Senat auf Schlingerkurs: Sozialarbeit kann weiter gehen
Eigentlich wollte der Senat die Streetworker vom Kotti nicht mehr weiterfinanzieren, nun bekommt der Träger Gangway doch noch Geld.
Mit großer Erleichterung reagiert der Verein für Straßensozialarbeit Gangway auf die Ankündigung des Senats, das Drogenpräventionsprojekt am Kottbusser Tor doch weiterzufinanzieren. „Als Träger freuen wir uns, besonders mit Blick auf die Adressaten“, sagte Hanna Lauter, die für Gangway die Standorte in Kreuzberg und Friedrichshain koordiniert, am Montag der taz. Sie hebt hervor, dass die zugesprochene Laufzeit von zwei Jahren sehr wichtig sei, um das Projekt, das erst vor knapp einem Jahr an den Start ging, zu verstetigen. Der Aufbau von Vertrauen und Sichtbarkeit im Bezirk ist eine Voraussetzung für aufsuchende Sozialarbeit, weshalb die drohende Aufkündigung der Gelder für viel Irritation sorgte.
Der Senat hatte letzten Freitag erklärt, dass er die Streetworker vom Kotti, die sich am Kotti vor allem um jugendliche Drogenkonsumenten kümmern, finanziell weiterfördert. Demnach soll Gangway für das Projekt mit rund 100.000 Euro pro Jahr etwa genauso viel bekommen wie im vergangenen Jahr.
Gangway rief das Standortprojekt letzten Frühling ins Leben. Ausgestattet mit der „Seifenbüchse“ als mobiler Einsatzstation streifen Einsatzteams zweimal wöchentlich durch das von der Berliner Polizei als „kriminalitätsbelasteter Ort“ eingestrufte Gebiet im Herzen Kreuzbergs. Trotz der ausgesprochen positiven Resonanz des Projektes stellte die angekündigte Streichung der Fördergelder aus dem „Sicherheitspaket“ dieses vor ein jähes Ende. Der Verein sah sich mit Stellenkürzungen konfrontiert und konnte laufende Verträge nicht mehr verlängern.
Dass nun ein Zusammenschluss dreier Senatsverwaltungen (Bildung, Umwelt und Wissenschaft) für das Fortbestehen des Projektes aufkommt, lässt die Bildungsverwaltung nicht ohne Seitenhieb gegenüber der amtierenden Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) über die Bühne gehen: Es sei dem Bezirk „offenkundig nicht gelungen, hier eine entsprechende Schwerpunktsetzung vorzunehmen“.
Die Bezirksverwaltung weist den Vorwurf von sich: Der Bezirk habe vom Regierenden Bürgermeister „mehrfach zugesichert bekommen, dass alle Projekte in 2026 weiterfinanziert werden. Daher bestand kein Anlass dazu, zu priorisieren“, erklärt die Sprecherin des Bezirks, Sara Lühmann. Die Aussage der Bildungsverwaltung entbehre daher jeglicher Grundlage. Über das Fortbestehen des wichtigen Projektes freut sich aber auch die Bezirksverwaltung.
Hanna Lauter, Gangway
Für Gangway und ihre Betreuten ist damit alles noch mal gut ausgegangen. Nichtsdestotrotz bezeichnet Lauter den Prozess als „kräftezehrendes Pingpongspiel“. Der Verein müsse regelmäßig für die Fortführung seiner Arbeit kämpfen, anstatt dass diese strukturell verankert und dadurch abgesichert werde, führt die Bezirksleiterin von Gangway aus. „Eine Verstetigung würde bedeuten, dass das Projekt in der Regelfinanzierung verankert ist.“
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