Des Kanzlers Kommunikationsproblem: Friedrich Merz, das Anti-Orakel aus dem Sauerland
So recht will es nicht klappen mit den Vorraussagen von Friedrich Merz. Schon die Kanzlerwahl ging im ersten Wahlgang schief und die AfD halbieren ...
S obald Friedrich Merz den Mund aufmacht, verhalten sich die Worte, die aus ihm quillen, umgekehrt proportional zur Realität. Das heißt, der Bundeskanzler verfügt über eine bemerkenswerte Begabung, Dinge vorherzusagen, die dann nicht eintreten. So ist er eine Art Anti-Orakel. Wenn Merz also kundtut, er traue sich zu, „die AfD mit ihren Wählerinnen und Wählern zu halbieren“, und mit ihm als Vorsitzendem könne die CDU wieder „40 Prozent erzielen“ (2018), dann kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das Gegenteil eintritt, siehe Sachsen-Anhalt, wo die AfD die CDU halbiert hat.
Ebenso in der jüngsten Generaldebatte im Bundestag, als er der AfD-Fraktionschefin entgegenschleuderte: „Frau Weidel, heute können Sie vor Kraft kaum laufen. Aber die absolute Mehrheit haben Sie nicht, und die werden Sie in Deutschland auch nicht erzielen.“ Analysieren wir kurz: In Sachsen-Anhalt fehlen der AfD mit 39 Sitzen im Parlament nur drei weitere zur absoluten Mehrheit. In Mecklenburg-Vorpommern, wo in zwei Wochen gewählt wird, liegt die rechtsextreme Partei bei 35 bis 37 Prozent.
In Sachsen bei 42 Prozent und in Thüringen bei 40 Prozent. Welcher vernünftige Mensch würde also die Prognose wagen, dass die AfD dort in Zukunft keine absolute Mehrheit gewinnen kann? Genau, niemand. Außer Merz, das Anti-Orakel aus dem Sauerland. Wer das für einen Zufall hält, möge sich an die Kanzlerwahl erinnern. Merz versicherte am Vorabend, am nächsten Tag seien „alle an Bord. Ausnahmslos alle.“ Er prognostizierte, im ersten Wahlgang gewählt zu werden.
Der Rest war für die auf der Zuschauertribüne sitzende Merz-Beobachterin Angela Merkel ein inneres Freudenfest. Zwei Wahlgänge lang. Wie also geht es weiter mit dem Mann, der nicht Merkel ist? „Aufgeben ist für mich keine Option“, sagt er. Das Anti-Orakel hat gesprochen. Die Tage des Kanzlers dürften damit wohl gezählt sein. Doch wer könnte an seine Stelle treten? Um das herauszufinden, kontaktierte ich kurzerhand den verstorbenen Orakelkraken Paul im Jenseits.
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Just vor Redaktionsschluss erhielt ich ein Selfie mit drei Futtertöpfen, die jeweils mit Fotos von Politiker*innen beklebt waren. Hier wird es unscharf. Aber ich meine erkennen zu können, dass Krake Paul aus dem Töpfchen frisst, dessen Foto verdächtig nach Merkel aussieht.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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