Sexuelle Gewalt an Kindern

Schutz gibt es nicht gratis

Kinder müssen in sozialen Institutionen wie Schulen besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. Das wird Kraft kosten – und Geld.

Kinder laufen durch den Flur einer Schule

Überall dort, wo Wissen und Sensibilität fehlen, können Kinder leichte Beute werden (Symbolbild) Foto: dpa

Am Donnerstag werden die Urteile im sogenannten Lügde-Prozess gesprochen. Die beiden Hauptangeklagten dürften für viele Jahre hinter Gitter wandern. Das ist gut so, denn sie haben massenhaft und in brutaler Weise Kindern Gewalt zugefügt. Auch wenn der Fall Lügde in seiner Drastik ein Einzelfall zu sein scheint, heißt das nicht, dass Kinder und Jugendliche anderswo und in jedem Fall besser vor Missbrauch geschützt sind. Im Gegenteil: Überall dort, wo Wissen, Sensibilität und Engagement für Kinderrechte fehlen, können Kinder leichte Beute werden. Die Tatorte können Schulen sein, Krankenhäuser, Ferienheime, Internate, Sportvereine, kirchliche Einrichtungen.

Das heißt nicht, dass dort grundsätzlich Gefahr lauert und Kinder nicht mehr im Krankenhaus behandelt werden oder ins Ferienlager fahren können. Aber nicht selten wissen Lehrer*innen, Erzieher*innen und Krankenhauspersonal gar nicht, worauf sie achten müssen, um sexuellen Missbrauch zu erkennen. Das sollten sie aber wissen, denn nur so können sie eingreifen – am besten bevor etwas passiert.

Dafür braucht es Schutzkonzepte in jeder Schule, jeder Kita, jeder Klinik, jedem Hort. Es muss Personen geben, an die sich Kinder und Jugendliche wenden können, ohne Furcht, dass ihnen (wieder) nicht geglaubt wird. Und mit der Gewissheit, dass ihnen (endlich) geholfen wird. In Einrichtungen, wo Kinder und Jugendliche aufeinandertreffen und betreut werden, muss eine angstfreie Atmosphäre herrschen. Eine solche Atmosphäre ist kein Selbstläufer, sie steht und fällt mit den Personen, die sie produzieren.

Flächendeckende Schutzkonzepte zu erarbeiten, Schulgesetze dahingehend zu ändern und Ansprechpartner*innen in den Einrichtungen auszubilden, kostet viel Geld. Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig spricht gern von einer dreistelligen Millionensumme, die dafür nötig sei. Und er wünscht sich „kinderschutzfreundliche Finanzminister“. Das klingt ein bisschen wie Gedöns, entspricht aber exakt der UN-Kinderrechtskonvention, die auch Deutschland ratifiziert hat.

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