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Sicherheitsprofi zu Massenevents„Veranstalter sind nicht vorbereitet“

Veranstaltungsexperte Florian Sesser simuliert Besucherströme am Computer. Für ihn gibt es keinen Grund, Großveranstaltungen zu meiden.

Reinhard Rossig

Interview von

Reinhard Rossig

taz: Herr Sesser, was genau macht Ihre Firma accu:rate?

Florian Sesser: Wir simulieren Besucherströme im Computer, um die Sicherheit und den Komfort von Großveranstaltungen und öffentlichen Gebäuden zu erhöhen.

Wie kann man Ihrer Erfahrung nach eine Veranstaltung wie die in Manchester schützen? Zumal dann, wenn der Attentäter im Eingangsbereich auf seine Opfer wartet?

Bei großen Veranstaltungen ist eine gute Vorbereitung auch auf Eventualitäten notwendig. Bisher sind viele Veranstalter nicht vorbereitet auf eine Gefahr vor der Sicherheitskon­trolle – sie denken, ihre Verantwortung endet an der Haustür. Unsere Technologie hilft, unterschiedliche Szenarien – speziell eine Räumung – vorab im Computer durchzuspielen und zu testen. Das verhindert zwar keine Explosion. Aber durch die Aufdeckung neuralgischer Punkte können Fluchtwege optimiert werden. Speziell, wenn Menschen in Angst geraten, sind klare Wege enorm wichtig.

Wie verhält man sich als Gast einer Großveranstaltung richtig, wenn etwas passiert?

Zuerst mal sollte man, wenn irgend möglich, Ruhe bewahren. Dann ist es wichtig, dass die Gäste die Gefahrenstelle geordnet verlassen und Hilfskräfte ihre Arbeit machen lassen. Auch Erste Hilfe zu leisten ist immer sinnvoll. Ein Auffrischungskurs kann helfen, mit der eigenen Unsicherheit umzugehen.

Im Interview: Florian Sesser

33 Jahre, leitet die Softwareentwicklung bei der 2014 gegründeten Firma accu:rate, die Großveranstaltungen mithilfe moderner Technologie sicherer machen will. Anlass für ihre Gründung war das Love-Parade-Unglück von Duisburg.

Sollte man sich in Zeiten des Terrors von Großveranstaltungen ganz fernhalten?

Meine private Meinung: ganz klar nein. Terror will Angst schüren. Aber Angst essen Seele auf – und das Leben ist zum Leben da! Und dann ist da noch die Statistik: Die Wahrscheinlichkeit, in einen Anschlag zu geraten, ist sehr gering. Die meisten tödlichen Unfälle passieren im Haushalt.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und der bayrische Ministerpräsident am ­Dienstag ihre gemeinsamen Wahlkampfauftritte in Bierzelten mit Verweis auf Manchester abgesagt haben, halten sie also für Quatsch?

Nein, das ist total sinnvoll! Und zwar aus Gründen der Pie­tät. Man kann doch als Politiker nicht einerseits den Opfern in Manchester sein Beileid aussprechen – und dann andererseits sofort zum Feiern über­gehen.

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