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Sendung bringt Streitparteien zusammenWenn Worte retten

Das Youtube-Format „Das letzte Gespräch“ bringt Menschen mit ungeklärten persönlichen Konflikten zusammen. Sie zeigt, wie wichtig Zuhören ist.

Wie spricht man mit einer Person, mit der man seit Jahren nicht gesprochen hat? Noch dazu, wenn dahinter ein ungelöster Konflikt steckt? Das Format „Das letzte Gespräch“, produziert von funk, dem digitalen Gemeinschaftsangebot von ARD und ZDF, bringt Menschen zusammen, zwischen denen ungeklärte Konflikte stehen. Es geht darum, wieder zueinander finden oder mit dem letzten Gespräch Abschied zu nehmen.

In jeder Folge begegnen sich zwei Menschen. Ob entfremdete Zwillinge, Väter, die ihre Töchter verlassen haben oder Freund:innen, deren Lebenswege auseinander gehen: Sie erhalten in diesem Format die Möglichkeit, wieder miteinander zu sprechen. Und das vielleicht zum letzten Mal.

Verhärtete Fronten sollen aufgeweicht werden. Die Gäste führen in mehreren Phasen ihr Streitgespräch, das häufig von Unsicherheit, Hoffnung und Schmerz durchzogen ist.

Moderiert wird es von Maria Popov, bekannt durch das erfolgreiche Youtube-Format „Auf Klo“. Sie schafft es mit ihrer sensiblen Art, sich den intimen und verletzenden Konfliktthemen der Gäste anzunähern.

Die Sendung

„Das letzte Gespräch“, Youtube

Auch Lisa-Sophie Scheurell, bekannt aus der funk-Reihe „Die Frage“, moderierte bereits eine Folge. Dabei werden sie vom Psychotherapeuten Umut Özdemir oder der Paartherapeutin Hedda unterstützt. Sie nehmen auf Wunsch der Betroffenen die Rolle eines der Gäste ein und versuchen, die Worte des anderen zu übersetzen.

Die letzte Folge zeigt, wie hilfreich die Unterstützung der The­ra­peu­t:in­nen sein kann: Maja und ihre Mutter Petra, die nicht akzeptieren will, dass ihre Tochter Content auf der Erotikplattform OnlyFans hochlädt, sprechen das erste Mal nach dem Kontaktabbruch vor drei Monaten.

Der Mutter ist die Onlinepräsenz der Tochter unangenehm, sie möchte, dass sie den Namen des Vaters annimmt, um kein schlechtes Licht auf den Familiennamen zu werfen. Beide schildern erst mal ihre Per­spektive, bevor es zur ersten gemeinsamen Gesprächsrunde kommt.

In der jungen Zielgruppe sehr erfolgreich

Für Petra ist das Thema ein Tabu, für Maja Ausdruck von Selbstbestimmung. Nach jeder Gesprächsphase reflektieren sie alleine mit der Moderatorin, wie sie sich fühlen und ob sie das Gespräch weiterführen möchten. Maja und Petra nutzen mehrfach die Unterstützung der Psychotherapeutin und schaffen es so, sich wieder anzunähern. Für die beiden ist es nicht das letzte Gespräch.

Das Format stellt wunderbar zur Schau, wie scheinbar unlösbare Konflikte gelöst werden können. Es wird sehr viel Wert auf respektvolle, ehrliche und offene Kommunikation gelegt. Richtig streiten muss gelernt sein. Eine gute Streitkultur ist essenziell in Beziehungen. Doch stellt sich die Frage, warum Menschen für solche persönlichen und intimen Gespräche in die Öffentlichkeit des Youtube-Formats gehen.

Bislang ist der Kanal mit rund 25.000 Abon­nen­t:in­nen noch nicht so bekannt. Inhaltlich passt er hervorragend in die Digitalstrategie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie ist laut ARD-Akzeptanzstudie gerade in der jungen Zielgruppe sehr erfolgreich.

76 Prozent der 14- bis 24-Jährigen nutzen mindestens einmal pro Woche das digitale ARD-Angebot. 20 Prozent mehr als bei der letzten Befragung 2023. 58 Prozent der jungen Zielgruppe finden das Angebot wichtig, hier gab es einen Anstieg von 13 Prozent. Doch zeigt die Studie auch, dass sich weniger als die Hälfte der Menschen von der ARD repräsentiert fühlt.

Formate wie „Das letzte Gespräch“ können helfen, das zu ändern. Sie holen Themen wie Identität, Familie, Sexualität und Selbstbestimmung in den öffentlichen Diskurs – auf ehrliche Weise.

Sie zeigen Menschen, wie man streitet, zuhört und sich wieder vertragen kann. Aber auch, dass es in Ordnung ist, wenn es das letzte Gespräch ist. Es ist keine Anleitung zur perfekten Versöhnung, sondern eine Einladung, aufeinander zuzugehen.

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