Sieg der Opposition in Thailand: Noch ist nichts entschieden
Der deutliche Sieg der Opposition gibt Hoffnung. Aber die Gefahr, dass die Machthaber mit Tricks zurückschlagen, bleibt.

D as erfreuliche Ergebnis der Parlamentswahl in Thailand ist in der Tendenz nicht überraschend, aber doch in Details. So war ein Sieg der Opposition laut Umfragen absehbar, aber nicht in dieser Klarheit und Form. Denn es ist auch erfreulich, dass die Reformpartei Move Forward die Oppositionspartei des Thaksin-Clans auf Platz zwei verwiesen hat.
Bisher hatten die extrem reichen und populistischen Thaksins jede Wahl gewonnen, um entweder wieder vom Militär weggeputscht oder von dessen Verfassung um die Macht gebracht zu werden. Jetzt hat der Sieg von Move Forward das Potenzial, den jahrelangen Machtkampf zwischen einstigen Rothemden (Thaksin-Anhänger) und royalistischen Gelbhemden (Militär plus traditionelle Elite) zu überwinden. Der Sieg von Future Forward steht für einen Generationswechsel samt einem Auftrag zu einer überfälligen demokratischen Reformagenda.
Zugleich ist die Niederlage der Militärfraktion deutlicher als sonst. Denn deren zwei Anführer, die bisher stets gemeinsam agierten, traten jetzt gegeneinander an und sehen so einzeln noch schwächer aus. So kommt die Partei des noch amtierenden Premierministers Prayuth nur auf 36 der 500 Sitze. Demokratisch lässt sich daraus beim besten Willen kein Führungsanspruch ableiten. Erschwerend kommt für den Ex-General hinzu, dass er laut Verfassung ohnehin nur noch maximal zwei Jahre amtieren darf.
Jetzt gilt es, ihm das klarzumachen. Zwar fehlen den Wahlsiegern noch einige Sitze, um den militärnahen Senat überstimmen und damit die Ungerechtigkeit des Wahlsystems aushebeln zu können. Aber auch die angeschlagenen militärnahen Parteien müssen um eine Koalition ringen.
Am bequemsten wäre es für sie, die Justiz zur Anwendung eines rechtlichen Tricks zu drängen, um Move Forward auflösen und das Wahlergebnis diskreditieren zu können. Es ist schon einmal ein Regierungschef abgesetzt worden, weil er in einer Kochshow aufgetreten war und sich nicht um das Nebeneinkommen gekümmert hatte. Es ist deshalb in Thailand noch nichts endgültig entschieden.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt