeversicherung großer Familien: Es bleibt Handlungsbedarf

Den Beitrag zur Pflegeversicherung für kinderreiche Familien zu senken, ist eine gute Idee. Nur löst das alleine die Probleme noch lange nicht.

Ein Paar mit zwei Kindern steht vor einem Kettenkarussell

Freizeitvergnügen mit mehreren Kindern können schnell teuer werden Foto: Wolfgang Maria Weber/imago

Wer Kinder hat, weiß genau, wie viel sie kosten. Wer viele Kinder hat, weiß das noch besser. Das Leben sogenannter kinderreicher Familien bedeutet erhebliche materielle Einschränkungen: Sie brauchen größere Wohnungen, mehr Essen, mehr Kleidung, mehr Fahrräder, mehr ÖPNV-Tickets. Mehr Geld für Kino, Ausflüge, Urlaub – kurz: von allem mehr.

Nicht wenige Familien mit mehreren Kindern haben sich damit einigermaßen arrangiert und mitunter recht innovative Ideen entwickelt, um am sozialen Leben auf eine ähnliche Weise teilzunehmen wie Familien mit nur einem Kind, deren Leben preisgünstiger ist. Auch der Staat hat Familien mit mehreren Kindern bereits im Blick: Sie werden steuerlich entlastet und erhalten bei Bedarf staatliche Leistungen wie Kindergeldzuschlag, Wohngeld, Zuschüsse aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Trotzdem bleibt ein Rest der Ungerechtigkeit.

Den will das Bundesverfassungsgericht jetzt minimieren, indem es geringere Beitragszahlungen in der Pflegeversicherung für kinderreiche Familien anmahnt. Eine gute und richtige Idee. Wenn große Familien weniger Fixkosten haben, bleibt mehr Geld für anderes. Nur macht der geplante geringere Beitrag zur Pflegeversicherung das Familienportemonnaie nicht unbedingt dicker. Einer Rechnung der Bundesregierung zufolge müssen Durch­schnitts­ver­die­ne­r:in­nen pro zusätzlichem Kind künftig monatlich knapp 5 Euro weniger in die Pflegeversicherung einzahlen – eine halbe Pizza in einem unspektakulären italienischen Restaurant.

Sollte man den Beitragssatz für Kinderreiche also weiter absenken? Oder den für andere Familien erhöhen? Schwierige Frage. Denn alt werden alle mal, auch Eltern mit vielen Kindern. Die Zahl der zu Pflegenden wächst, Pflege ist jetzt schon teuer und wird in den kommenden Jahren noch mehr kosten. Zahlen müssen dafür alle. Es ist auch nicht mehr üblich, Mutter und Vater zu Hause zu pflegen – aus persönlichen wie professionellen Gründen. Es besteht Handlungsbedarf.

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Ressortleiterin taz.de / Regie. Zuvor Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalist:innen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es immer wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.

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